„Werde gerne an Eiringhausen zurückdenken“

Bettina Diener auf dem Weg zur Pfarrerin

Vikarin Bettina Diener und Pfarrer Uwe Brühl
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Vikarin Bettina Diener und Pfarrer Uwe Brühl beim Pfingstgottesdienst am Bürgerhaus in Pasel.

Mit dem Freiluftgottesdienst zu Pfingsten am Bürgerhaus in Pasel hat sich Vikarin Bettina Diener von der Evangelischen Kirchengemeinde Eiringhausen verabschiedet, um ihre Ausbildung zur Pfarrerin in der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck (EKKW) abzuschließen.

Plettenberg - Bei ihrem Abschied machte Pfarrer Uwe Brühl deutlich, dass eine Ausbildung über die Grenzen von Landeskirchen hinweg keine Selbstverständlichkeit und in früheren Zeiten unmöglich gewesen sei. Weil Bettina Diener, die Evangelische Theologie an der Philipps-Universität Marburg studiert hat und ihre Ausbildung zur Pfarrerin am 1. September 2019 begann, aber mit ihrem Mann, Sohn und Tochter seit 2015 in Balve-Mellen wohnt, durfte sie als erste und bisher einzige Vikarin der EKKW den praktischen Teil ihrer Ausbildung in Eiringhausen absolvieren.

Wechsel der Landeskirche wird einfacher

Früher habe jede Landeskirche ihren eigenen Nachwuchs an Pfarrern ausgebildet, sagt Uwe Brühl. Schon seit einigen Jahren teilen sich aber beispielsweise die Evangelische Kirche im Rheinland, die Evangelische Kirche von Westfalen und die Reformierte Kirche ein Predigerseminar in Wuppertal. „Der Wechsel der ausbildenden Kirche dürfte deutlich einfacher geworden sein“, vermutet Pfarrer Brühl.

Die häufigere Variante sei die Absolvierung der kompletten Ausbildung (praktischer Teil in Gemeinde, Schule, Seelsorge und theoretischer Teil in einem Predigerseminar oder Studienseminar) in einer Gastkirche. Vikarin Diener ist insofern ein Sonderfall, als dass sie nur die praktischen Teile ihrer Ausbildung weitgehend in Westfalen absolvierte, sieht man von einem einwöchigen Gemeindewechsel in die kurhessische Kirche ab. Sämtliche Theoriephasen absolviert sie im Studienseminar Hofgeismar der EKKW oder im gemeinsamen Pädagogischen Institut der Kurhessischen und der hessen-nassauischen Kirche in Marburg.

Dauer der Ausbildung wird kürzer

„Die Ausbildungsstruktur gibt die EKKW vor. Dazu zählen der Zeitplan, inhaltliche Schwerpunkte und Formen sowie die Ausbildungsdauer“, sagt Brühl. Im Kurs, dem Bettina Diener angehört, umfasst die Ausbildungsphase 22 Monate. Für den Nachfolgekurs wurde die Dauer nach einer Reform auf 19 Monate verkürzt. In der Evangelischen Kirche von Westfalen dauert die praktische Ausbildungsphase, wie zu meiner Zeit, immer noch 30 Monate“, weiß Pfarrer Uwe Brühl.

Über ihre Zeit in Eiringhausen sprach Michael Jeide mit Vikarin Bettina Diener:

Ihr Vikariat fiel in eine Zeit, in der das Gemeindeleben coronabedingt über längere Zeiträume vielen Einschränkungen unterworfen war. Wie hat das gerade den praktischen Teil ihrer Ausbildung beeinflusst und welche Lösungen wurden gefunden, um dennoch mit der Gemeinde in Kontakt zu bleiben?

Mein Mentor Pfarrer Uwe Brühl und ich haben verschiedene Wege gefunden, um mit den Menschen aus der Kirchengemeinde in Kontakt zu bleiben. Selbstverständlich standen wir auch und besonders während der Pandemie für Seelsorgegespräche am Telefon oder über andere Kommunikationsmittel zur Verfügung.

Für die Konfi-Gruppen gab es zum Teil spezielle Telefonsprechzeiten und wir blieben auch über die sozialen Medien mit den Gruppen in Kontakt. Als die Konfirmation ausfallen musste, haben wir den Konfirmandinnen und Konfirmanden einen kleinen Gruß der Kirchengemeinde nach Hause gebracht. Mit den Konfis und anderen gemeindeinternen Gruppen fanden je nach Situation analoge Treffen mit Abstandsregeln statt oder auch Zoom-Konferenzen.

Geburtstags- und Jubiläumsbesuche wurden in der Regel. als Telefonanrufe durchgeführt. Im Krankenhaus und im Pflegeheim waren zuletzt – selbstverständlich mit Corona-Test – auch wieder Seelsorgebesuche möglich. In den Zeiten, in denen Präsenzgottesdienste ausfallen mussten, haben wir Lesepredigten und Gottesdienst-Podcasts vorbereitet und online gestellt.

An besonderen kirchlichen Feiertagen gab es zusätzlich noch verschiedene Angebote, wie die Weihnachten-to-go-Tasche oder die geöffnete Kirche mit Orgelspiel. Außerdem gab es Bildungsangebote über Zoom, wie z. B. einen Stimm- und Sprech-Workshop und einen Video-Schnitt-Kurs.

Da Sie bereits seit 2015 in der Region leben, kennen Sie den Sauerländer Menschenschlag ja schon seit einiger Zeit. Wie fühlten Sie sich in Eiringhausen aufgenommen und was nehmen Sie für die Zukunft aus der Gemeinde mit?

An meine Zeit in Eiringhausen werde ich sehr gerne zurückdenken. Zum einen fühlte ich mich durch meinen Mentor Pfarrer Uwe Brühl in der Ausbildung außerordentlich gut unterstützt und begleitet. Zum anderen habe ich die Eiringhausener als sehr sympathisch und wohlwollend wahrgenommen. Insgesamt habe ich mich sehr wohl gefühlt und komme immer wieder gerne zurück zu Besuch. Besonders hoffe ich bei der Konfirmation im September noch einmal dabei sein zu können.

Beim Pfingstgottesdienst in Pasel wurden schon Stimmen laut, Sie könnten ja die Nachfolge von Uwe Brühl antreten, wenn dieser 2028 in den Ruhestand tritt. Können Sie sich das vorstellen oder sehen Sie ihre Zukunft doch eher in der hessischen Kirche? Dann müssten Sie ja auch Balve wieder verlassen.

Meine Familie und ich haben uns besprochen und wir haben uns gemeinsam entschieden, dass jetzt die erste Priorität ist, dass ich eine Pfarrstelle finde, die zu mir passt und in der ich meine Gaben gut einsetzen und mich weiterentwickeln kann. Momentan sieht es so aus, dass diese Pfarrstelle zunächst nicht im Sauerland, sondern weiter weg liegen wird. Wir werden also wohl demnächst umziehen. Unser Haus in Balve-Mellen möchten wir behalten und in Zukunft vor allem als Ferienhaus nutzen. Die Möglichkeit der Nachfolge von Pfarrer Uwe Brühl ist aus meiner Sicht zwar nicht ausgeschlossen, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es mir nicht möglich, eine Aussage dazu zu treffen.

Wie setzt sich Ihre Ausbildung jetzt fort, wie schließt sie ab? Wann hoffen Sie, ihre erste Pfarrstelle antreten zu können?

Aktuell bin ich in der Phase, einen längeren Erfahrungsbericht zu schreiben, wobei eine Hälfte des Berichts den thematischen Schwerpunkt der Inszenierung von Kirchräumen hat. Die Innenraumbeleuchtung der Johannis-Kirche hat mich sehr beeindruckt und so möchte ich gerne dazu schreiben.

Anschließend werden wir Vikar/innen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck von Prälat Bernd Böttner über unseren Einsatzort im Probedienst informiert und es folgen noch einige Präsenzwochen in Hofgeismar. Anfang September finden die Prüfungen des zweiten theologischen Examens statt. Es folgt eine Phase der Vorbereitung auf den Probedienst, der im November beginnen wird. Am 24. Oktober ist die Ordination meines Vikariatskurses in der Stiftskirche in Kaufungen geplant.

Nachwuchs für den Pfarrberuf gesucht

2028 erreicht die Evangelische Kirche von Westfalen ein deutlicher Mangel von Pfarrerinnen und Pfarrer. Mit diesem Jahr gehen nach Erreichen der Altersgrenzen die beiden geburtenstärksten Jahrgänge in der westfälischen Pfarrerschaft (1961, 1962) in den Ruhestand. Trotz des Abbaus von Pfarrstellen, auch vor dem Hintergrund des Mitgliederschwunds in der Kirche, fehlen 2028 in Westfalen dann rund 150 Pfarrerinnen und Pfarrer. Ähnlich wie schon in der EKKW praktiziert, wird in Westfalen deshalb die Versorgung der Gemeinden durch sogenannte „interprofessionelle Teams“ angestrebt. In Interprofessionellen Teams teilen sich Pfarrerinnen und Pfarrer Aufgaben mit Gemeindepädagog/innen und Diakon/innen. Dieses Thema beschäftigte auch die vom 30. Mai bis 2. Juni digital tagende Landessynode der westfälischen Kirche.

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