Streit zwischen alter und neuer Parteiführung:

Warum sich die Grünen nicht grün untereinander sind

Die Plettenberger Grünen, hier ein Foto der aus der Wahlversammlung im vergangenen Jahr, sehen sich mit heftiger Kritik
der ehemaligen Grünen-Ratsfrau Bärbel Keiderling konfrontiert.
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Die Plettenberger Grünen, hier ein Foto der aus der Wahlversammlung im vergangenen Jahr, sehen sich mit heftiger Kritik der ehemaligen Grünen-Ratsfrau Bärbel Keiderling konfrontiert.

Plettenberg – Der parteiinterne Streit zwischen der alten und der neuen Führung der Grünen in Plettenberg läuft munter weiter.

 So erreichte die Redaktion der Heimatzeitung ein Schreiben der ehemaligen Grünen-Ratsfrau Bärbel Keiderling, die erst aus- und dann wieder in die Partei eingetreten ist. In ihrem Schreiben zollt sie zunächst einmal den Christdemokraten ein Lob: „Hier muss man neidlos feststellen, dass die CDU den Stabwechsel wie aus dem Lehrbuch vollzogen hat.“ Ganz ähnlich habe die SPD ihren Generationenwechsel vollzogen: „Ein neues Gesicht an der Fraktionsspitze, mit Unterstützung von Stellvertreterin Martina Reinhold, die zuletzt in drei Wahlperioden der Stadt Plettenberg als ehrenamtliche Bürgermeisterin gedient hat und eine außergewöhnlich hohe Akzeptanz sowohl bei den Bürgern als auch bei den Ratsleuten besitzt.“ Die ‘Altgedienten’ – so Keiderling weiter – könnten sich „mit gutem Gewissen in die zweite Reihe zurückziehen.“

Grüne laut Bärbel Keiderling nicht erreichbar

In der Folge kommt sie auf die Grünen zu sprechen, die weniger gut wegkommen und die laut Keiderling, „gar nicht mehr miteinander reden“. Keiderling giftet weiter: „Ein elitäres Führungsgrüppchen ohne jede Erfahrung im öffentlichen Mandat oder sogar ohne jede Parteierfahrung, da erst kurz vor der Kommunalwahl eingetreten.“ Sie selbst, die 20 Jahre Parteiarbeit geleistet habe, dürfe nicht mehr mit den Mandatsträgern sprechen, dasselbe gelte auch für die Wähler, denn – so Keiderling – die Telefonnummern der beiden Sprecherinnen der Grünen seien Geheimnummern. Laut Keiderling stünden fast alle Ratsleute mit ihren Anschlüssen einfach im Telefonbuch.

„Auf diesem Wege teile ich noch einmal allen meinen Anrufern mit, dass ich keine Ratsfrau mehr bin und auch keine Bürgerwünsche mehr bearbeiten werde.“ Es bestünden ohnehin noch laufende Verfahren, „die ich selbstverständlich zu Ende begleite. Das soll es aber dann auch gewesen sein!“, so Keiderling, die beim Thema Windkraft eine gänzlich andere Meinung vertritt, aber empfiehlt, sich diesbezüglich mit Carina Hennecke auseinanderzusetzen.

Das sagt Carina Hennecke

Die Redaktion konfrontierte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Carina Hennecke mit den Anschuldigungen von Bärbel Keiderling, woraufhin sich Hennecke wie folgt äußerte: „Wir sind über unsere Internetseite www.gruene-plettenberg.de und genau wie alle anderen Fraktionen über die Stadtverwaltung per Briefpost und in eiligen Angelegenheiten auch telefonisch erreichbar.“ Eine Bitte um Rückruf werde bestimmt an die Grünen weitergeleitet. Zusätzlich werde in Kürze eine Telefonnummer und eine Postadresse auf der Homepage zu finden sein. „Das ist schon länger geplant, aber wir sind noch nicht dazu gekommen. Der Arbeitsumfang und die Termindichte sind enorm – besonders für die kleinen Ratsfraktionen mit nur wenigen Mitgliedern“, so Carina Hennecke zum Thema Erreichbarkeit.

Klage abgewiesen

Doch auch zur Rolle und den gerichtlichen Klagen von Bärbel Keiderling äußerte sie sich: „Frau Keiderling hat im Frühjahr 2020 Klage vor dem Schiedsgericht des Grünen Landesverbandes NRW gegen den Geschäftsführer und die Sprecherinnen des Grünen Kreisverbandes Märkischer Kreis sowie gegen mich eingereicht. Die Klage wurde im Oktober 2020 in Düsseldorf verhandelt und abgewiesen.“ Danach habe Frau Keiderling versucht, den Vorsitzenden des Schiedsgerichtes für befangen erklären zu lassen. „Auch das ist abgewiesen worden. Nach all dem und den weiteren Äußerungen von Frau Keiderling haben wir Grünen das Vertrauen vollständig verloren und sehen keine Möglichkeit mehr für eine Zusammenarbeit. Vielmehr wundern wir uns, dass sie noch Mitglied ist.“

„Sie sollte die Konsequenzen ziehen und die Partei verlassen.“

Carina Hennecke, Fraktionsvorsitzende der Grünen

Ihren Austritt Ende 2017 habe sie damit begründet, dass sie die Parteilinie der Grünen nicht mehr mittragen könne und wolle. „Eine nachvollziehbare Erklärung für ihre Kehrtwende und den Wiedereintritt im letzten Jahr fehlt – ebenso jegliche Ansätze zu einer Mitarbeit im Ortsverband Plettenberg oder im Kreisverband und dem Einsatz für die Grünen Ziele zum Beispiel während des Kommunalwahlkampfes.“ An ihren Äußerungen sei deutlich zu erkennen, dass sie weder mit den derzeit Aktiven noch der Arbeit in Ortsund Kreisverband der Grünen einverstanden sei. „Sie sollte die Konsequenzen ziehen und die Partei verlassen“, sagt Hennecke abschließend.

Das sagt der Bürgermeister

Bürgermeister Ulrich Schulte bestätigte, dass die Telefonnummer der Grünen-Ratsfraktion bislang nicht im Ratsinformationssystem zu finden sei. „Wir machen keinen gesonderten Postdienst und geben Anrufern auch keine Nummern der Grünen raus“, betonte Schulte mit Blick auf den Datenschutz. Allerdings könne man an die Grünen gerichtete Schreiben oder Mails ausdrucken und in deren Postfach legen. Wie schnell und regelmäßig dieses geleert würde, entziehe sich allerdings seiner Kenntnis. 

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