Asbestfund erschwert Sanierung

Warum diese Schule zum Problemfall wird

Die Dimensionen des Holthauser Schulstandortes werden auf diesem Luftbild deutlich. Bei
den Varianten 4 und 5 würde der gesamte Baukörper der Vier-Täler-Schule (links im
Bild) mit Ausnahme der Turnhalle (Mitte) abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
Die Grundschule Holthausen (rechts) würde in dem Fall entweder zur Kita oder durch
einen OGS-Anbau räumlich erweitert.
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Die Dimensionen des Holthauser Schulstandortes werden auf diesem Luftbild deutlich. Bei den Varianten 4 und 5 würde der gesamte Baukörper der Vier-Täler-Schule (links im Bild) mit Ausnahme der Turnhalle (Mitte) abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die Grundschule Holthausen (rechts) würde in dem Fall entweder zur Kita oder durch einen OGS-Anbau räumlich erweitert.

Plettenberg – Es ist fast zwei Jahre her, als im Bau- und Liegenschaftsausschuss und später dann im Stadtrat der Beschluss für den Umbau der Vier-Täler-Schule in Holthausen gefasst wurde.

 Demnach sollte aus der ehemaligen Förderschule mit vergleichsweise geringem Aufwand eine große Kindertagesstätte entstehen, die beide städtischen Kindertagesstätten in Holthausen ersetzt, erweiterte Räume für die OGS-Betreuung und für die Volkshochschule Lennetal bietet. Diese eierlegende Wollmilchsau zum Vorteilspreis ist Geschichte – die Vier-Täler-Schule und deren Umbau ist zum teuren Problemfall geworden. Das Unheil nahm gewissermaßen seinen Lauf, als wegen Krankheitsfällen in der städtischen Verwaltung ein externer Architekt beauftragt wurde. Der Architekt riet der Stadt, das Gebäude durch einen Gutachter für Gebäudeschadstoffe untersuchen zu lassen.

Bezirksregierung verfügte Schulschließung

„Da hat uns das Thema Asbest eingeholt“, sagt Bürgermeister Ulrich Schulte zu den gefundenen asbesthaltigen Bauprodukten in Form von Brandschutzplatten und Fassadenelementen. Im eingebauten und unbeschädigten Zustand sind die laut Schulte erst einmal unproblematisch. Platten beschädigt Problematischer sah das die Bezirksregierung Arnsberg, nach deren Einwänden das Gebäude am 30. Juni 2020 geschlossen wurde. Die sofortige Schließung wurde verfügt, da einzelne beschädigte Brandschutzplatten vorgefunden wurden, von denen eine Gefahr hätte ausgehen können. Im Nachgang durchgeführte Raumluftmessungen ergaben im Bereich von Kita und OGS keine kritische Konzentration von Asbestfasern in der Raumluft und auch das Archiv wird nach einer Reinigung wieder genutzt. Dennoch mussten für die Kita kurzfristige Lösungen gesucht und gefunden werden, was der Stadt letztlich mit dem Kauf und dem Umbau der Bonifatiuskirche im Oestertal gelang.

Die Kita ist weiterhin im vorhandenen Gebäude Auf der Lied sowie am besagten Ausweichstandort im Oestertal untergebracht. Die OGS der Grundschule nutzt Räumlichkeiten der Grundschule und Container auf dem Schulhof. Die Zeit seit der Schließung wurde nach den Angaben der Stadtverwaltung dafür genutzt, mit externer Unterstützung verschiedene Sanierungskonzepte zu erarbeiten. Insgesamt fünf verschiedene Sanierungsmöglichkeiten gibt es nun, über die in der nächsten Sitzung des Bauund Liegenschaftsausschusses abgestimmt werden soll. Keine der Varianten ist günstig und eine wirklich schnelle Lösung ist auch nicht in Sicht. Denn um die asbesthaltigen Baustoffe auszubauen, müssen luftdichte Kammern mit Unterdruck geschaffen werden, was die Sanierungskosten enorm erhöht.

Asbestgeschichte kostet zwei Millionen Euro zusätzlich

„Die ganze Asbestgeschichte kostet rund zwei Millionen Euro zusätzlich“, sagt Till Hoffmann vom Planungsamt. Und nicht zuletzt deshalb schließt die Stadt auch einen kompletten Abriss des Gebäudekomplexes nicht mehr aus. Zwar kann die Stadt beim Kita-Neubau auf einen Zuschuss von rund zehn Prozent der Bausumme hoffen, dennoch wird es lange dauern und viel Geld kosten, ehe in Holthausen die seinerzeit gewünschten Bedingungen geschaffen werden können. Noch dazu ist offen, was mit dem Stadtarchiv passiert, so lange die Kita in St. Bonifatius genutzt wird. Und auch die VHS Lennetal wird wohl im Rathaus-Obergeschoss verbleiben.

Was bei der Sanierung oder dem Abriss der Vier-Täler-Schule mit dem Stadtarchiv passiert, ist noch offen. Hier wird über eine provisorische Übergangslösung nachgedacht.

Immerhin könnte bei einem Neu- oder Anbau in Holthausen dem Rechtsanspruch nach ausreichend OGS-Plätzen in Holthausen Rechnung getragen werden Dafür werden möglicherweise einige Kinder ihre gesamte Kindergartenzeit im Oestertal verbringen. Was genau und zu welchen Preis in Zukunft aus dem Schulstandort in Holthausen wird, haben die Ausschussmitglieder am Donnerstag, 11. März, um 17 Uhr in öffentlicher Sitzung im Ratssaal zu entscheiden. Bei entsprechend gefassten Beschlüssen könnte nach den Angaben von Bauamtsleiter Sebastian Jülich im Sommer der Startschuss für einen Neubau, Umbau oder Abriss erfolgen. Je nach gewählter Variante wären die Arbeiten frühestens im Sommer 2022 und spätestens im Sommer 2024 abgeschlossen – bei Baukosten zwischen 3,3 und 5,6 Millionen Euro.

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