Den Unternehmen fehlt in Zeiten des Coronavirus die Schule

Viele Firmen haben Probleme bei der Suche nach Azubis - aber nicht alle

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Plettenberg - Die Coronakrise belastet derzeit viele Unternehmen - nicht nur, weil einige mit Auftragsrückgängen zu kämpfen haben, sondern auch, weil es schwierig geworden ist, Auszubildende zu finden. Drei Beispiele aus Plettenberg und Herscheid zeigen, wie sich die Situation vor Ort darstellt.

Zwei Auszubildende zum Stanz- und Umformtechniker sollten in diesem Jahr eingestellt werden. So war der Plan bei der Firma Teckentrup aus Herscheid. Status: Es sieht schlecht aus.

Die Firma F.W. Meier aus Plettenberg sucht für 2020 drei Lehrlinge für die Berufe des Maurers oder des Stahl- und Betonbauers, gerne auch mit dualem Studium. Status: Es gibt bis jetzt keine einzige Bewerbung.

Das sind nur zwei Beispiele aus dem Verbreitungsgebiet, die zeigen, wie schwierig es derzeit für viele Unternehmen ist, Auszubildende zu finden. Die Gründe liegen unter anderem in der Coronakrise.

Beim Automobilzulieferer Teckentrup (255 Mitarbeiter, 12 Auszubildende) zum Beispiel ist es so, dass die Ausbildungsplätze fast immer mit einem Praktikum verbunden sind. „Man kann sich über alles informieren, aber das geschriebene Wort ist keine Praxis“, weiß die Ausbildungsbeauftragte Claire Liszon-Kaminski um die Bedeutung der Schnuppertage, in denen sowohl die Firmen, als auch die Schüler Einblicke bekommen, wie sich das Gegenüber im Arbeitsalltag verhält und ob man sich wohlfühlt. Doch weil der Unterricht in den letzten Wochen wegen Corona ausgefallen ist, gab es auch keine Schüler-Praktikanten.

„Jetzt sitzen wir auf dem Trockenen“, sagt Claire Liszon-Kaminski mit Blick auf die beiden ausgeschriebenen Stanz- und Umformtechniker-Stellen, für die es auch keine passenden Bewerbungen gegeben hat. „Gott sei Dank haben wir vor der Krise noch zwei Werkzeugmacher-Azubis für den 1. August finden können.“

Noch schwieriger gestaltet sich die Suche für kleinere Unternehmen. Zwar zählt die Firma F.W. Meier aus Plettenberg 50 Mitarbeiter, doch als Handwerksbetrieb hat man es auf dem Ausbildungsmarkt ohnehin schwer – und jetzt kam auch noch Corona. „Es ist wirklich eine Katastrophe, wir haben keine einzige Bewerbung bekommen“, berichtet Anita Faber aus der Personalabteilung. Letztes Jahr hätte das Unternehmen noch vier Lehrlinge einstellen können, vor allem auch deshalb, weil die Werbung in den Schulen Früchte getragen habe. Aufgrund des coronabedingten, ausgesetzten Unterrichts war das diesmal nicht möglich – mit dem Resultat, dass es keine Bewerber gibt.

„Vielleicht haben wir Glück und es kommt noch etwas“, gibt Anita Faber die Hoffnung noch nicht auf. Sollten die drei ausgeschriebenen Stellen zum Maurer und Stahl- und Betonbauer unbesetzt bleiben, wäre das für den Moment kein Beinbruch, aber mit Blick auf die Zukunft dennoch besorgniserregend, denn: „Wir brauchen zwingend Nachwuchskräfte“, betont Anita Faber.

Coronavirus macht Firma Junior in Plettenberg wenig zu schaffen

Aber es gibt auch Unternehmen vor Ort, die keine Probleme mit der Besetzung der Ausbildungsstellen haben. Die Unternehmensgruppe Junior mit ihren Firmen MJ Gerüst und Kühlkörper und ihren insgesamt 400 Mitarbeitern und 18 Azubis sind dafür ein Beispiel. „Wir konnten alle acht Ausbildungsstellen besetzen“, berichtet Andy Rossbach, Marketing-Teamleiter bei der Firma Junior. Es kämen sogar immer noch neue Bewerbungen an.

Überhaupt sei Junior bisher gut durch die Coronakrise gekommen. „Bei beiden Firmen sind keine Umsatzrückgänge zu verzeichnen, wir sind so erfolgreich wie eh und je“, berichtet Rossbach. Im Zweifelsfall wolle man sogar noch einen zusätzlichen Werkzeugmacher-Azubis in diesem Sommer einstellen.

Info:

Zwar musste die Ausbildungsbörse in der Schützenhalle für dieses Jahr coronabedingt abgesagt werden, dafür ist jetzt die Broschüre mit einer Übersicht vieler Firmen in der Region und ihrem Ausbildungsangebot fertig.

„Da mit dem Ausfall der Ausbildungsbörse nicht automatisch auch die Berufswahl ausfällt, bedarf es eines anderen Mediums, um an möglichst viele Informationen über die heimische Arbeitswelt zu kommen. Dazu dient die vorliegende Ausbildungsbroschüre. Sie ersetzt zwar nicht das persönliche Gespräch mit Ausbildern oder Auszubildenden am Messestand, ist aber eine Basis, um das Ausbildungsangebot hier vor Ort kennen zu lernen und sich zielgerichtet weitere Informationen zu holen“, schreibt Bürgermeister Ulrich Schulte im Vorwort.

Die Broschüre ist jetzt in den Druck gegangen und soll zeitnah in den Schulen verteilt werden. Darüber hinaus steht sie im Internet im PDF-Format zur Ansicht bereit. Wer sie durchblättern möchte, kann sich hier zu der Broschüre klicken.

+++ Lesen Sie hier, wie sich das Coronavirus in Plettenberg und Herscheid entwickelt +++

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