Neue Attraktion wird Wirklichkeit

Warum der Stadtrat Plettenberg trotz immenser Kostensteigerung für die Wasserspiele gestimmt hat

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Die Sanierung der Innenstadt ist großes Thema.

Plettenberg – Dieser Entscheidung ging eine lange Diskussion voraus: Der Stadtrat hat sich am Dienstag in einer Kampfabstimmung mehrheitlich für neue Wasserspiele in der Innenstadt ausgesprochen.

Zum Preis von insgesamt rund 635.000 Euro soll nun schon bald ein Wasserpfad entstehen. Die Bestandteile: der räumlich versetzte Vier-Täler-Brunnen, je ein Fontänenfeld am Maiplatz und am Alten Markt sowie zwei Wasserspielgeräte („Fontänenhüpfer“) in der Wilhelmstraße.

Vor allem der hohe Preis bestimmte die Diskussionen unter den Ratsmitgliedern. Carsten Hellwig (FDP) richtete seine Kritik offen gegen das „unfähige Planungsbüro“ bbz aus Berlin, das sich mit seiner Kalkulation von knapp über 200.000 Euro für den kompletten Wasserpfad völlig verrechnet habe. „Wir haben uns den falschen Partner ins Bett gelegt und jetzt müssen wir das ausbaden. Aber das müssen wir jetzt machen“, sagte Hellwig, der damit auf einer Linie mit Klaus Salscheider von der PWG lag.

Zuvor hatten SPD und CDU ihre unterschiedlichen Meinungen kundgetan. Martina Reinhold (SPD) plädierte für die Wasserspiele: „Die Wasserspiele können mehr Leben in die Innenstadt bringen, weil der Impuls für die Fontänen von den Leuten ausgelöst werden muss. Kinder werden die Fußgängerzone gerne aufsuchen.“ Die Kosten müsse man im Zusammenhang mit der Gesamtsumme für die Innenstadtsanierung (rund 10 Millionen Euro) sehen. Beim Bahnhofsumbau in Eiringhausen habe man damals aus Kostengründen auf Wasserspiele zum Preis von 50.000 Euro verzichtet – „da haben wir die Chance verpasst“, meinte Martina Reinhold.

Zu hohe Kosten für zu wenig Nutzen

Adrian Viteritti (CDU) nannte seine Argumente, die gegen die Wasserspiele sprechen: gravierende Kostensteigerung, an vermutlich neun Monaten im Jahr aufgrund des Wetters nicht nutzbar und Spaß daran hätten nur Kinder zwischen 10 und 15 Jahren, denn die jüngeren Kinder seien zu leicht. Viteritti: „Wenn ich mir vorstelle, dass mein zweieinhalbjähriger Sohn darauf springt – dann wird nichts passieren.“ Aber gerade diese jungen Kinder müssten nach dem Innenstadtumbau doch auch durch neue Spielgeräte angesprochen werden. „Diese Fontänenhüpfer können doch nicht alles sein“, so Viteritti.

Mehr zu der Planung der Wasserspiele

Und der CDU-Vorsitzende war noch nicht fertig mit seiner Kritik: „Bei den ersten Beschwerden wird alles abgebaut und wie seinerzeit die Wippe beim Bauhof eingelagert.“ Eben jene Wippe wurde vor vielen Jahren in der Fußgängerzone aufgestellt und nach wenigen Wochen wegen Lärmbeschwerden wieder abgebaut.

Bärbel Keiderling (parteilos) griff den Gedanken der Beschwerden auf: „So etwas in Plettenberg? Oh weh, es wird jemand nass, der nicht nass werden wollte...“ In Richtung der SPD sagte die Ex-Grünen-Vertreterin: „Ich weiß nicht, warum ihr mit aller Gewalt versucht, die Leute gegen euch aufzubringen.“

Andere Möglichkeiten zur Umgehung der Probleme

Dieses Nass-werden sah der SPD-Vorsitzende Dirk Finder wiederum nicht: „Der Strahl spritzt ja senkrecht nach oben in einem Radius von einem Meter.“ Zu dem Viteritti-Argument, dass kleine Kinder zu leicht seien, um die Mechanik der Fontänenhüpfer auszulösen, sagte Finder: „Es gibt auch die Möglichkeit, die Fontänen über Sensoren zu steuern. Damit ist das auch etwas für kleine Kinder.“

Diethardt Küppers (parteilos) hatte seine ganz eigene Meinung: „Ich finde es sehr eigenartig, wie man überhaupt auf solche Ideen kommt“, sagte der ehemalige AfD-Vertreter zu den Fontänen-Vorhaben und gab zu bedenken, dass es auch zu erheblichen Folgekosten kommen werde.

Zwei Drittel lehnen CDU-Wunsch ab

Um die Diskussion zu einem Ende zu führen, leitete Bürgermeister Ulrich Schulte die Abstimmung ein – und zwar in mehreren Schritten. Der CDU-Wunsch, die Abstimmung über das Fontänenfeld am Alten Markt zu verschieben, wurde mit 22 zu 11 Stimmen abgelehnt.

Für das Fontänenfeld am Alten Markt ging die Abstimmung 22:12 aus. Dazu zwei zusätzliche Fontänenhüpfer am Alten Markt? Wollte niemand. Zwei zusätzliche Hüpfer in der Wilhelmstraße: 21 Ja- und 13 Nein-Stimmen. Darüber hinaus versicherte der Bürgermeister, dass die Verwaltung bis zu den nächsten politischen Sitzungen nach der Sommerpause Vorschläge für Spielgeräte präsentieren werde. Über die Versetzung des Brunnens und über das Fontänenfeld am Maiplatz musste übrigens nicht mehr abgestimmt werden, da beide Vorhaben im bereits beschlossenen Innenstadt-Entwicklungskonzept ohnehin vorgesehen waren.

Info:

„Das passt da nicht hin“, meinte Klaus Ising (CDU) am Dienstag im Rat in der Diskussion zu dem Fontänenfeld auf dem Alten Markt. Er hatte sich tags zuvor extra vom städtischen Planungsamt die Maße schicken lassen. 20x10 Meter war darin als Größe für das Fontänenfeld angegeben. Ising merkte bis zum Ende der Diskussion mehrfach an, dass diese Ausmaße für den Alten Markt mit seinem Stephansdachstuhl viel zu groß seien. Unmittelbar vor der Abstimmung hakte Planungsamtsleiter Hartmut Engelkemeier dann ein: Die Maße, die Klaus Ising bekommen hatte, stimmen nicht. Tatsächlich werde das Fontänenfeld nicht 20x10 Meter groß, sondern nur 4x10 Meter.

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