Austauschprogramm des TuS Plettenberg leidet unter der Pandemie

 „Angst, dass die Sache einschläft“

Fußball-Austausch TuS Plettenberg - Borras Park Albion FC 2019
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2019 waren die Waliser Nachwuchskicker zuletzt zu Gast in Plettenberg.

Plettenberg – Es wäre ein kleines Jubiläum gewesen: In der Woche vor Ostern hätten sich normalerweise junge Fußballer aus Plettenberg und Wrexham getroffen, um eine knappe Woche gemeinsam zu verbringen - mit Fußballspielen, anderen sportlichen Aktivitäten wie Schwimmen und Bowling, Ausflügen, Besichtigungen und Feiern.

Der Austausch hat eine lange Tradition: Seit 1981 kamen knapp 700 Kicker des Borras Park Albion FC und des TuS Plettenberg in diesen Genuss, knüpften im Rahmen der Partnerschaft des Märkischen Kreises mit dem Wrexham County Borough Freundschaften, betrieben Völkerverständigung. „In all diesen Jahren musste nicht ein Partnerschaftstreffen abgesagt werden“, stellte Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper noch 2017 beim Besuch der jungen Fußballer im Lüdenscheider Kreishaus fest. Bis 2020 – denn dann kam Corona und die Plettenberger mussten die geplante Fahrt nach Wales absagen. In diesem, dem 40. Jahr des Bestehens der Partnerschaft, sollten die Freunde aus Wrexham in die Vier-Täler-Stadt reisen, doch auch daraus wird nichts.

Dass der Austausch als eine der ersten Veranstaltungen nun bereits zum zweiten Mal coronabedingt ausfallen muss, stimmt die Organisatoren auf Plettenberger Seite traurig. Markus Hildebrandt kümmert sich beim TuS federführend mit Abteilungsleiterin Jessica Kosch um die Vorbereitung und Durchführung der Partnerschaftstreffen. Michael Jeide sprach mit Hildebrandt.

Markus Hildebrandt, hier mit Peter Sedlatschek (vorne) in Wrexham im Jahr 2010, hält weiterhin engen Kontakt zu den Organisatoren des Jugendaustausches auf Waliser Seite.

Gab es keine Chance auf ein Treffen in der letzten Märzwoche in Plettenberg?

Die Planung braucht natürlich ein bisschen Vorlauf. Der jeweilige Gastgeber muss sich frühzeitig um Reservierungen und Tickets für die Ausflüge kümmern. Doch keiner weiß, was wann wieder geöffnet hat, egal ob Freizeitpark oder hier das Aquamagis. Und es bleibt die Unsicherheit wegen Corona. Nur mal angenommen, die Waliser oder wir dürfen plötztlich nicht zurück nach Hause. Die Verantwortung möchte ich dann als Organisator nicht übernehmen. Und deshalb haben wir das Treffen 2021 schon frühzeitig abgesagt.

Der Wales-Austausch muss damit schon im zweiten Jahr hintereinander pausieren. Was sind die Folgen?

Ich habe etwas Angst, dass die Sache einschläft. Die D-Jugendlichen, die eigentlich im vergangenen Jahr nach Wrexham fahren sollten, sind 2022 schon C-Junioren. Von den vier Jahren, in denen sie am Austausch teilnehmen können, haben sie damit schon zwei verpasst. Ich hoffe, dass diese gute, schöne alte Tradition nicht vor die Hunde geht.

Wie wurden die Kontakte in der Vergangenheit neben den einwöchigen Austauschreisen gepflegt?

Da ist vieles entstanden, auch private Freundschaften. Ich kenne zum Beispiel Mark Griffiths, der den Austausch auf Seiten von Borras Park organisiert, jetzt schon seit 15 Jahren. Wir schicken uns zu Weihnachten kleine Aufmerksamkeiten. Ich habe diesmal einen Kasten Wrexham Lager bekommen, im Gegenzug gibt es dann ein paar Dosen ,Dicke Sauerländer‘. Unser früherer Jugendleiter Peter Sedlatschek und ich sind auch schon zu Geburtstagen nach Wrexham eingeladen worden. Dabei wurde ich auf der Straße erkannt und gefragt: „Markus, was machst Du denn hier? Es ist doch gar nicht Ostern.“ Es ist immer ein Highlight, wenn man rüber kann. Ich war als Zehnjähriger zum ersten Mal in Wales und habe seitdem nur einen Austausch im ersten Jahr als B-Junior verpasst. Danach habe ich als Trainer eine D-Juniorenmannschaft übernommen und konnte wieder mitfahren. Der Austausch ist eine feste Größe im Leben – die erneute Absage hat mir genauso weh getan wie die Absage des Turniers um den Sauerland-Cup.

Andy Pierce vom Borras Park Albion FC hat winterliche Grüße an alle Freunde in Plettenberg geschickt. Auch im Norden von Wales liegt Schnee und machte den Bau eines, wenn auch etwas traurig blickenden Schneemanns mit blau-gelbem Freundschaftsschal möglich. „Wir hoffen, es geht euch allen gut in diesen schwierigen Zeiten. Passt gut auf euch auf – bis wir uns wiedersehen“, schreibt Pierce, dessen Eltern Tom und Jean über viele Jahre den Austausch auf Waliser Seite organisierten.

Wie ist Wrexham, wie ist der Partnerverein von der Corona-Pandemie betroffen?

Zurzeit ist es von den Auflagen her sehr ähnlich wie hier, aber im ersten Lockdown war es deutlich schlimmer. Es gab vier Wochen lang eine Ausgangssperre. Der Höhepunkt war, dass nur zwei Personen aus einem Haushalt für eine Stunde täglich das Haus verlassen durften. Infiziert war aber zum Glück niemand, den ich kenne.

Wie läuft die Kommunikation zurzeit?

Die Kommunikation findet derzeit nur über Facebook, Whatsapp Nachrichten oder Videoanrufe statt. Aber wir sind immer in Kontakt und planen den nächsten Austausch, jetzt eben für 2022. Die Schwierigkeit ist, dass wir schon im Oktober Bus und Fähre reservieren müssen – der Bus bleibt ja schließlich eine Woche vor Ort. Ich hoffe inständig, bald wieder zumindest privat nach Wales fahren zu können. Die Leute da drüben leben den Austausch genauso wie wir. Deshalb funktioniert das jetzt auch seit 40 Jahren. Ich wünsche mir, dass wir auch in Zukunft noch viele Jungs dafür begeistern können, einmal dorthin mitzufahren und im Jahr danach einen Waliser Fußballer hier in Plettenberg aufzunehmen.

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