Warum ein Teil der „Vier-Täler-Lounge“ am Alten Markt zu einer Wettannahmestelle geworden ist

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In einem abgetrennten Bereich neben der „Vier-Täler-Lounge“ hat Inhaber Apostolos Chalaftris eine Wettannahmestelle eingerichtet, die einen eigenen Eingang hat und für die Kunden vom Vier-Täler nicht von innen zu erreichen ist.

Plettenberg - Die "Vier-Täler-Lounge" wandelt sich: Statt ausschließlich einer Bar hat der Betreiber dort nun auch eine Wettannahmestelle eingerichtet.

Apostolos Chalaftris hatte Großes vor. Er wollte den Plettenbergern mit seiner „Vier-Täler-Lounge“ einen Mix aus Bistro und Bar bieten, nach dem Vorbild von großen Wettbewerbern wie „Cafe del Sol“, „Café Extrablatt“ und wie sie alle heißen. Nun hat er das Lokal in zwei Räume aufgeteilt und in dem abgetrennten Bereich eine Wettannahmestelle eingerichtet. Erste öffentliche Rückmeldungen zeigen, dass die Bürger mit Unverständnis reagieren.

„Noch ein Lokal mit Sportwetten in der Innenstadt – muss das sein? Und ist das überhaupt zulässig?“ Sowohl beim Seniorenforum am Dienstag in der Stadtbücherei, als auch im Planungsausschuss am Mittwoch im Ratssaal tauchten diese Fragen auf.

„Mir blieb nichts anderes übrig“, sagt Apostolos Chalaftris dazu auf Nachfrage. „Ich muss ja irgendwie versuchen, den Laden zu retten.“

Drei Monate ist es jetzt her, als der 36-Jährige die „Vier-Täler-Lounge“ am Alten Markt neu eröffnet hat. Er hat dafür das Untergeschoss mit den Barräumen und Teile des Gebäudes gekauft, hat eine Küche installiert, den Bezahlsender Sky abonniert, renoviert und neue Stühle, Tische und Heizpilze für die Außengastronomie gekauft. Tagsüber sollte das „Vier-Täler“ ein Bistro sein, abends eine Cocktailbar, in der DJs am Wochenende für Musik sorgen und getanzt werden kann.

Als hätten die Plettenberger auf ein solches Angebot gewartet, stürmten sie in den ersten Wochen ins „Vier-Täler“. Der Laden war freitags und samstags mit 100 bis 150 Besuchern bestens gefüllt. Doch es gab ein großes Problem. Wiederholt mussten Polizei und Ordnungsamt in den Anfangswochen das „Vier-Täler“ aufsuchen. Nie wegen Schlägereien oder dergleichen. Sondern immer wegen Ruhestörung.

Eine geringfügige Zahl von Anwohnern fühlte sich einerseits durch die zu laute Musik gestört, andererseits durch die Raucher, die ihrem Verlangen nur vor der Tür nachgehen dürfen und sich dabei offenkundig zu laut verhalten haben. Das Problem mit der lauten Musik bekam man im „Vier-Täler“ nach eigener Aussage durch eine geringere Lautstärke schnell in den Griff. Aber die zu lauten Raucher blieben den Anwohnern ein Dorn im Auge.

Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel bestätigt die wiederholten Beschwerden der Nachbarn, die sich in ihrer Nachtruhe gestört fühlten. Ab 22 Uhr, so sagt es das Landesemmissionsschutzgesetz, dürfen Lautstärken von 45 Dezibel nicht mehr überschritten werden. „Wenn diese Richtwerte nicht eingehalten werden, sind die Beschwerden berechtigt“, sagt Thorsten Spiegel. „Wir müssen dann reagieren.“

Andreas Barnewitz, der Vorsitzende des SC Plettenberg, kennt diese Vorschriften bestens. Als er mit einer Vielzahl von Helfern im Jahr 2006 erstmalig die Leinwand-Übertragungen zur Fußball-Weltmeisterschaft auf dem Alten Markt organisiert hatte, gab es ebenfalls Beschwerden wegen der Nachtruhe. „Wir hatten damit bei den ersten Veranstaltungen richtig Probleme, obwohl wir uns an die Vorgaben gehalten haben“, berichtet Barnewitz. Viele Gespräche mit Ordnungsamt und Anwohnern haben im Lauf der Jahre zu Zugeständnissen geführt, durch die es im wahrsten Sinne des Wortes ruhiger geworden ist. Ab 22 Uhr darf beim Rudelgucken keine Musik mehr gespielt werden, dafür dürfen Spiele bis 0 Uhr übertragen werden.

Ruhiger ist es mittlerweile auch in der „Vier-Täler-Lounge“ geworden. Nach den sehr guten Besucherzahlen zu Beginn und den vielen Polizeieinsätzen nahm die Frequenz ab; die Bar hat eine Entwicklung genommen, die Betreiber Apostolos Chalaftris die Sorgenfalten in die Stirn getrieben hat. Die Umsätze seien eingebrochen. „Ich stand vor der Möglichkeit, Privatinsolvenz anzumelden oder mich irgendwie zu retten.“

Als Betreiber des „Empire“, einer Bar mit Spielautomaten am Beginn der Wilhelmstraße, weiß Chalaftris, dass das Glücksspiel-Geschäft funktioniert. Dass er das „Vier-Täler“ abteilen wird und im abgetrennten Bereich eine Wettannahmestelle eröffnet, sei nie geplant gewesen. Trotzig sagt er: „Die Entscheidung für eine Wettannahmestelle statt einer Bar habe nicht ich, sondern haben die Anwohnern getroffen.“

Wie es nun mit der Bar weitergeht? „Gute Frage“, sagt Chalaftris. „Die Leute sind weiterhin herzlich willkommen.“ Der Barbetrieb mit Cocktails, Snacks, Musik und den Übertragungen von Sky laufe freitags und samstags noch weiter wie bisher. Vielleicht wird es bei höheren Temperaturen auch die angekündigte Außengastronomie geben. Chalaftris will nicht zu viel versprechen. Er ist vorsichtig geworden. Aber aufgeben, so sagt er, will er die Bar noch nicht.

Zur Info:

Es handelt sich bei der Neueröffnung von „X-Tip Sportwetten“ nicht um ein Wettbüro, sondern um eine Wettannahmestelle. Im juristischen Sinn bedeutet das einen großen Unterschied.

In Wettbüros kann und soll man sich aufhalten, kann an Stühlen und Tischen miteinander plauschen und an der Theke ein Getränk bestellen. Wettannahmestellen dürfen all das nicht anbieten: Hierher kommen Kunden, die an den Computerbildschirmen ihre Wetten platzieren, ihren Tippschein abgeben wollen oder ihr Guthaben aufladen möchten.

Während Wettbüros und Spielhallen in den Innenstädten wegen der Regelungen in den Bebauungsplänen nicht ohne weiteres zugelassen werden, gilt eine Wettannahmestelle als ein Gewerbe, ebenso wie eine Lotto-Toto-Stelle. Diese wiederum sind in der Innenstadt zulässig, weswegen das Planungsamt dem Betreiber von „X-Tip Sportwetten“ bereits eine mündliche Zusage gegeben hat. Die Bauaufsicht wird über den Antrag in den nächsten Tagen entscheiden – wahrscheinlich positiv.

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