„Opfer von Krieg & Gewalt unter uns“

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Am Ehrenmal im Böhler Park wurde in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der heimischen Schützenvereine ein Kranz niedergelegt.

Viele Menschen würden den Sinn des Volkstrauertages mittlerweile in Frage stellen. Dabei würden auch heute, sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, Opfer von Krieg und Gewalt mitten unter uns leben, wie Bürgermeister Ulrich Schulte im Rahmen der Gedenkveranstaltung im Böhler Park erklärte

Manche würden das Gedenken als überkommenes Ritual ansehen, andere die Veranstaltungen zum Volkstrauertag gänzlich ablehnen. „Daher drohen die Erinnerungen an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges zu verblassen“, sagte Bürgermeister Schulte.

Doch die Toten sollten nicht schweigen, ihre Mahnungen nicht vergessen werden – besonders in Anbetracht der aktuellen Kriege überall auf der Welt. „Mitten unter uns gibt es auch heute Opfer von Krieg und Gewalt“, sagte das Stadtoberhaupt, das damit vor allem die Kriegsflüchtlinge aus dem Nahen Osten oder Afghanistan meinte. Das Verheerende: In jedem Krieg würden in erster Linie immer die Unschuldigen leiden.

„Hass, Gewalt und Terror sind leider noch immer für viele Millionen Menschen Alltag.“ Der Volkstrauertag besitze auch heute seine Berechtigung: Nicht nur zur Erinnerung an die Opfer von einst, sondern auch zum Gedenken an die Opfer von heute. Den Volkstrauertag bezeichnete Bürgermeister Schulte als „schwierigen Tag, der Finger in alte Wunden legt.“

Nicht die Erinnerung an ein überhöhtes Heldentum sei wichtig; vielmehr müssten sich die Menschen von heute die Verzweiflung, die Angst und die Traurigkeit der von Gewalt und Krieg betroffenen Menschen vergegenwärtigen. Das sei auch und vor allem Aufgabe der Jugend. „Viele junge Leute, die einen Krieg nie selbst miterlebt haben, glauben, der Volkstrauertag sei nur etwas für die ältere Bevölkerung“, sagt das Stadtoberhaupt. Dabei falle aber gerade den künftigen Generationen die wichtige Aufgabe zu, eine friedliche Zukunft zu gestalten.

Dabei würden weder Fremdenhass, noch überhöhter Nationalismus für eine Zukunft in Frieden sorgen, wie Pfarrer Patrick Schnell erklärte. Der Geistliche berichtete von seiner Reise ins Heilige Land, wo er unter anderem „schwer erträgliche“ Berichte von Kindern hörte, die den Holocaust überlebt hatten.

Ein Besuch der Golanhöhen, im Grenzgebiet zwischen Israel und Syrien gelegen, habe gezeigt, wie nah der Krieg auch heute sein kann. „Im Hintergrund hörten wir stets ein permanentes, dumpfes Donnern“, sagte Pfarrer Schnell. Es habe sich um Geräusche der Kampfhandlungen gehandelt. „Das war sehr bedrückend.“

Es sei wichtig, daran zu erinnern, dass Hass und Gewalt nie für Frieden sorgen könnten. „Daher müssen wir die Mauern in unseren Köpfen einreißen“, forderte Pfarrer Schnell.

Umrahmt wurde die Gedenkveranstaltung, zu der sich außer den Vereinsmitgliedern leider nur wenige Bürger eingefunden hatten, vom Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr und dem MGV Plettenberg. Abordnungen vieler heimischer Schützenvereine hatten mit mit Trauerflor versehenen Fahnen der Veranstaltung einen würdigen Rahmen gegeben.

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