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Von der Drehbank ins Paradies: Plettenberger findet Traumjob auf Atlantikinsel 

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Von: Georg Dickopf

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Der Plettenberger André Joest mag
das Motto der Kapverden:
No stress.
Der Plettenberger André Joest mag das Motto der Kapverden: No stress. © Dickopf, Georg

Die Welt ist klein. Und Plettenberger sind überall. Das stellte auch Redakteur Georg Dickopf bei seinen Flitterwochen auf den Kapverdischen Inseln überrascht fest

Santa Maria / Plettenberg - Dort traf er im Robinson Club Cabo Verde eher zufällig auf André Joest – einen waschechten Plettenberger – und führte in Äquatornähe und bei recht angenehmen 28 Grad spontan ein Interview mit dem 36-Jährigen, der irgendwann das Gefühl hatte, noch einmal etwas ganz anderes in seinem Leben machen zu müssen.

André, Sie sind Plettenberger und in Ohle groß geworden..

Richtig, ich wurde zwar in Attendorn geboren, aber groß geworden bin ich in Ohle. Wie viele andere Plettenberger haben Sie nach der Schule eine Ausbildung gemacht, was Ihre Eltern sicherlich toll fanden. Ich habe nach meinem Realschulabschluss eine Ausbildung bei der Firma Otto Rentrop begonnen, und zwar als Zerspanungsmechaniker. Dort habe ich dann noch eine Ausbildung als Industriekaufmann über ein Verbundstudium drangehängt.

Dieser Blick in Richtung Atlantikstrand bietet sich den Besuchern des Robinson-Clubs auf
den Kapverdischen Inseln. Dort arbeitet der Plettenberger André Joest als Entertainment-
Chef.
Dieser Blick in Richtung Atlantikstrand bietet sich den Besuchern des Robinson-Clubs auf den Kapverdischen Inseln. Dort arbeitet der Plettenberger André Joest als Entertainment-Chef. © Dickopf, Georg

Das hört sich nach einer klassischen Plettenberger Laufbahn an. Aber jetzt sitzen wir hier auf den Kapverdischen Inseln in Äquatorhöhe bei 28 Grad auf der Insel Sal im Atlantik. Wie kommt man als Zerspanungsmechaniker dazu, hier im Robinson Club zu arbeiten?

Ich habe mir relativ jung schon die Frage gestellt, ob ich das alles für den Rest meines Lebens machen möchte und durch einen großen Zufall kam dann alles ganz anders. Mein bester Freund hat mich zu einem Urlaub eingeladen, den er selbst geschenkt bekam, und so hatten wir das große Vergnügen, zwei Wochen in einem Robinson Club in Jandia auf Fuerteventura verbringen zu dürfen. Das war der Moment, wo ich mir gedacht habe, dass ich auch gerne für das Entertainment in einem Club verantwortlich wäre.

Und was hatte das für Auswirkungen?

Ich habe mich dann noch im Urlaub beworben auf eine Stelle im Entertainment-Bereich. Aber Sie haben Ihren Job nicht gleich gekündigt? Doch, ich war so forsch und habe die Kündigung schon vor der Zusage eingeleitet, weil ich in dem Moment einfach an mich geglaubt habe.

Haben Ihre Eltern auch an Sie geglaubt, als sie von den Plänen hörten?

Meine Eltern sind vom Glauben abgefallen. Sie konnten sich überhaupt nicht verstehen, dass ihr Junge, der in Lohn und Brot steht, nun alles hinwirft, um auf die Reise zu gehen, um der Typ mit der roten Pappnase zu sein.

André Joest stammt aus Plettenberg und arbeitet als Entertainment-Manager auf den Kapverdischen Inseln, wo er für ein großes Mitarbeiterteam (im Bild Emmi) verantwortlich ist.
André Joest stammt aus Plettenberg und arbeitet als Entertainment-Manager auf den Kapverdischen Inseln, wo er für ein großes Mitarbeiterteam (im Bild Emmi) verantwortlich ist. © Dickopf, Georg

Aber Sie wollten in dem Moment dieser Typ mit der roten Pappnase sein?
Ich war damals 26 Jahre alt und hätte bei der Firma Rentrop gut durchstarten könne. Wenn ich ein wenig älter gewesen
wäre und eine Familie gehabt hätte, wäre ich bestimmt heute auch noch bei Rentrop und in Plettenberg
und habe ja auch später noch häufiger dort gearbeitet.

Ihre Geschichte erinnert an Udo Jürgens und sein Lied: Ich war noch niemals in New York...

Ja, das passt schon ein bisschen. Ich wollte erst einmal eine Auszeit von Deutschland nehmen und die Welt erkunden und habe dann zunächst in Griechenland in einem Robinson Club gearbeitet. Danach habe ich mit meiner damaligen Freundin eine große Australien-Reise unternommen und hatte danach das Gefühl, in „good old“ Plettenberg wieder durchstarten zu können.

Redakteur Georg Dickopf traf den
Plettenberger André Joest (re.)  in den Flitterwochen.
Redakteur Georg Dickopf traf den Plettenberger André Joest (re.) in den Flitterwochen. © Dickopf, Georg

Wie lange ging das gut?

Grundsätzlich ist der schwierigste Moment, wenn man nach Hause kommt und die vielfältigen Urlaubserlebnisse ausbleiben. Ich hatte zwar immer das Gefühl, dass Plettenberg meine Heimat ist und ich mich dort wohlfühle und hingehöre, aber nach der Rückkehr war es nicht mehr dasselbe.

Sie haben dann wieder bei Rentrop gearbeitet...

Ja, ich durfte wieder dort arbeiten, wofür ich dem Chef sehr dankbar war, auch wenn es natürlich nicht der gleiche Job war. Ich habe mich dann noch entschieden, meinen technischen Betriebswirt zu absolvieren. Doch schnell wurde mir klar, dass das nicht wirklich mein Ding war. Ich wollte wieder in die weite Welt ziehen. Und jetzt sind Sie der Mann mit der roten Pappnase? Ein bisschen ist das so. Verantwortlich bin ich für Sound und Light und die Künstler. Ich kümmere mich um die DJs, die Dekoration, Tanz und Theaterveranstaltungen und bin für das gesamte Sport- und Tagesprogramm verantwortlich. Was macht den Job aus? Durch die Gäste bekomme ich direktes Feedback und kann viele Dinge direkt umsetzen, damit jeder hier eine gute Zeit hat. Wenn man Freude bei Menschen hervorrufen kann, bleibt da bei einem selbst etwas hängen.

André Joest an seinem letzten Arbeitstag als Zerspanungsmechaniker
bei der Firma Otto Rentrop in Plettenberg.
André Joest an seinem letzten Arbeitstag als Zerspanungsmechaniker bei der Firma Otto Rentrop in Plettenberg. © Rentrop

Ist das Robinson-Team eine Art Familienersatz?

Absolut. Die Gaste sind meist ein bis zwei Wochen da und man kennt auch einige, aber die Mitarbeiter vor Ort sind wie Freunde und teilweise auch wie Familie. Können Sie Tipps geben für diejenigen, die ähnliche Pläne haben? Es ist ganz wichtig, dass man selbst mit dem zufrieden ist, was man tut. Ich habe viele Leute getroffen, die gesagt haben: Hätte ich doch dies oder das gemacht. Und ich kann sagen: Ich habe es gemacht. Natürlich ist es auch nicht immer leicht, so weit weg von Familie, Freunden und Heimatort zu sein. Gerade, wenn zu Hause nicht alles rund läuft.

Sie haben Ihre Mutter im letzten Jahr verloren...

Ja, das war schlimm. Aber gerade bei einem persönlichen Schicksalsschlag, wie ich ihn erleben musste, wird man hier gut unterstützt. Ich konnte in Plettenberg sein und habe mir danach eine Auszeit genommen, weil man nicht einfach wieder auf die Bühne gehen kann.

Was denken Sie, wenn Sie nach Plettenberg kommen?

Ein paar Veränderungen fallen einem schon auf, wenn man mal länger weg war. Ich würde mir wünschen, dass das Nachtleben in Plettenberg ein bisschen aufgewertet würde. Aber ansonsten ist die Stadt Plettenberg auf einem ganz guten Weg, finde ich.

Was ist mit einer eigenen Familie?

Das ist bei so einem Wanderleben nicht ganz einfach, oder? Eine Familie im Club zu gründen ist durchaus möglich, allerdings auch sehr speziell. Ich lasse das mal auf mich zukommen und bin da ganz optimistisch. 

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