Plettenberger blicken mit Sorge nach Sachsen-Anhalt

Meinungen zum Halle-Attentat: "Ausgrenzung muss aufhören"

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Gabionenwände umgeben den Jüdischen Friedhof in Plettenberg. Das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich und wird jährlich für eine zentrale Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz geöffnet.

Plettenberg – Der Schock über das Attentat auf eine Synagoge in Halle an der Saale sitzt auch in Plettenberg tief. Obwohl die Ereignisse mittlerweile einige Tage zurückliegen, ist es für die meisten immer noch unbegreiflich, was sich dort am Mittwoch ereignet hatte. Der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan B. hatte versucht, in die Synagoge einzudringen, um etliche Gläubige umzubringen. Da er nicht hineingelangte, erschoss er eine Passantin und den Kunden eines Döner-Imbisses. Weitere Menschen wurden verletzt.

Dass die Angst vor Antisemitismus auch in Plettenberg noch immer vorhanden ist, sieht man am Beispiel des Jüdischen Friedhofs. Die denkmalgeschützte Ruhestätte an der Freiligrathstraße ist – anders als andere Friedhöfe in Plettenberg – bis heute nicht frei zugänglich. „Der Jüdische Friedhof muss abgesperrt werden aus Angst vor Vandalismus – das ist doch eine Katastrophe“, findet der evangelische Pfarrer Uwe Brühl klare Worte und unterstreicht, dass der Antisemitismus in Deutschland aus seiner Sicht noch nie ganz verschwunden war. Brühl fordert zum Handeln auf: „Diese Ausgrenzung muss einfach aufhören. 

Dazu muss jeder einzelne bei sich selbst anfangen und sein eigenes Handeln überarbeiten und neu aufstellen. Die Zeit der Sonntagsreden ist vorbei, wir brauchen jetzt Solidarität und es muss sich etwas tun!“ Bewachung, Absperrung – darüber haben auch Plettenberger Mitglieder des türkischen Kulturvereins Ditib schon nachgedacht. 

Wenn Feste wie das Opferfest oder der Ramadan ausgerichtet werden, kommen hunderte Muslime an der Moschee an der Bahnhofstraße zusammen, was wiederum ebenfalls ein potentielles Ziel für rechtsextremistische Anschläge wäre. „Wir haben das schon ein paar Mal mit der Polizei besprochen“, sagt Bülent Cakmak, der Vorsitzende der Plettenberger Ditib-Gemeinde. Polizeischutz oder eine eigene Wache ist aber seitens des Vorstandes gar nicht gewollt – auch wenn vereinzelte Mitglieder das Thema immer mal wieder ansprechen. 

„Wir fühlen uns sicher“, sagt Cakmak. „Wir wollen uns nicht abschotten, sondern stattdessen die Leute einladen, mit den Leuten reden“, betont der Ditib-Vorsitzende. Eine Wache zu solchen Festen würde doch nur weitere Ängste schüren. Dass solche Vorfälle wie jetzt in Halle an der Saale immer wieder geschehen, stimme ihn traurig, sagt Bülent Cakmak. „Vor allem verstehe ich nicht, warum immer wieder Kirchen, Moscheen oder Synagogen als Anschlagsziel ausgesucht werden. Denn Gotteshäuser sind Friedenshäuser. Ich frage mich: Woher kommt dieser Hass?“

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