Warum in Bukoba (Tansania) etliche Kinder in P-Weg-T-Shirts herumlaufen

+

Plettenberg - Was wird eigentlich aus den Finisher-T-Shirts vom P-Weg-Wochenende, die übrig bleiben? Sie werden gespendet. Zum Beispiel nach Tansania, wo sich Pastor Lugemeleza und die Kinder aus seinem Kinderhaus sehr darüber freuen.

Ein Finisher ist jemand, der das Ziel erreicht hat. Einer, der seinen Weg gemacht hat. Einer, der auch schwierigen Bedingungen trotzt und ankommt. Ein Sieger.

In Plettenberg werden einmal im Jahr rund 2 500 T-Shirts mit der Aufschrift Finisher verteilt. Und zwar an all die Sportler, die den P-Weg-Marathon gemeistert haben. Meistens hat das Organisatoren-Team danach noch ein paar Dutzend Shirts übrig, weil Teilnehmer doch noch kurzfristig abgesagt haben oder weil doch mehr Leute die Größe XL statt S benötigten. Diese überschüssigen Shirts werden gespendet – zum Beispiel an ein Kinderhaus in Bukoba, Tansania.

Bukoba liegt einen Grad südlich des Äquators. Die Sonne brennt hier fast täglich vom Himmel und spiegelt sich im Wasser des Victoriasees am Rande der Stadt. An diesem Ort, an den sich so gut wie keine Touristen verirren, wundern sich die Bewohner nicht mehr über die P-Weg-Shirts. Und die Kinder, die sie tragen dürfen, sind stolz auf ihre Kleidungsstücke aus Deutschland, die so gut zu ihnen passen. Denn sie sind selbst kleine Finisher.

Nein, sie haben keinen Marathon bezwungen. Sie haben einen Ausweg gefunden. Weg von der Vergangenheit, die es nicht gut mit ihnen gemeint hat. Kinder, deren Eltern sich nicht mehr um sie kümmern konnten. Kinder, die regelmäßig geschlagen worden sind. Oder Kinder, deren Eltern schon gestorben sind. Sie leben jetzt im Kinderhaus. Und hoffen wieder.

Ihr Alltag ist geprägt von Freude, von Gemeinschaft, aber auch von Disziplin. Sie lernen nicht nur fremde Sprachen, sondern auch, wie man Tiere versorgt, wie man Gemüse anbaut oder wie man etwas zu Essen kocht. Alles mit dem Ziel, dass die Kinder später, wenn sie erwachsen sind, auf eigenen Füßen stehen können.

Sie haben auch Glück gehabt. Denn die Mittel des Kinderhauses sind begrenzt. Es finanziert sich aus Spenden. Letztes Jahr standen 5 300 Euro zu Verfügung. Der Großteil dieser Gelder stammt von dem Verein „Okoa Sasa“ aus Plettenberg und fließt ins Kinderhaus, in die ärztliche Versorgung, in die Armenpflege und in die Bildungskosten für weitere rund 250 Schüler. Die Betreuer im Kinderhaus arbeiten alle ehrenamtlich. Und das Gebäude ist selbst mit einem geplanten Anbau für die 35 Kinder, die hier wohnen, eigentlich zu klein. Manche Kinder teilen sich (noch) die Betten mit anderen. Sie machen es, ohne zu murren. Alles besser, als wieder zurück ins alte Leben. Wer das P-Weg-Finisher-Shirt trägt, gehört dazu. Kinder müssen in Tansania nicht nur in Schulen einheitliche Kleidung tragen, sondern auch in Kinderhäusern (auch wenn es von Letzteren so gut wie keine im Land gibt). Die P-Weg-Shirts wurden erst als Markenzeichen des Chors verwendet, inzwischen dienen sie als Schuluniform im Kinderhaus.

Die Kinder hüten ihre Shirts wie einen Schatz. In den Schlafräumen des Kinderhauses stehen keine Kleiderschränke, weil die jungen Bewohner nur ein, zwei T-Shirts und Hosen besitzen – mehr nicht. Wenn Kinderhaus-Papa Edson Lugemeleza aus Deutschland zurückkehrt oder wenn die Plettenberger Mitglieder des Vereins „Okoa Sasa“ nach Bukoba reisen und eine neue Fuhre P-Weg-Finisher-Shirts im Gepäck, dann strahlen die Kinder, weil sie ein Geschenk bekommen. Und weil sie wissen, dass sie auf ihrem Weg zu einem richtigen Finisher nicht alleine gelassen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare