Warum sich eine Waldbesitzerin im MK nicht mehr in ihren Wald traut...

+
Förster Henning Stolz zeigt einen befallenen Fichtenstamm.

Wer das Waldgebiet am Saley in Plettenberg kennt, der erschreckt sich in diesen Tagen, denn der bei Wanderern und Sportlern beliebte Berg hat sein Aussehen radikal verändert. Bei einem Friseur würde es wohl heißen: „Oben und an den Seiten ganz kurz.“

Plettenberg - „Oben“ ist der Bereich rum um den großen Sendemast in knapp 500 Meter Höhe. Nahezu der gesamte Fichtenbestand auf dem Kopf des Saleys wurde gefällt, weil der Borkenkäfer dort in den heißen und trockenen Sommermonaten ganze Arbeit geleistet hatte. Oberhalb des Rundwegs A1 liegen unvorstellbar große Mengen an Fichtenholz, die nun nach und nach von Holzfuhrunternehmen zum Sammelplatz auf dem Dura-Parkplatz gebrachte werden, wo dann die Verladung in Container erfolgt. Von dort fahren die Lkw dann in Richtung Nordsee, wo die Container entweder von Holland oder Deutschland aus auf Containerschiffe in Richtung Asien verladen werden.

„Das Fichtenholz geht nach China und Korea“, weiß der heimische Förster Henning Stolz, der es in den letzten Monaten mit holländischen Lkw-Fahrern, rumänischen, lettischen, finnischen und österreichischen Holzfällern und chinesischen Abnehmern zu tun hatte. Bei all dem Schmerz über die massenhaft zerstörten Fichtenbestände lobt Stolz in dem Zusammenhang die in den letzten Monaten aufgebaute Logistik, die es immerhin ermöglicht, das Holz weltweit zu vermarkten. Die Holzvermarktung habe mittlerweile auch schon für Frust bei den Neuseeländern gesorgt, die nun Absatzprobleme in Asien bei ihrem eigenen Holz haben. 

Für die Waldbesitzer ist laut Stolz besonders frustrierend, dass ihr Holz durch den Käferbefall und die Unmengen auf dem Markt derzeit „praktisch entsorgt wird.“ Und im Grunde genommen müssten die gerodeten Flächen nun alle wieder aufgeforstet und neu bepflanzt werden. „Pro Hektar muss man mit Kosten von rund 5000 Euro rechnen“, sagt der Förster, der von einem Waldeigentümer weiß, der 80 Hektar Wald verloren hat. „Der müsste jetzt theoretisch 400 000 Euro in die Hand nehmen, nachdem er gerade Unmengen an Holz ohne Gewinn abtransportieren ließ“, schildert Stolz die Lage. Und bei der Frage nach Neuanpflanzungen stelle sich die Frage, welcher Baum in die heimische Region passe.

Die Waldarbeiter aus Rumänien und Österreich leisten Schwerstarbeit.

 „Eine Kiefer hat zum Beispiel kein Problem mit Trockenheit, mag aber keine Hitze“, so Stolz. Andere Bäume, die mit den heißen, wasserarmen Sommern zurechtkämen, seien wiederum empfindlich bei starken Minusgraden. Was den Käfer und das derzeitige Problem angeht, müsste es im Grunde ein ganzes Jahr durchregnen. Dass der Regen in den letzten Wochen noch nicht viel gebracht hat, zeigt der Förster am Waldboden, der nur oberflächlich feucht ist. 

Die ganze Situation hat laut Stolz „nie dagewesene Dimensionen“ erreicht. Dabei nennt er das Beispiel einer Waldbesitzerin, die das grausame Bild, das die abgerodeten Hänge derzeit bieten, nicht ertragen kann und den Weg in ihren Wald meidet. Dabei mussten die Waldeigentümer schon einiges ertragen in den letzten 20 Jahren.

Das sagt Henning Stolz zu der aktuellen Situation:

18 mal mehr Holz als in einem normalen Jahr Der Borkenkäferbefall stellt die Waldbesitzer bundesweit und vor allem auch in der heimischen, fichtenreichen Region vor große Probleme. Welche Dimensionen der Borkenkäferbefall in Kombination mit drei sehr heißen und trockenen Sommern hat, belegen folgende Zahlen. Bisher wurden in Nordrhein-Westfalen 25 Millionen Festmeter Fichtenholz gefällt – 23 Millionen Festmeter davon waren Käferholz. Bis Ende des Jahres wird mit einer Menge von 35 Millionen Festmetern gerechnet. Normalerweise wird in einem Jahr mit einer Menge von 2 Millionen Festmetern geplant. Der Sturm Kyrill sorgte im Jahr 2007 für ein Volumen von 16 Millionen Festmetern Fichtenholz.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare