Corona-Pandemie zeigt Auswirkungen

Warum es gerade weniger Erkältungen gibt

Medikamente gegen Erkältung oder grippale Infekte waren im vergangenen Jahr weniger gefragt.
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Medikamente gegen Erkältung oder grippale Infekte waren im vergangenen Jahr weniger gefragt.

Plettenberg – Geht es um Virus-Infektionen, dreht sich seit etwa einem Jahr alles um Corona. Dass es auch andere Krankheiten gibt, die durch diese mikroskopisch kleinen Erreger ausgelöst werden, kann Jahr für Jahr besonders in der kalten Jahreszeit festgestellt werden. 

Die Grippe und grippale Infekte gehören zum Winter. Ist das auch in diesem Jahr so, oder schützen die Hygiene-Regeln auch vor einem Schnupfen? Dass die Abstandsregeln, der Verzicht auf Händeschütteln und Umarmungen sowie die hygienischen Schutzmaßnahmen wie das Tragen eines Mund/Nase-Schutzes oder einer FFP2-Maske, häufiges Händewaschen und der Gebrauch von Desinfektionsmitteln durchaus dazu geeignet sind, neben einer Corona-Infektion auch die Übertragung anderer Krankheiten zu vermeiden, kann Kathrin Klewer-Scherer bestätigen.

Grünes Rezept ist stark gefragt

„Die Schutzmaßnahmen greifen“, weiß die Filialleiterin der Apotheke Am Nocken in Holthausen. Medikamente gegen „normale“ Erkältungskrankheiten werden zurzeit deutlich weniger nachgefragt und verordnet. „Dafür stellen Ärzte häufig ein grünes Rezept aus“, sagt Klewer-Scherer. Darüberhinaus gebe es die Möglichkeit, sich bei einer leichten Atemwegs-Erkrankung nach telefonischer Konsultation mit dem Arzt zunächst für sieben Tage krankschreiben zu lassen, wovon nach Auskunft von Medizinern auch Gebrauch gemacht werde. Wahrscheinlich sei aber auch, dass sich viele Patienten mit einer einfachen Erkältung erst gar nicht an ihren Hausarzt wenden. Manche haben auch Angst vor Ansteckung und bleiben deshalb den Praxen fern.

„Wir haben viele Anrufe, in denen Eltern nach Medikamenten fragen und gleichzeitig darauf  hinweisen, dass sie nur ungern vorbeikommen würden. Manche Infekte werden also von den Familien ohne Arztkontakt gemanaged – so wie es früher die Oma gemacht hat“, hat der Plettenberger Kinderarzt Michael Achenbach festgestellt. Magen/Darm-Infekte, die häufig in der kalten Jahreszeit auftreten, sind dank Einhaltung der Abstandsregeln in diesem Winter ebenfalls bislang weniger verbreitet. Auch hier mache sich der Verzicht auf direkten Körperkontakt positiv bemerkbar.

Das sagt der Kinderarzt

Kinderarzt Michael Achenbach kann den positiven Effekt der Schutzmaßnahmen prinzipiell bestätigen: „Im Frühjahr 2020 endete die Grippewelle kurz nach dem Lockdown. Und auch  im aktuellen Lockdown sind spürbar weniger Kinder mit akuten Atemwegs- und MagenDarm-Infektionen in der Praxis. Achenbach betont aber auch, dass „unser Immunsystem ein lernendes System ist. Lernerfahrungen werden irgendwann nachgeholt. Das heißt, momentan sind weniger Infekte, aber ob das auf die gesamte Kindheit gerechnet weniger sind, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich nicht.“ Und was ist mit der klassischen Influenza, der alljährlich mit einer Grippeschutzimpfung begegnet wird?

„Da gab es bislang in unserer Kundschaft nur einen Einzelfall, weil sich der Verdacht auf Corona dort nicht bestätigt hatte“, berichtet Klewer-Scherer und rechnet damit, dass Influenza-Infektionen 2021 auf einem sehr niedrigen Niveau bleiben werden. Aber, gibt sie zu bedenken, „normalerweise kommt die Grippe erst jetzt ins Rollen. Vor allem in der Karnevalszeit.“ Doch da diese Coronabedingt durch die Absage der Veranstaltungen in dieser Session praktisch nicht stattfindet, sinke auch hier die Gefahr einer Ansteckung erheblich. Michael Achenbach hofft überdies, dass die in diesem Winter deutlich höhere Impfbereitschaft für die Grippeimpfung zusätzlich hilft, „die Krankheitslast zu reduzieren.“ Über eine solche Entwicklung im Frühjahr wäre er sehr froh. 

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