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Wahlleiter: „Ich habe jetzt eine 60-Stunden-Woche“ 

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Jürgen Gaidies organisiert letztmals die Wahl für die Stadt Plettenberg.
Jürgen Gaidies organisiert letztmals die Wahl für die Stadt Plettenberg. © Dickopf, Georg

Weit über 20 Wahlen hat er begleitet. Was er dabei alles erlebt hat, erzählt Wahlleiter Jürgen Gaidies im Interview.

Plettenberg – Im Juli geht Jürgen Gaidies, Mitarbeiter des Sachgebietes Kommunalverfassung und Organisation, in die Altersteilzeit. 1988 kam der Plettenberger über eine ABM-Stelle ins Rathaus und noch im gleichen Jahr bot man ihm eine Festanstellung an. Fast 15 Jahre lang arbeitete der 64-Jährige im Sozialamt, ehe er am 1. Januar 2003 ins Wahlamt wechselte. Georg Dickopf traf ihn zum Interview.

Herr Gaidies, Sie sind jetzt seit 20 Jahren im Wahlamt und haben viele Wahlen erlebt. Haben Sie mitgezählt, wie viele es waren?

Die Landtagswahl am Sonntag ist meine 25. Wahl, einschließlich der zwei Seniorenwahlen.

Wie ist derzeit der Stand der Dinge?

Es gibt eine erhöhte Briefwahlbeteiligung, die aber dennoch hinter den Erwartungen zurückbleibt. Wenn ich die Bundestagswahl zugrunde lege, bekommen wir am Sonntag keine besonders gute Wahlbeteiligung.

Wie hoch schätzen Sie die Wahlbeteiligung ein?

Bei Anfang 60 Prozent vielleicht, wenn es mehr wird, freue ich mich.

Was war die höchste Wahlbeteiligung bei den 25 Wahlen?

Das war eine Bundestagswahl, bei der fast 80 Prozent der Plettenberger gewählt haben. Es war die Wahl, bei der sich Gerhard Schröder gegen Helmut Kohl durchsetzte.

Was ist Ihre Aufgabe im Vorfeld einer Wahl?

Die Pflege des Wählerverzeichnisses, der Wählerlisten und was alles dazu gehört. Und vor allem organisiere ich das praktische Wahlgeschäft mit der Briefwahl, der Verteilung der Urnen.

Hört sich nach viel Arbeit an...

Ja, es ist eine Menge Extraarbeit. Unter 40 bis 50 Überstunden kommt man da nicht raus. Die Wahlen habe ich ja aber nicht alleine organisiert. Daher gilt mein besonderer Dank meinen Teams. Zwei Mal habe ich Wahlen allein durchgeführt und hatte da über 100 Überstunden.

Da freut sich Ihre Frau sicher weniger...

Das kann man so sagen. Ich habe jetzt auch eine 60 Stunden-Woche. Am Freitag ging es bis 19 Uhr, am Samstag geht es bis mittags und am Sonntag von 7 bis 22 Uhr.

Ein Skatspiel darf seit der Landrats-Stichwahl in den Wahllokalen nicht fehlen.
Ein Skatspiel darf seit der Landrats-Stichwahl in den Wahllokalen nicht fehlen. © Dickopf, Georg

Ich hab gehört, es gibt auch ein Skatspiel für jedes Wahlbüro...

Ja, das stimmt, das haben wir vor zwei Jahren bei der Landrats-Stichwahl eingeführt, weil da ganz wenig los war in den Wahllokalen.

Was war die spannendeste Wahl bisher?

Das war 2014, als die NPD in Plettenberg wegen einer fehlenden Stimme nicht in den Rat eingezogen ist. Und als Dagmar Freitag nur ganz knapp gegen Christel Voßbeck-Kayser gewonnen hat, war auch spannend.

Gibt es sonst noch amüsante Geschichten?

Die Wahlbriefumschläge sind ja eigentlich frei, das Porto zahlt der Staat. Eine Überraschung habe ich bei dieser Wahl erlebt, als einer zwei 80 Cent-Briefmarken drauf geklebt hat und den Brief dann im Rathaus eingeworfen hat.

Das Prozedere scheint für viele immer noch etwas kompliziert zu sein...

Ja, das stellen wir auch immer wieder fest. Das Formular für den Briefwahlantrag muss ja unterschrieben werden. Wenn das nicht erfolgt ist – und das ist auch dieses Jahr in fast 100 Fällen passiert – schicke ich ein Musterschreiben mit der Aufforderung und der Bitte um Unterschrift des Wahlberechtigten zurück. Der Antrag kam zurück und an der Stelle des Wahlberichtigten stand dann das Wort Unterschrift.

Was kostet so eine Wahl eigentlich?

Alles in allem muss man so mit rund 35 000 Euro Kosten rechnen, auch weil das Bundesverfassungsgericht es untersagt hat, die Wahlbriefe vergünstigt per Dialogpost zu versenden.

Wenn Sie im Sommer aufhören, findet die nächste Wahl erstmals ohne Sie statt?

Ja, das wird die Europawahl 2024. Der Vorteil ist, dass meine Nachfolgerin sich bei so einer Wahl gut einarbeiten kann.

Und Sie können dann die Füße hochlegen?

Wahrscheinlich werde ich angeschrieben, um im Wahlvorstand tätig zu werden. Dort habe ich auch damals angefangen und war Schriftführer im Wahlvorstand am Oesterhammertreff und im Gasthof zur Post.

Und am Sonntag müssen Sie auch noch mal ran...

Ja, genau. Es sind alle Bürger herzlich eingeladen zu wählen und am Wahlsonntag die Ergebnispräsentation live im Ratssaal zu verfolgen. Es gibt dort auch Getränke.

Wann ist die Landtagswahl für Sie erledigt?

Ich denke Dienstag ist alles abgeschlossen. Das Wunden lecken bei den Verlieren kann aber noch länger dauern.

Was haben Sie in Ihrem Ruhestand vor?

Ich habe keine großen Pläne, aber sieben Enkel, um die ich mich dann mehr kümmern kann und mehr reisen werde ich auch. Gerne zum Beispiel nach Katwijk an Zee in Holland.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Arbeit im Rathaus geschätzt wird?

Im Kollegenkreis auf jeden Fall...

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