Corona-Sonderzahlung bleibt aus

Warum das Krankenhaus keine Prämie bekommt

Der Ärztliche Direktor Dr. Andrzej Ploch und die Corona-Koordinatorin Simone Colak erklären, warum es keine Prämien gibt.
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Der Ärztliche Direktor Dr. Andrzej Ploch und die Corona-Koordinatorin Simone Colak erklären, warum es keine Prämien für die Mitarbeiter im Plettenberger Radprax-Krankenhaus gibt.

Plettenberg – In der letzten Woche wurde im Plettenberger Radprax-Krankenhaus ein Aufnahmestopp verhängt. Seit Monaten werden dort Corona-Patienten und Verdachtsfälle behandelt und getestet, doch die Mitarbeiter schauen trotzdem in die Röhre.

Denn während die Märkischen Kliniken mit dem Dezember-Gehalt eine Corona-Prämie an Pflegekräfte des Klinikums Lüdenscheid auszahlten, gehen die Mitarbeiter in Plettenberg ebenso wie die der Stadtklinik Werdohl leer aus. Der Grund ist eine gesetzliche Regelung, die zwar gut gemeint ist, aber laut der Gewerkschaft Verdi für Ungerechtigkeit und Unfrieden in den Belegschaften sorgt.

Nachdem Mitarbeiter in der Altenpflege und damit auch im Plettenberger Seniorenzentrum bereits im Sommer einen Coronabonus von bis zu 1 500 Euro aus der Pflegekasse erhalten hatten, wollte der Gesetzgeber auch den Pflegekräften in den Kliniken, die von den Pandemie-Folgen besonders betroffen sind, eine finanzielle Anerkennung zukommen lassen. Im Oktober wurden daher durch das Krankenhauszukunftsgesetz und Änderungen des Krankenhausgesetzes (KHG) 100 Millionen Euro aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds freigemacht.

Auszahlung ist an Bedingungen geknüpft

Die Auszahlung knüpften die Gesundheitspolitiker jedoch an Bedingungen. Ein Anspruch auf die Corona-Prämie haben demnach nur Mitarbeiter in Krankenhäusern, die während der ersten Welle eine Mindestzahl von Corona-Patienten abgerechnet haben. Dazu befragte Georg Dickopf den Ärztlichen Direktor Dr. Andrzej Ploch und die Corona-Koordinatorin Simone Colak.

Interview mit Dr. Andrzej Ploch und Simone Cloak

Herr Dr. Ploch, wie sieht es mit den Corona-Prämien in Plettenberg aus?
Ploch: Leider bekommt das Plettenberger Krankenhaus kein Geld aus dem Topf. Wir haben vielleicht in der ersten Phase der Pandemie nicht so viele Patienten wie andere Krankenhäuser behandelt – so um die 25 – aber das war einfach zu wenig, um die Prämie zu bekommen.

Aber Sie haben schon einiges getan, um die Patienten versorgen zu können?
Die Maßnahmen sind die gleichen wie in anderen Krankenhäusern. Wir waren gezwungen, eine komplette Station zur Isolierstation für die Covid-Patienten umzurüsten und eine zusätzliche Station zu schließen, um daraus Personal zu gewinnen. Wir mussten die Intensivstation umstellen. Der Personalbedarf war enorm. Und wir hatten viele Verdachtspatienten, die erst einmal genauso aufwändig behandelt werden mussten, wie Covid-Patienten, bis der Test negativ war.

Frau Colak, im Herbst gab es eine Sonderprämie für Pflegekräfte. Sie arbeiten hier täglich mit Coronapatienten. Haben Sie auch etwas bekommen?
Colak: Also ich gönne es jedem, der es bekommen hat, aber die Krankenschwestern, die wirklich an der Front gearbeitet haben, die wurden gar nicht berücksichtigt und bekommen das Geld auch im Nachhinein nicht, was ich für meine Kollegen sehr unfair finde.

Sie bekommen das Geld also nicht, weil Sie zu wenig Fälle hatten?
Genau. Ich finde, wenn man so eine Prämie zahlt, sollten das alle bekommen und keine Abstriche machen.

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