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Vermisstensuche in Plettenberg: Ein „Seher“ bietet seine Hilfe an

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Von: Georg Dickopf

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Im Bereich rund um den Hemberg wurde der zweite vermisste Plettenberger, ein 39-Jähriger aus Ohle, der zuletzt an der Straße Ölmühle gesehen wurde,  am Donnerstag von einer Hundestaffel der Polizei gesucht. Bis zum  Abend aber ohne Ergebnis.
Im Bereich rund um den Hemberg wurde der zweite vermisste Plettenberger, ein 39-Jähriger aus Ohle, der zuletzt an der Straße Ölmühle gesehen wurde, am Donnerstag von einer Hundestaffel der Polizei gesucht. © Böhnisch

Eine großangelegte Vermisstensuche kommt in Plettenberg nur selten vor. Dass aber in einer kalten und regnerischen Nacht gleich zwei Plettenberger mit Verdacht auf Eigengefährdung als vermisst gemeldet werden, ist mehr als ungewöhnlich.

Plettenberg - Doch trotz einer aufwändigen Suche per Hubschrauber und Wärmebildkamera, mit Rettungshundestaffeln und diversen weiteren Einsatzkräften blieb die Suche nach dem 55-jährigen Dirk S. und dem 39-jährigen Sascha K. bis zum Abend erfolglos.

„Wir haben zahlreiche Hinweise bekommen, denen wir jetzt nachgehen“, betonte Lorenz Schlotmann, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Iserlohn. Die genannten möglichen Aufenthaltsorte der Vermissten würden nun untersucht. Eine Rettungshundestaffel war am Freitag nicht im Einsatz, auch weil konkrete Anhaltspunkte für eine Suche fehlten.

Selbsternannter „Seher“ schaltet sich ein

Michael Schneider meint, den Ort zu kennen. Der 51-Jährige nennt sich Seher und hat nach eigenen Angaben schon in zahlreichen Fällen bei der Vermisstensuche von Menschen und Tieren helfen können.

An die Polizei wandte er sich mit den folgenden Worten: „Ich habe studiert und war danach sieben Jahre Polizeireporter beim Fernsehen und arbeite seit 2006 ehrenamtlich und ohne Belohnungsabsicht erfolgreich in der Vermisstensuche von Menschen und Tieren als Seher.“ Gemäß seiner Eingebung, die er bei dem vermissten 55-jährigen Dirk S. verspürt habe, fand die bisherige Suche der Polizei auf der falschen Seite der L697 in Plettenberg statt.

Der Seher Michael Schneider - hier mit seinen Hirtenhunden - glaubt zu wissen, wo der 55-jährige Dirk S. aus Plettenberg zu finden ist.	Er hat in anderen Fällen bei Vermisstensuchen konkrete Hinweise zu Fundorten geben können.
Der Seher Michael Schneider - hier mit seinen Hirtenhunden - glaubt zu wissen, wo der 55-jährige Dirk S. aus Plettenberg zu finden ist. © Wanzek

Trotz der Gehbehinderung des Vermissten „würde ich es an Ihrer Stelle trotzdem unter anderem bitte auch mal im Bommecketal und seiner Umgebung versuchen“, schrieb er der Polizei. Michael Schneider sendete dazu auch eine genaue Koordinatenangabe.

Im Mordfall Perselli/Neumair, der sich im Januar 2021 in Bozen (Südtirol) ereignete, soll seine Angabe nur 500 Meter vom Fundort der gesuchten Personen entfernt gewesen sein. Bei einer vermissten Frau aus Padenstedt in Schleswig-Holstein nannte der selbsternannte Seher im Mai 2021 den Fundort.

„Ich kann jeden Skeptiker sehr gut verstehen, weil ich selber, wenn ich die Gabe nicht hätte, auch sehr skeptisch wäre“, sagte Schneider in einem Interview in der NDR-Sendung „Mein Nachmittag.“ Er habe Erfolge als Referenz, aber er habe auch Misserfolge gehabt. Er selbst sehe sich „als Gottes Lautsprecher“. Er sei im Grunde hellhörig und sehe keine Bilder, sondern höre eine innere Stimme. Und die habe ihm im Fall des vermissten Plettenbergers Sascha K. nichts gesagt, wohl aber bei Dirk S., den er im Bommecketal vermutet. „Ich würde mich freuen, wenn der Mann lebend wieder auftaucht“, sagte Schneider am Freitag gegenüber unserer Zeitung.

Der mögliche Aufenthaltsort des vermissten Plettenbergers Dirk S. liegt laut Michael Schneider im Bommecketal. Die Suche dort blieb bislang ergebnislos.
Der mögliche Aufenthaltsort des vermissten Plettenbergers Dirk S. liegt laut Michael Schneider im Bommecketal. Die Suche dort blieb bislang ergebnislos. © Google Maps

Innere Stimme lässt Finger über Karte wandern

Seine innere Stimme würde etwas zu der vermissten Person sagen und sein Finger bleibe dann auf einer Karte an einer bestimmten Stelle stehen. Dass ihm mit überaus großer Skepsis begegnet werde, sei für ihn nichts Ungewöhnliches.

Polizeisprecher Lorenz Schlotmann betonte auf Anfrage zum Hinweis des Sehers, dass man grundsätzlich alle Hinweise prüfe. Der mögliche Fundort sei auch an den Einsatzleiter weitergegeben worden. Allerdings habe man in der Nähe des betreffenden Gebietes schon einen Tag vorher mit Hunden gesucht.

Jäger beteiligen sich an Suchaktion

Am späten Nachmittag schalteten sich am Freitag noch ein Dutzend Jäger aus Plettenberg in die Suche ein, die der Hegering-Sprecher Philip Plassmann mit der Polizei abstimmte. Statt anzusitzen, durchkämmten die ortskundigen Jäger die jeweiligen Reviere mitsamt der Hochsitze und Jagdhütten. Auch den Bereich um den von Seher Michael Schneider genannten Aufenthaltsort im Bommecketal durchforsteten die Jäger.

„Genau dort fanden wir eine Aluleiter, die als Hochsitz diente, aber ansonsten keine weiteren Spuren“, so Plassmann, der die Suche bei unwirtlichen Temperaturen in der Dunkelheit abbrach. „Wenn man um diese Jahreszeit verschwinden will, ist das im Wald problemlos möglich“, glaubt Plassmann. Von beiden Männern fehlte bis zum Freitagabend jede Spur.

Vor fast drei Jahren meldete sich im Fall eines Vermissten in Altena-Evingsen ebenfalls ein dubioser Seher zu Wort.

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