Nach Äußerung des Berliner Bürgermeisters:

Warum ein Plettenberger Unternehmer entsetzt und maßlos verärgert ist

Thomas Knappe rüstete die Firma Herbert Paul für die Zukunft .
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Thomas Knappe rüstete die Firma Herbert Paul für die Zukunft und nahm Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vor. Auch deshalb ist er enttäuscht von Teilen der Politik und vor allem von Berlins regierendem Bürgermeister Michael Müller.

Plettenberg – „Es geht nicht, dass wir immer stärker im privaten Bereich einschränken, immer stärker bei Älteren und Familien, aber die Unternehmen weiter so tun, als hätten wir kein Problem“ – diese Aussage von Berlins regierendem Bürgermeister Michael Müller schlägt auch in der Plettenberger Wirtschaft hohe Wellen. 

Heimische Unternehmen wie die Firma Herbert Paul sprechen von „pauschalen Aussagen“, die man so nicht stehen lassen könne. „Unsere Firma ist entsetzt und maßlos verärgert“, sagt Thomas Knappe aus der Geschäftsleitung der Plettenberger Firma. Derzeit würde das Unternehmen 45 Mitarbeiter beschäftigen. Rechne man die Familien der Mitarbeiter hinzu, trage die Firma Herbert Paul die Verantwortung für rund 120 Menschen. „Uns liegt sowohl die Gesundheit unserer Mitarbeiter als auch die ihrer Familien am Herzen – nicht nur, weil wir die Arbeitskraft benötigen, um unsere Waren herzustellen, sondern auch menschlich“, erklärt Knappe.

Berlins regierender Bürgermeister hatte von der deutschen Wirtschaft während der Corona-Krise mehr Solidarität verlangt, vor allem mehr Home-Office-Angebote. „Ich glaube, dass die Arbeitgeber ihre Verantwortung und Verpflichtung im Zusammenhang mit der Pandemiebekämpfung deutlich stärker wahrnehmen müssen als bisher“, sagte der SPD-Politiker in einer Regierungserklärung im Berliner Abgeordnetenhaus. Aussagen, die wohl nicht nur Plettenberger Unternehmen sauer aufstoßen dürften.

Auszeit der Politik

Müller prangere Unternehmen an, verliere aber kein Wort über Maßnahmen, die die Politik versäumt habe, einzuführen, oder gar Fehler, die gemacht worden seien. „Im März vergangenen Jahres hatten wir eine Situation, wie wir sie bislang nur aus Filmen kannten. Niemand wusste, was zu tun ist, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Die Politik hatte einen Kredit, den Sie mittlerweile verspielt hat“, sagt Knappe. Während im Sommer branchenübergreifend Maßnahmen zur Herabsetzung des Infektionsgeschehens umgesetzt wurden, habe sich die Politik laut Knappe eine Auszeit genommen und „beweihräuchert, wie gut man durch diese Situation gekommen sei.“

Thomas Knappe, Geschäftsführer der Herbert Paul GmbH.

Kritisch sieht Knappe auch die Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der zwischenzeitlich hatte verlauten lassen, dass es keinen zweiten Lockdown gäbe. „Nun wissen wir es besser. Den Bürgern werden Bröckchen an Informationen zugeworfen, damit sie ruhig bleiben, anstatt eine klare und konsequente Linie zu fahren“, erklärt Knappe. Dies sei in einem Wirtschaftsunternehmen nicht möglich. Natürlich könne Thomas Knappe nur für sein Unternehmen und einige befreundete Firmen sprechen, mit denen man sich regelmäßig austausche.

Home-Office schwierig

„Neben der üblichen Hygienekonzepterarbeitung, der Bereitstellung von Desinfektionsmitteln und Masken, der Verminderung von Personen in einzelnen Räumen, haben wir für Büros und Besprechungsräume in Luftumwälzungsanlagen investiert und die Betriebsferien um zwei Tage verlängert, damit unsere Mitarbeiter mit dem geringstmöglichen, vom Betrieb ausgehenden Risiko, in die Weihnachtszeit starten konnten“, fasst Knappe die Maßnahmen zusammen, die bei der Firma Herbert Paul getroffen worden seien. Allerdings sei es „aufgrund unserer Struktur und der Gegebenheiten im produzierenden Gewerbe“ äußerst schwierig, Home-Office-Lösungen anzubieten. „Derzeit betrifft dies lediglich zwei Arbeitsstellen, bei denen Homeoffice möglich ist – und das auch nur zeitweise“, sagt Knappe.

Natürlich könnten Prozesse umgestellt und optimiert werden – daran arbeite man auch. Jedoch seien diese Umstellungen kostenintensiv und auch mit einem Förderprogramm von 50 Prozent und bis zu 11 000 Euro nicht umsetzbar. „Nach zehn Monaten Kurzarbeit liegt der Fokus darauf, die Unternehmen zu erhalten und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu sichern. Wir werden in Home-Office-Lösungen investieren, um für zukünftige Ereignisse handlungsfähig zu bleiben, allerdings nicht zu dem jetzigen Zeitpunkt“, sagt Thomas Knappe. Im Moment würde die Firma Paul ebenso wie andere Unternehmen und auch der Einzelhandel, die Reisebranche, die Gastronomie oder die Veranstaltungsbranche „um das nackte Überleben“ kämpfen. Umso mehr schmerzten Knappe die Aussagen von Michael Müller, zumal sich alle die Normalität zurückwünschen würden, denn: „Auch Unternehmer gehen gerne vor die Tür – sei es zu einem Einkaufsbummel oder zu einem Glas Bier in die Kneipe um die Ecke.“   

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