Bagger im Einsatz für Eisvogel & Co.

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Forstwissenschaftler Christoph Tölle (2.  v. links) vertrat bei einem Ortstermin am Lenne-Altarm Grundstücksbesitzer Amprion. Mit dabei waren auch Vertreter der Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises, des THW und der Oberen Wasserbehörde der Bezirksregierung Arnsberg (im Bild rechts Wilfried Prehm), die das Ablassen des Lennewehres veranlassten, wodurch zwei Naturschutzgebiete nahezu trockengelegt wurden. Der Lenne-Altarm konnte mittels Pumpen künstlich bewässert werden. Hier wird nun nach einer dauerhaften Lösung für die Zukunft gesucht.

Plettenberg – Als im April am Lennewehr im Bereich Siesel der Stöpsel gezogen wurde und sich das Rollenwehr öffnete, sank der Lennepegel auf einen Schlag um rund drei Meter. Tausende Fische und Kleinstlebenwesen verendeten, weil die Bezirksregierung Arnsberg die heimischen Angler zu spät informierte.

Danach passierte zunächst weiter nichts. Der abgesunkene Lennepegel legte zwischenzeitlich auch die beiden Naturschutzgebiete Auf dem Pütte und Humme nahezu trocken. Der für die Maßnahme mitverantwortliche Wilfried Prehm verteidigte die Wehröffnung und die Aufgabe des kleineren Naturschutzgebietes Humme, das direkt an der Bahnlinie liegt. „Dass das Leben der Bahnfahrer einen höheren Stellenwert hat, als die Lebewesen dort, ist doch klar“, so Prehm. Die Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises, die für das FFH-Gebiet Auf dem Pütte und Humme zuständig ist, wurde nach Informationen unserer Zeitung von der Anordnung der Bezirksregierung Arnsberg überrascht, reagierte aber schnell und beauftragte das THW damit, den Lenne-Altarm mittels Pumpen künstlich zu bewässern. 

Drei Monate später kam es nun zu einem großen Ortstermin im Bereich des Lenne-Altarms. Ulrich Detering, Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg für Gewässer der 1. Ordnung, ging es dabei vor allem darum, „einen Zwischenschritt zu machen“ und die Übergangslösung mit drei Pumpen des THW Altena zu beenden.

 Denn die Pumpen müssen jeden Tag kontrolliert werden, wodurch das THW bereits 6000 Kilometer abgespult hat. Über 100 Tage liefen die großen Pumpen Tag und Nacht und sind nach Auskunft von Klaus Rohr, Sachbearbeiter bei der THW-Regionalstelle in Dortmund, „nach dem Einsatz an der Lenne fertig“. Mit einer mehr als 300 Meter langen Leitung wurden pro Minute gut 1 000 Liter Wasser vor dem geöffneten Lennewehr aus dem Fluss entnommen. Zwei weitere Pumpen, die zusammen 1200 Liter Wasser pro Minute pumpen können, befinden sich unweit des Sieseler Bahnübergangs am Wiebecker Bach. 

Im Bereich einer ehemaligen Brücke eines alten Obergrabens neben der Bahnstrecke wurde nun ein direkter Durchbruch zum Altarm geschaffen. Durchgeführt wird diese Maßnahme im Auftrag der Bezirksregierung Arnsberg. Wer abschließend die Kosten für die gesamte Maßnahme übernimmt, ist derzeit noch offen.

Bislang wartet das THW Altena, das mit einem Stundensatz von gerade einmal drei Euro aufwartet, noch auf die erste Teilzahlung. Und genau da könnte es auch Probleme geben, denn auch wenn die Bezirksregierung diese Kosten übernehmen will, geschehe dies unter Vorbehalt, denn laut Ulrich Detering sei derzeit noch nicht völlig klar, wer am Ende die Kosten übernehmen müsse. Eine juristsche Auseinandersetzung schloss er nicht aus. Ungeachtet dessen zeigte Detering mit seinem Team den Willen, die Situation an der Lenne nachhaltig zu verbessern. Und so ließ er im Auftrag der Bezirksregierung einen großen Bagger anrücken, um nach Absprache mit Christoph Tölle vom Grundstückseigentümer Amprion einen Durchbruch von einem vorhandenen Obergraben zum Altarm vorzunehmen. „Damit könnten wir zwei der drei Pumpen ersetzen und eine eigene Pumpe installieren“, sagte Detering, der in dem Zuge auch einen Erdwall im Obergraben beseitigen ließ. Und auch über die zukünftige Wasserversorgung des Lenne-Altarms macht man sich in Arnsberg Gedanken und gab ein Gutachten in Auftrag. Damit soll geklärt werden, wie der Lebensraum von Eisvögeln, Kauzen und Schwarzstörchen auch ohne Lennestau zukünftig mit Wasser versorgt wird. Denn ob und wann der durchlässige Bereich am Bahndamm saniert wird, ist derzeit noch offen.

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