Auch eine geimpfte Seniorenvertreterin äußert sich

Vorteile für Geimpfte? Das sagt Plettenbergs Bürgermeister dazu

In den Arztpraxen wird zurzeit nur der Biontech-Impfstoff eingesetzt.
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Sollen Geimpfte mehr dürfen als andere?

Sollte die Einschränkung der Grundrechte für Personen langsam wieder aufgehoben werden, die bereits gegen das Coronavirus geimpft worden sind? Plettenbergs Bürgermeister Ulrich Schulte und Seniorenvertreterin Dörte Kaul-Hentschel äußern sich dazu.

Plettenberg - Ulrich Schulte, Bürgermeister der Stadt Plettenberg, hat die gesundheitlichen Beeinträchtigung durch Covid-19 bereits am eigenen Leib zu spüren bekommen. Er sagt zu den diskutierten Impf-Vorteilen: „Es ist kein leichtes Thema und es bleiben Unwägbarkeiten, daher muss sehr vorsichtig damit umgegangen werden und es muss genau geschaut werden, welche Freiheiten gewährt werden.“

Er könne den Wunsch der Menschen, die geimpft worden sind, nach mehr Normalität verstehen. „Danach sehnen wir uns ja schließlich alle.“ Ebenso könne er die Hoffnung von Gastronomie, Dienstleistern und Einzelhandel verstehen.

Nichtsdestotrotz: „Erleichterungen machen nur dort Sinn, wo eine Einzelkontrolle möglich ist“, sagt der Bürgermeister, der bewusst den Begriff Erleichterungen statt Freiheiten verwendet, damit nicht das falsche Bild vermittelt werde, dass mit Impfung fast alles wieder möglich werde. Konkret sieht Schulte die Möglichkeit für Geimpfte, dass auf einen Negativ-Test beim Friseurbesuch verzichtet werden könnte. Gleiches gelte für andere Bereiche, bei denen ein Schnelltest erforderlich ist. „Es darf aber nicht dazu führen, dass Geimpfte beim Friseurbesuch auf ihre Maske verzichten können, denn wie die traurigen Ereignisse beim Seniorenzentrum St. Josef zeigen, kann man trotz Impfung das Virus weitertragen.“

Zur Erinnerung: Im Altenzentrum St. Josef haben sich Bewohner trotz vollständigen Impfschutzes und trotz Hygienemaßnahmen infiziert, zwei von ihnen sind mit Corona verstorben. Einrichtungsleiterin Heike Biedermann hatte vor diesem Hintergrund schon zu Beginn der Woche zu den diskutierten Vorteilen für Geimpfte gesagt: „Ich sehe das mit großen Fragezeichen.“

Zurück zu Bürgermeister Schulte. Er gibt bei all der Diskussion außerdem zu bedenken, dass „die Erleichterungen für Geimpfte nicht dazu führen dürfen, dass Corona-Schutzvorschriften nicht mehr kontrollierbar sind, ohne dass Ordnungsamt und Polizei sich nun auch noch Impfausweise zeigen lassen müssen“.

Und weiter: „Letztlich dürfen wir bei dem Bestreben, Geimpften mehr Möglichkeiten zu geben, auch nicht diejenigen vergessen, die sich zwar impfen lassen würden, es aber aufgrund von Immunerkrankungen oder anderen Gründen nicht dürfen. Wir dürfen hier keine Zwei-Klassen-Gesellschaft entstehen lassen. Diese Pandemie stehen wir nur als Gemeinschaft durch und diese Gemeinschaft sollte nicht durch zu viele Freiheiten für Einzelne in Frage gestellt werden.“

Großzügige Erleichterungen seien schließlich immer noch möglich, wenn ein Großteil der Bevölkerung durchgeimpft sei.

Für zu früh hält auch Dörte Kaul-Hentschel die diskutierten Lockerungen. Die Vorsitzende der Seniorenvertretung ist selbst bereits vor einigen Wochen zum zweiten Mal geimpft worden, würde also durchaus persönlich von den Vorteilen profitieren. Trotzdem tritt sie auf die Bremse.

„Wir Senioren sind natürlich froh, dass wir geimpft sind. Gleichwohl ist uns allen bewusst, dass wir uns nach wie vor schützen müssen, da wir trotz Impfung sowohl an Corona erkranken als auch diese Krankheit weitergeben können. Von daher habe ich die Befürchtung, dass eventuelle Erleichterungen für Geimpfte zu früh kämen, zumal auch noch nicht alle ein Impfangebot erhalten haben. Daher wäre eine Bevorzugung nicht richtig.“

Auch sie findet: Erst wenn alle das Impf-Angebot erhalten haben, seien die Erleichterungen für Geimpfte erforderlich, „da wir alle uns nach Normalität sehnen: Kinder und Enkelkinder treffen zu können, mit Freunden spontan zum Essen ins Restaurant, Kino, Theater, Sport, Reisen – all das vermissen wir und warten sehnsüchtig darauf“.

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