Planungen laufen

Warum der Borkenkäfer das geplante Nasslager nicht mag

Auf dieser  Wiese unterhalb der Lenneroute soll zwischen Plettenberg-Pasel und Finnenrop-Rönkhausen ein Nasslager entstehen.
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Auf dieser Wiese unterhalb der Lenneroute soll zwischen Plettenberg-Pasel und Finnenrop-Rönkhausen ein Nasslager entstehen.

Es ist ein Stück weit absurd, was nach dem Borkenkäferbefall in den heimischen Wäldern passiert ist. Überall entstanden Kahlflächen und es türmten sich riesige Holzberge auf, die von zumeist ausländischen Fuhrunternehmen in die internationalen Frachthäfen transportiert werden, um von dort in der Regel nach Asien verschifft zu werden

Plettenberg/Rönkhausen - Gleichzeitig zahlt der Kunde im heimischen Baumarkt derzeit deutliche höhere Preise für eine Dachlatte aus Fichtenholz und anderes Bauholz. Nun erfuhr die Redaktion, dass auf Plettenberger Gebiet ein Nasslager entstehen soll, das knapp halb so groß werden soll wie das nach Kyrill in der Wiebecke errichtete Nasslager der Stadt. Um das Lager, das unterhalb der Lenneroute zwischen Pasel und Rönkhausen entstehen soll, mit Baumstämmen zu füllen, sind rund 900 Fahrten von Holzfuhrunternehmern notwendig. Zudem werden auf der Wiese unterhalb der Lenneroute umfangreiche Bauarbeiten mit schwerem Gerät notwendig und dutzende Lkw müssen den für die Fahrwege erforderlichen Schotter anliefern.

Der Transport erfolgt über die in der Traglast auf 30 Tonnen begrenzte Rönkhauser Lennebrücke, die Bahnhofstraße und einen rund drei Meter breiten Wirtschaftsweg, der zugleich als Lenneroute stark von Radfahrern frequentiert wird. Auf dem abschüssigen Gefällestück an der Kreisgrenze kam es bereits zu mehreren Unfällen. In den 70er Jahren verunglückte der Bruder des heutigen Grundstückseigentümers der Nasslager-Fläche tödlich, als er nach einem Bremsversagen am Fahrrad mit einem Holztransporter kollidierte.

Auch die erforderliche Wasserentnahme aus der Lenne lässt Fragen aufkommen, die wir dem städtischen Bauamtsleiter Sebastian Jülich stellten. Der teilte mit, dass es sich nicht um eine Baumaßnahme der Stadt Plettenberg handele und die Stadt grundsätzlich keine Stellungnahmen zu begonnenen, laufenden oder abgeschlossenen Baugenehmigungsverfahren privater Bauherren abgebe. Noch gar keine offizielle Kenntnis von dem Vorhaben hat Ralf Venema, Tiefbau-Bereichsleiter der Gemeinde Finnentrop. Dabei sei gerade die verkehrsrechtliche Situation nicht ganz unproblematisch. Da es sich bei dem geplanten Nasslager um ein großes Vorhaben handelt, das durchaus Auswirkungen auf die Öffentlichkeit hat, fragten wir beim Grundstückseigentümer Gundolf Graf von Plettenberg auf Schloss Lenhausen nach. Der bestätigte, Eigentümer der Grundstücksflächen zu sein, verwies aber auf den Bauherrn Peter Vente.

Sägewerk-Chef spricht Klartext

Und der Seniorchef des Sägewerks Vente in Lenhausen redete nicht lange um den heißen Brei herum und skizzierte trotz des noch laufenden Antragsverfahrens beim Märkischen Kreis die Eckpunkte des Vorhabens. „Derzeit wird fast das gesamte Borkenkäferholz per Container aus dem Sauerland abtransportiert und nach Asien oder Amerika exportiert. Wir betreiben unser Sägewerk in der dritten Generation und wollen mit dem Nasslager dafür sorgen, dass wir auch in den nächsten Jahren noch Reserven haben“, so der 78-jährige Vente. Dabei sei geplant, frisch vom Borkenkäfer befallene Bäume kurzfristig einschlagen und unverzüglich und auf kürzestem Weg ins Nasslager transportieren zu lassen. Dadurch werde die Vermehrung der Käfer im Wald gestoppt.

„Im Nasslager hat der Käfer durch die Beregnung keine Überlebensmöglichkeit“, betont Vente. Nur ein solches Nasslager, wie man es bereits neben dem Werksgelände in Lenhausen betreibe, ermögliche es, das Rundholz über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren zu konservieren. Bereits 1990, im Jahr 2002, 2007 und 2018 habe man solche Lager angelegt. „Wir möchten das Holz hier in der Region behalten, verarbeiten und die Arbeitsplätze unserer 100 Mitarbeiter sichern“, so der Seniorchef, der damit auch verhindern will, dass das gesamte Holz aus dem Sauerland nach Asien oder Amerika verkauft wird: „Wenn hier nahezu alle Bäume gefällt und exportiert wurden, müssen wir schon bald das Holz aus Polen, Finnland oder der Ukraine holen und das wäre absoluter Irrsinn.“

„Im Moment verdienen wir gutes Geld“

Dass die heimischen Sägewerke auch von den stark gesunken Einkaufspreisen profitieren, verhehlt der Lenhauser nicht. „Im Moment verdienen wir gutes Geld, aber wir hatten auch Jahre, wo wir 75 Prozent Kosten für den Materialeinsatz hatten. Das Käferholz ist allerdings aufgrund der schlechteren Qualität für unsere Produkte nur bedingt einsetzbar.“ Die derzeitige Preisexplosion in den Baumärkten hänge damit zusammen, dass es kaum noch getrocknetes Schnittholz gebe. „Wir selbst müssen das Holz für die Weiterverarbeitung zu KVH-Holz zu 60 Prozent zukaufen. In den USA werden utopische Preise gezahlt und deshalb exportieren viele Sägewerke das Schnittholz per Schiff über den Atlantik“, bedauert Vente, der genau das nicht tun will und mit dem Nasslager auf eine nachhaltige Holzbeschaffung setzt. „Wir kaufen das Holz zum vernünftigen Preis von den Waldbesitzern an und werden die Stämme, in die der Käfer gerade reingeht, sofort schlagen, verladen und ins Nasslager fahren. Man darf nicht immer hinter dem Käfer herlaufen“, regt Vente zum Umdenken an. Eingelagert werden sollen demnach Fichten, die praktisch dem Borkenkäfer-Tod geweiht sind.

Sägewerk-Betreiber Peter Vente plant das Nasslager bei Pasel, um für die Zukunft vorzusorgen.

„Wir machen das Nasslager nicht, um ein Geschäft zu machen, sondern in drei bis vier Jahren noch Holz zu haben“, sagt der Chef des Sägewerkes. Dass der Unternehmer Erfahrung mit Nasslagern hat, zeigt sich auch bei der Beregnung, denn anders als beim Bau des städtischen Nasslagers in der Wiebecke soll hier nicht permanent frisches Wasser aus der Lenne abgepumpt werden. „Wir werden einen Auffangteich errichten, in den das benutzte Wasser zurückfließt, sich wie in einer Klärgrube absetzt und dann wiederverwendet wird.“ Nur das verdunstete Wasser werde durch eine intelligente Steuerung aus dem Uferkies der Lenne entnommen. Auch auf Regenschauer reagiere das System und setzte den Zufluss aus, um den Verbrauch aus der Lenne auf ein Minimum zu reduzieren.

Ausgleichsmaßnahme in Holthausen

„Das Vorhaben ist mit der Unteren Wasserbehörde und der Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises abzustimmen“, sagt Vente. Als ökologische Ausgleichsmaßnahmen werden eine rund drei Hektar große Waldfläche oberhalb von Holthausen sich selbst überlassen und ein Bachlauf renaturiert. „Wir machen das alles vernünftig und ordentlich und werden uns auch mit dem benachbarten Landwirt kurzschließen“, versicherte Vente. Etwaige Verschmutzungen oder Beschädigungen auf der Zuwegung, die über Rönkhausen erfolgt, will Vente beseitigen und die Nasslagerfläche auf der Wiese in spätestens fünf Jahren wieder in den Ursprungszustand zurückversetzen.

„Wir werden rund 500 000 Euro investieren und würden gerne so schnell wie möglich loslegen. Derzeit sind wir im Gespräch mit den Behörden“, sagt Vente. Dass es eine gewisse Beeinträchtigung geben werde, sei nicht von der Hand zu weisen – „aber wollen wir denn alles Holz nach China schicken?“ fragt Vente. Geplant sei, den Waldbesitzern bei der Einlagerung einen Preis zu zahlen, der rund 20 Euro über dem RundholzPreis der China- und USA-Exporte liege. Alles in allem habe das eingelagerte Holz – geplant ist eine Größenordnung von über 30 000 Festmetern – einen Wert von rund zwei Millionen Euro, so Vente, der abschließend versicherte: „Die Holzzüge werden nicht durch Pasel fahren, auch wenn 70 bis 80 Prozent des eingelagerten Holzes aus Plettenberger Wäldern kommen.“ 

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