Ralf Beßler plant die Ausweisung eines Mini-Baugebietes an exponierter Stelle

Villen-Abriss für fünf exklusive Grundstücke

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Blick vom früheren Osterfeuerstandort auf die Stadt Plettenberg und die Villa der Familie Geck-Müller, die abgerissen werden soll, um Platz zu machen für fünf exklusive Bauplätze.

Plettenberg - Sie prangt ein wenig versteckt unterhalb des Schlittenhangs Auf der Bracht, doch fast jeder Plettenberger hat die große Privatvilla schon einmal gesehen.

Nach dem Tod von Heinz Geck-Müller im Jahr 1998 lebte dessen Witwe Margarete Geck-Müller noch bis zu ihrem Tod im Jahr 2013 in der 220 Quadratmeter großen Villa am Brachtweg 58.

Seitdem steht das von vielen Rundungen und einer geschwungenen Dachform geprägte Haus leer, an dessen Entwicklung Ende der 70er Jahre der Innsbrucker Architekt Michael Prachensky sowie der Plettenberger Stadtplaner und Architekt Arno Nürnberger beteiligt waren. Versuche der Erbengemeinschaft und des Maklers, die in einer Senke am Hang liegende Villa zu verkaufen, scheiterten. Dabei gab es nach den Angaben von Birgit Geck-Müller über 20 Interessenten aus Plettenberg und der weiteren Umgebung, doch den meisten potentiellen Käufern war das 5 500 Quadratmeter große Grundstück entweder zu groß oder zu klein. 

„Im Großraum München hätte man ein solches Haus ganz leicht verkauft, aber eben nicht in einer Industriestadt wie Plettenberg“, sagt Birgit Geck-Müller. Zumal die Villa zwar einen Swimmingpool (außen und innen), aber nur sehr wenige, dafür aber große Räume mit wenig Fenstern enthalte und für Familien unpassend sei.

Aufräumen konnte die Tochter der Villenerbauers übrigens mit dem hartnäckigen Gerücht, dass ein Bach durch das Wohnzimmer verlaufe. „Das ist völliger Quatsch. Ich weiß nicht woher die Leute das haben“, sagte Geck-Müller. Nach den erfolglosen Verkaufsbemühungen erwarb Immobilienmakler Ralf Beßler kürzlich das Haus samt Grundstück für rund 300 000 Euro. Auch Beßler hat die Hoffnung aufgegeben, einen Käufer für die Villa zu finden. 

Er hat stattdessen Großes auf dem Grundstück vor: „Wir planen den Abriss des Hauses, die Errichtung einer neuen Zufahrtsstraße und die Erschließung von fünf exklusiven Grundstücken.“ Am kommenden Mittwoch, 30. August, sind die Pläne Thema in der öffentlichen Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses, der um 17 Uhr im Ratssaal tagt. Dabei steht die für das Vorhaben notwendige Bebauungsplanänderung auf der Tagesordnung. 

Der Bebaungsplan muss geändert werden, da sich in den Randbereichen Abweichungen bei „nachbarlichen Belangen“ ergeben. Auch die Erschließung der fünf Grundstücke soll dabei neu geregelt werden. Diese ist geplant über die bisherige Grundstückszufahrt. Von dort soll die Privatstraße am oberen Rand des Grundstücks entlang laufen. Direkt darunter fächern sich dann die fünf Grundstücke mit tortenähnlichen Zuschnitten auf. 

„Die Grundstücke sind alle jeweils 800 bis 1 000 Quadratmeter groß“, erklärte Beßler, der insgesamt rund 1,2 Mio. Euro investieren wird, um das Gelände zu erschließen und bebaubar zu machen. Geplant sind fünf Wohnhäuser mit zwei Vollgeschossen zuzüglich einem Staffelgeschoss. Die Investitionskosten für den Abriss, den Straßenneubau, die Terrassierung und Erschließung werden umgelegt auf den Grundstückspreis, der dadurch um einiges höher ausfällt als sonst in Plettenberg. 

„Wir rechnen mit 250 Euro pro Quadratmeter“, sagt Beßler, der vergleichbare Preise auch im „Menschel-Quartier“ an der Rittershausstraße aufrief. Am 13. Oktober werde er seine Planungen in der Villa am Brachtweg 58 interessierten Häuslebauern präsentieren. Und von denen gibt es laut Beßler bereits einige, die die Grundstücke möglicherweise schon Mitte 2018 ganz nach ihren eigenen Vorstellungen bebauen können. 

Bürgermeister Ulrich Schulte signalisierte im Gespräch mit der Heimatzeitung, dass aus Sicht der Verwaltung gegen das Vorhaben nichts einzuwenden sei, wenn die planungsrechtlichen Belange berücksichtigt würden. Zwar dürfte das neue Mini-Baugebiet die städtischen Bemühungen erschweren, die Bauplätze an der Nelly-Sachs-Straße und am Hilde-Domin-Weg zu verkaufen, doch das ist die Baustelle der Stadtverwaltung. „Grundsätzlich können wir es nur begrüßen, wenn hier neue Bauplätze ihre Käufer finden“, betonte Schulte.

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