Bistum Essen nutzt Spielräume im Kirchenrecht:

Was der Vatikan zu der Frau im Sauerland sagt

Ulrich Lota, Sprecher
des Bistums Essem
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„Dass man in Köln einen Zaun um den Dom segnet, aber keine Menschen gleichen Geschlechts gesegnet werden, ist etwas, was ich meiner Tochter nur schwer vermitteln kann“, sagt Ulrich Lota, Sprecher des Bistums Essen.

 Pfarrer Patrick Schnell aus Plettenberg ist stolz auf seine Schwester, die wie berichtet seit Anfang April neue Pfarrbeauftragte in der St. Matthäus-Gemeinde in Altena ist

Plettenberg/Altena - „Sie schreibt gewissermaßen Geschichte, zumindest in unserem Bistum und in dieser Region“, sagt Patrick Schnell zu der Rolle von Sandra Schnell. Die in Herscheid aufgewachsene Pfarrbeauftragte darf als Frau in der katholischen Kirche Wortgottesdienste halten und auch die Kommunion austeilen.

Nutzung übrig gebliebener Hostien

Nicht erlaubt ist es ihr, während der eucharistischen Liturgiefeier die Konsekrationsworte zu sprechen, bei der nach römisch-katholischer Lehre Brot und Wein in Leib und Blut Christi gewandelt werden. Denn das Sprechen dieser Worte ist bis heute nur geweihten katholischen Priestern männlichen Geschlechts erlaubt. Und doch darf die Pfarrbeauftragte Sandra Schnell die Kommunion nach der Wandlung austeilen – auch ohne Anwesenheit eines Priesters.

Dazu kann sie beispielsweise die Hostien nutzen, die bei der letzten Eucharistiefeier übrig geblieben sind und im sogenannten Tabernakel – dem Aufbewahrungsort der in der Eucharistiefeier konsekrierten Hostien - aufbewahrt werden. Ihr Bruder oder ein anderer Priester können allerdings in einem zuvor gehaltenen Gottesdienst eine größere Anzahl an Hostien konsekrieren und es so Sandra Schnell ermöglichen, Wortgottesdienste mit Kommunion, aber ohne Liturgiefeier durchzuführen.

Noch keine Rückmeldung aus Rom

Ulrich Lota, Pressesprecher des Bistums Essen, betonte mit Blick auf die Einstellung der Pfarrbeauftragten, dass das „Kirchenrecht Spielräume bietet, die man nutzen muss“. Lota geht davon aus, dass das Pilotprojekt im Bistum Essen ähnlich wie im Bistum Osnabrück bundesweit Schule machen wird. „Die Priester, die es braucht, um die entstandenen Lücken zu besetzen, gibt es nicht. Das ist der Versuch, dem Kirchenrecht Genüge zu tun und auf der anderen Seite zu schauen, welche Möglichkeiten sich in der Lebenswirklichkeit der Menschen bieten“, sagte Lota. Bislang gebe es vom Vatikan in Rom keine Rückmeldung dazu – weder positiv noch negativ.

Sandra Schnell ist Pfarrbeauftragte des Bistums Essen und leitet die Pfarrei St. Matthäus in Altena.

Die vor dem Hintergrund der im Jahr 2025 geplanten Schließung der Kirche St. Johann-Baptist angelaufenen Kooperationsgespräche mit der Evangelischen Kirchengemeinde Eiringhausen sieht der Bistumssprecher positiv: „Die Zukunft des Christentums ist eine oekumenische Zukunft, weil uns mehr eint als trennt.“ Auf höchster Ebene tue man sich mit dem Thema allerdings noch schwer, doch er wisse von einigen Beispielen, bei denen sich evangelische und katholische Christen ein Gotteshaus teilen – so wie in der Lambertuskirche in Neuenrade-Affeln. Das Bistum Essen sei offen für solche Überlegungen, so Lota.

Abschließend verdeutlicht er, was er von der Ablehnung der Trauung von gleichgeschlechtlichen Trauungen in der katholischen Kirche hält: „Dass man in Köln einen Zaun um den Dom segnet, aber keine Menschen gleichen Geschlechts gesegnet werden, ist etwas, was ich meiner Tochter nur schwer vermitteln kann.“ 

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