Plettenberger restaurierte Mercedes 220 S

Warum dieser Mercedes vor dem Palais Schaumburg stand

Der Plettenberger Achim Müller mit seinem Mercedes 220 S
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Der Plettenberger Achim Müller mit seinem Mercedes 220 S.

Achim Müller ist stolz – und das auch aus gutem Grund: Mehrere hundert Arbeitsstunden und viel Schweiß stecken in seinem Mercedes 220 S, der es sogar als Foto-Model in ein Magazin geschafft hat.

Plettenberg - „Es war ein ganz besonderer Tag, als ich mit meinem Mercedes-Oldtimer 220 S aus dem Jahr 1958 erst in Bonn vor dem Haus der Geschichte, dann vor dem Palais Schaumburg, dem Dienstsitz der ersten fünf Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, und anschließend noch auf dem Petersberg vor dem gleichnamigen Hotel stand“, erinnert sich Müller. Eingeladen worden war er von Hermann Ries, damaliger Chefredakteur des Mercedes-Benz Classic-Magazins, zu einem Fotoshooting an diesen geschichtsträchtigen Orten Deutschlands. Mit eingeladen waren die Besitzer eines 170 S und eines 220 Sb.

Vorher und nachher: Mehrere hundert Arbeitsstunden musste Achim Müller in die Restauration des Mercedes 220 S stecken.

Das war im Jahr 2008, als Achim Müller mit seiner Frau Petra als Team gleichfalls den hervorragenden 2. Platz bei der 75. Jubiläumstour „2 000 Kilometer durch Deutschland“ in seiner Starterklasse belegte. Der Mercedes 220 S war und ist nicht nur ein Hingucker. Nein, auch die Technik funktionierte hervorragend – bis heute, und das ohne Probleme. „Nur, wenn der Wagen längere Zeit gestanden hat, muss ich Starthilfe mit etwas Benzin in die Doppelvergaser geben“, weiß Müller.

Bis zu den Erlebnissen im Jahr 2008 war es aber ein weiter Weg. Achim Müller ist ursprünglich gelernter Radio- und Fernsehtechniker, hat später mit einem Geschäftspartner eine Kunststoff-Recycling-Firma gegründet und hat handwerkliches Geschick, was ihm bei seinem Hobby „Oldtimer“ zugutekommt. 1990 konnte er das Auto unrestauriert für 6 000 DM kaufen, dessen Motor und Getriebe nachweislich erst weniger als 70 000 Kilometer gelaufen waren. Zunächst fand der Mercedes in einer Halle eine Bleibe. 14 Jahre schlummerte er dort, bis sich schließlich der Besitzer ein Herz fasste und zum Werkzeug griff.

Tüv-Plakette ohne Beanstandungen

Und auf Müller wartete viel Arbeit. Knapp 600 Arbeitsstunden, zwei Lampentöpfe und zwei Kotflügel-Stehbleche später war es soweit: Der Wagen stand fachkundig in Originalfarbe gespritzt, rostgeschützt und vollkommen fahrbereit beim Tüv in Teindeln, wo er ohne Beanstandungen im ersten Anlauf seine Plakette erhielt. Kaum zu glauben, dass so wenig Blech ausgetauscht werden musste. „Die unübersehbaren Roststellen hatten das Blech nicht soweit geschädigt, als dass ich es nicht erhalten konnte. Entrosten, konservieren, verzinnen und schleifen waren Dauerarbeiten“, erinnert sich Müller.

Auch in ein VW Golf I Cabrio (links) und in einen BMW 1502 hat Achim Müller viel Energie und Zeit investiert.

Die Schufterei hat sich gelohnt. Wie aus dem Ei gepellt stand er da: Sechs Zylinder, Doppel-Vergaseranlage, 2 180 Kubikzentimeter, 106 PS, maximal 160 km/h, grauer Originallack, glänzende Chromteile, Original-Faltschiebedach, bequeme original Polstersitze, ein prächtiges Buchenholz-Armaturenbrett mit einer beeindruckenden Schalterparade, ein funktionierendes Becker-Autoradio – kurzum, ein Schmuckstück, das ein vereidigter Sachverständiger und unabhängiger Gutachter auf ein 20-faches des Kaufpreises von 1990, jedoch in Euro, bewertet hat. In der Grundausstattung kostete der Ponton damals neu 12 500 DM.

Und es gibt noch einen BMW 1502 und einen Golf I

Achim Müller nennt noch zwei Schätzchen sein Eigen: Einen BMW 1502, Baujahr 1976 in golfgelb, 1573 Kubikzentimeter, 75 PS, der beim Kauf „einige unschöne Ecken“ hatte, aber nun wieder prächtig anzusehen ist und sich auch so fährt. Der Dritte im Bunde ist ein blauer VW Golf I Cabrio, Edition Aigner, Baujahr 1990, 1,8 Liter Hubraum und 98 PS, dessen „Hinterteil“ nach einem Unfallschaden fachgerecht repariert worden war, nun wieder makellos aussieht und ebenso läuft wie der Mercedes, der es als Foto-Model in ein Magazin geschafft hat.

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