Teilnahme an Demo geplant: Warum die Landwirte sich als Prügelknaben fühlen

Einige heimische Landwirte nehmen am Sonntag an einer Demo in Bonn teil, um gegen das Insektenschutzgesetz zu protestieren.
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Einige heimische Landwirte nehmen am Sonntag an einer Demo in Bonn teil, um gegen das Insektenschutzgesetz zu protestieren.

Am Mittwoch, 10. Februar, soll im Bundeskabinett das sogenannte Aktionsprogramm Insektenschutz beschlossen werden. Hierbei geht es um Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz und in der Anwendungsverordnung für Pflanzenschutzmittel.

Plettenberg – Dagegen protestiert die Initiative Land schafft Verbindung (LSV) am Sonntag, 7. Februar, vor dem Bundesumweltamt in Bonn. Die Landwirte lehnen das Aktionsprogramm Insektenschutz ab, das am Mittwoch, 10. Februar, verabschiedet werden soll. Georg Dickopf sprach mit dem Plettenberger Landwirt Björn Kirchhoff über das Thema.

Herr Kirchhoff, Sie wollen zusammen mit anderen Landwirten an einer Demonstration in Bonn teilnehmen...
Ja genau. Wer genau mitkommt zur Mahnwache, die bis Mittwoch läuft, steht noch nicht fest, aber ich fahre am Sonntag um 9 Uhr los und richte mich auf eine gut dreistündige Fahrt nach Bonn ein.
Um was genau geht es in Bonn?
Es geht um das Insektenschutzgesetz des Bundesumweltministeriums. Es sollen uns Schutzstreifen vorgeschrieben werden zu Gewässern, in Naturschutzgebieten und in FFH-Gebieten, wo dann keine konventionelle Landwirtschaft mehr betrieben werden darf.

Wie sehr betrifft es Sie?
Ich bin persönlich nicht so stark betroffen. Bei mir wäre es nur ein Hektar. Das Problem ist die Größe des Eingriffs. Es geht um 1,3 Millionen Hektar, das ist die fünffache Größe des Saarlandes, auf der wir quasi Berufsverbot bekommen. Das ist ein Schaden für die landwirtschaftlichen Betriebe allein durch den Wertverlust der Flächen von 65 Milliarden Euro.
Darf dort gar nichts mehr gemacht werden?
Es dürfen keine Insektizide und Herbizide mehr verwendet werden. Auf den Flächen ist ein vernünftiger Ackerbau nicht mehr möglich, da sich dort Unkräuter und Schädlinge vermehren und ein fünf Meter breiter Schutzstreifen angelegt werden muss.

Die Landwirte sind damit der Prügelknabe, der das Insektensterben allein verhindern soll?
Nein, es werden in dem Gesetz auch andere Maßnahmen genannt wie weniger künstliche Lichtquellen in Naturschutzgebieten. Aber die Maßnahmen, die etwas kosten, werden alleine auf die Landwirtschaft abgewälzt, ohne dass sich jemand beteiligt.
Kennen Sie stark betroffene Landwirte?
Ich kenne einen Betrieb mit 65 Hektar. Davon sind 30 Hektar vom Bewirtschaftungsverbot betroffen. Das ist eine riesengroße Sauerei. Wir sind ja gar nicht gegen den Insektenschutz. Es gibt ja den niedersächsischen Weg, wo Naturschutzverbände, Parteien und Landwirte zusammenarbeiten. Das ist eine gesellschaftliche Leistung. Wir Landwirte können die erbringen, aber nicht kostenlos.

Fühlen Sie sich missverstanden von der Politik?
Es gab vier runde Tische und unzählige Stellungnahmen von unserer Seite. Es wurde alles komplett ignoriert und es gibt auch keine Berechnungen, dass die Maßnahmen überhaupt zum Ziel führen.

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