Baustart in einem Jahr geplant

Warum 18 Jahre bis zum Radweg-Lückenschluss vergehen werden

In Höhe des orange-schwarzen Messstabes soll die Lenneroute entlang der Bundesstraße 236 in den Hang gebaut werden und bei einer Breite von 2,50 Meter genug Platz bieten.
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In Höhe des orange-schwarzen Messstabes soll die Lenneroute entlang der Bundesstraße 236 in den Hang gebaut werden und bei einer Breite von 2,50 Meter genug Platz bieten.

Im Jahr 2005 wurde die Lenneroute eröffnet – ein 140 Kilometer langer Radwanderweg von Winterberg nach Wetter. Richtig fertig ist die an sich gut gedachte Lenneroute auch 16 Jahre später immer noch nicht. 

Plettenberg/Werdohl - Doch nun gibt es berechtigte Hoffnung, dass der seit mehr als einem Jahrzehnt erhoffte Lückenschluss zwischen Plettenberg-Teindeln und Werdohl-Kettling vollendet wird. Der Startschuss soll in genau einem Jahr fallen.

Bislang riskieren Radfahrer auf dem radweglosen Abschnitt der viel befahrenen Bundesstraße B236 ihr Leben. Daran änderte auch der Besuch hochrangiger Politiker zunächst nichts. Die Lösung brachte ein Ortstermin im Herbst letzten Jahres zwischen Vertretern von Straßen.NRW sowie der Oberen Wasserbehörde der Bezirksregierung Arnsberg. Dabei einigte man sich auf einen Kompromissvorschlag, was die Trassenführung des 700 Meter langen Teilstücks zwischen Lenne und Bundesstraße angeht.

Machbarkeitsstudie erstellt

„Nach dem Ortstermin wurde von uns eine entsprechende Machbarkeitsstudie mitsamt statischer Berechnung erstellt, die in diesen Tagen zur Abstimmung an die Bezirksregierung geht“, sagte Andreas Berg, Sprecher von Straßen.NRW, auf Anfrage unserer Zeitung. Nach der Abstimmung werde man die Ausführungs- und Entwurfsplanung starten, die bis zum Sommer abgeschlossen sein soll. Parallel dazu erfolge die Planung für die Anbindung des Radweges im Bereich der Gewerbestraße in Werdohl und dem Roller-Markt auf Plettenberger Seite. Das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren soll noch im Sommer angestoßen werden, um dann im Herbst mit der Erstellung der Ausschreibung starten zu können. „Ein Baustart ist im April 2022 geplant, allerdings in Abhängigkeit vom Pegel der Lenne“, so Berg.

Die Behörden einigten sich darauf, den Radweg im oberen Drittel der Böschung anzulegen, was dem zehnjährigen Hochwasserhöchststand entspricht. Zuvor waren zwei andere Varianten im Gespräch. Vorgesehen war zunächst eine Konstruktion aus bewehrter Erde im unteren Böschungsbereich. Der Gutachter kam aber zu dem Ergebnis, dass ein Radweg in dieser Bauweise einem starken Hochwasser nicht standhalten würde.

Aufwendiger und teurer Betonkragen ist Geschichte

Daraufhin hatte der Landesbetrieb erklärt, wieder die ursprünglich angedachte Lösung verfolgen zu wollen: eine Art Betonkragen auf dem Höhenniveau der Bundesstraße 236 – technisch deutlich aufwendiger und teurer.
Letztlich einigten sich die Verantwortlichen von Straßen.NRW nun aber mit der Oberen Wasserbehörde auf besagten Kompromiss, bei dem der Radweg im oberen Drittel der Böschung verlaufen soll. Die ersten Planungen zeigen großformatige Felsbrocken als Unterbau, die zusätzlich im Hang verankert werden. Ein sogenannter Kolkschutz mit Wasserbausteinen soll Abspülungen verhindern. Der weitere Aufbau soll mit Gabionen und Erdanschüttungen erfolgen.
Die Breite des Radweges beträgt nach den Angaben von Andreas Berg rund 2,50 Meter – theoretisch also genug für ein Auto und in jedem Fall ausreichend Platz für Radfahrer und Fußgänger. Zusätzlich ist an beiden Seiten des Radweges ein jeweils 25 Zentimeter breiter Randstreifen angedacht. Alles in allem beginnt der Unterbau des Lenneradwegs laut Andreas Berg in rund neun Metern Abstand zu der oberen Leitplanke.

Bauzeit und Kosten sind noch offen

Zur Höhe der Baukosten und der Bauzeit konnte der Straßen-NRW-Sprecher noch keine Angaben machen. „Die genauen Zahlen ergeben sich erst bei der Ausführungsplanung.“ Schon jetzt sei aber klar, dass die Umsetzung des 700 Meter langen Lückenschlusses einen deutlich siebenstelligen Betrag kosten werde. Ob und inwieweit der Verkehr auf der viel befahrenen Bundesstraße während des Radwegebaus beeinträchtigt oder womöglich sogar eingestellt werden müsse, könne jetzt noch nicht beurteilt werden. Freuen kann man sich trotzdem, denn mit dem Erreichen des 18. Jahres seit der Gründung wäre die Lenneroute nach der Fertigstellung des Teilstücks im Jahr 2023 volljährig. Wobei die Lenneroute von Winterberg nach Wetter auch dann noch einige problematische Abschnitte aufweist.

Wo es ebenfalls noch nicht rund läuft auf der Lenneroute

Auf der insgesamt 140 Kilometer langen Lenneroute zwischen Winterberg und Wetter gibt es noch einige neuralgische Punkte, die das Radfahr-Vergnügen trüben. In Altena beginnt an der Stadtgrenze zu Werdohl ein schöner, aber nur wenige hundert Meter langer Radweg abseits der Bundesstraße – das war’s dann aber auch. Geplant ist im Anschluss eine Lennebrücke; der Radweg soll dann links der Lenne auf Waldwegen etwa bis zum Finanzamt geführt werden. Von dort wird dann eine Verbindung zum geplanten Lennepark gebaut.

Wie es von dort aus in Richtung Nachrodt und Letmathe weitergehen soll, ist noch völlig offen. Von Letmathe bis zum Hengsteysee verläuft der Lennetalradweg dann entweder über kleine Nebenstraßen oder über echte Radwege.
In Werdohl hakt es vor allem zwischen Elverlingsen und Dresel. Dafür wurden bereits fünf Varianten in Längen zwischen 850 Metern und 3,4 Kilometern erarbeitet, doch über keine konnte Einigkeit erzielt werden, weil alle mehr oder weniger große Schwächen haben. Zwei Varianten sind noch in der engeren Wahl. Für den weiteren Verlauf bis nach Ütterlingsen gibt es zumindest schon konkrete Pläne, die aber noch nicht umgesetzt worden sind. Einigkeit gibt es auch hinsichtlich des 3,5 Kilometer langen Abschnitts zwischen Werdohler Rathaus und Plettenberger Straße bis zur Bahnüberquerung am sogenannten „Posten 40“. Die Stadt Werdohl und Straßen.NRW müssen aber noch eine Vereinbarung über die Planung treffen.

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