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Warum die Stadt interessierten Bürgern die Begehung des Kirchplatzes untersagt

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Von: Dirk Grein

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Zur Begehung des Plettenberger Kirchplatzes hatten sich viele Personen im Umkreis der Christuskirche eingefunden. Auf die geplante Besichtigung der Baustelle mussten sie allerdings verzichten.
Zur Begehung des Plettenberger Kirchplatzes hatten sich viele Personen im Umkreis der Christuskirche eingefunden. Auf die geplante Besichtigung der Baustelle mussten sie allerdings verzichten. © Jan Wölkerling

„Wer sich über die Ausgrabungen vor Ort informieren lassen möchte, könnte an der zweiten Begehung des Kirchplatzes teilnehmen – organisiert vom Denkmalschutzverein und geleitet von einem fachkundigen Archäologen. Dieser wird über die Fortschritte und die bisherigen Ergebnisse am Kirchplatz berichten.“ Mit diesen Worten hatte der Gemeinnützige Förderverein für Denkmalpflege in unserer Zeitung zu einem Termin Mitte September an der Christuskirche eingeladen.

Plettenberg - Eine Ankündigung, die für Irritationen und im Nachhinein für Enttäuschung gesorgt hat – denn die geplante Besichtigung konnte nicht stattfinden, nachdem die Plettenberger Stadtverwaltung sich eingeschaltet hatte. Was war der Grund dafür?

Die Sicht des Vereins

An dem besagten Abend Mitte September hatten sich knapp 30 interessierte Bürger und Mitglieder des Fördervereins am Kirchplatz eingefunden. Ihnen habe die Vorsitzende Karin Gutschlag im Namen des Fördervereins folgendes mitteilen müssen: Die Begehung, die nicht im abgesperrten Grabungsbereich hätte stattfinden sollen, musste abgesagt werden. „Dem Förderverein ist mittags telefonisch durch eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung schärfstens untersagt worden, die Begehung stattfinden zu lassen“, erklärt Karin Gutschlag.

Sie schildert weiter, dass sie – auf ihr Verlangen – am Nachmittag desselben Tages eine Erklärung seitens der Stadt erhalten habe. Per Mail habe Bauamtsleiter Sebastian Jülich in abgemilderter Form mitgeteilt, dass es sich bei der Baumaßnahme am Kirchplatz um eine Baustelle der Stadt handele und dass der Archäologe ebenso im Auftrag der Stadt Plettenberg tätig sei. Ihr sei mitgeteilt worden, dass der Verein, weil es sich bei dem Grabungsbereich um eine Baustelle handele, hätte Rücksprache halten müssen.

„Von Seiten der Stadt wurde dem Archäologen untersagt, die Führung durchzuführen und Auskünfte zu erteilen. Herr Jülich teilte mit, dass über die gesamten Grabungen ein Bericht verfasst würde und dieser in passendem Rahmen einer Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses der Öffentlichkeit präsentiert werde“, schreibt Karin Gutschlag.

Sie und die Personen, die sich am Kirchplatz eingefunden haben, seien ob dieser Ausführungen enttäuscht gewesen. „Denn es ist ein Unterschied, etwas live zu sehen und sich etwas von einem versierten Fachmann erklären zu lassen, als später einen Bericht zu hören“, so die Vorsitzende des Fördervereins.

Das sagt die Stadt

Diese Schilderung nahm die Heimatzeitung zum Anlass, bei der Stadt um eine Stellungnahme zu bitten. Diese gab Pressesprecher Hanno Grundmann wie folgt ab: Die Ankündigung zur Bürgerbegehung habe für Irritation im Rathaus gesorgt. „Dies wurde vorab nicht mit den Zuständigen bei der Stadt abgesprochen, es gab keine Anfrage und daher auch keine Erlaubnis seitens der Stadt als Bauherrin. Auch der Archäologe vor Ort war hiervon mehr als überrascht und irritiert, da er keinerlei Anfrage in dieser Form erhalten – und damit auch keinerlei Zusage erteilt hatte.“

Grundmann gibt zu verstehen, dass die Stadt grundsätzlich die Arbeit des Fördervereins für Denkmalpflege schätze. Jedoch sei in diesem Fall festzustellen, dass der Verein generell ohne die Zustimmung von etwaigen Bauherren auf den jeweiligen Baustellen nichts zu suchen habe. „Das Vorgehen war in diesem Maße nicht die feine englische Art“, betont der Pressesprecher.

In diesem Zusammenhang geht er auf das Telefonat am Mittag vor der geplanten Begehung ein: Dieses sollte seitens der Stadt zur Klärung und besseren künftigen Abstimmung dienen. „Der Ton der Vereinsvertreterin war äußerst fordernd und wenig höflich. Dadurch wurde jegliche Kompromissbereitschaft seitens der Stadt im Keim erstickt“, so Grundmann.

Grundsätzlich seien Bürgerbegehungen – nach vorheriger Absprache – in fast allen Fällen möglich. „In diesem Fall liegt die fachliche Verantwortung jedoch beim LWL, insofern ist in jedem Fall vorher eine Abstimmung erforderlich“, betont der Sprecher der Verwaltung.

Die Absage des Termins liege weniger in dem Verlauf des Telefonats begründet, als mehr in den nötigen Sicherheitsvorbereitungen, die in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen wären. „Hinzu kommt, dass nicht nur die Garten- und Landschaftsbau-Firma, sondern auch die Archäologen vor Ort durch die Stadt Plettenberg beauftragt wurden und der Förderverein für Denkmalpflege nicht einfach eine Dienstleistung einfordern kann, die von den Kosten her möglicherweise im Bereich der Stadt Plettenberg als Auftraggeberin liegt“, ergänzt Grundmann.

Angebot zur Begehung

Die Absage, das bestätigt der Sprecher, habe Bauamtsleiter Sebastian Jülich dem Verein schriftlich begründet. In dieser E-Mail habe er den Denkmalschützen das Angebot zu einer Bürgerbegehung unterbreitet, auf das es bislang noch keine Antwort gebe. Daher betont Grundmann abschließend: „Die Stadt Plettenberg ist weiterhin an einer guten Zusammenarbeit mit dem Förderverein für Denkmalpflege interessiert und daher stets offen für Gespräche.“

Für die Personen, die sich an besagtem Septemberabend in der Innenstadt eingefunden hatten, gab es jedenfalls einen versöhnlichen Ausklang, wie uns Karin Gutschlag wissen lässt: „Alle enttäuschten Besucher wurden von Günther Heerich ins Heimathaus eingeladen, um den dortigen Brunnen zu besichtigen.“

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