Aufprallsimulator: „Das passiert bei nur elf km/h?!“

Verkehrswacht zu Gast an der Lehrwerkstatt

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Aufprall: Die jungen Erwachsenen der Lehrwerkstatt wurden ordentlich in den Gurt gedrückt und das bei einer Geschwindigkeit von lediglich elf Kilometern die Stunde. 

Plettenberg - Die Sicherung löst sich; der Wagen rollt die Steigung hinunter. Dann knallt’s; die jungen Erwachsenen werden nach vorne geschleudert und mit Schwung in den Gurt gedrückt. Es zieht. Die Verkehrswacht war am Dienstag mit ihrem Aufprallsimulator an der Lehrwerkstatt zu Gast. Mit einer Geschwindigkeit von gerade einmal elf Kilometern die Stunde fuhr der Simulator. Man möchte gar nicht darüber nachdenken, was bei 100 Kilometern die Stunde passiert.

Im Schnitt ist bei jedem vierten Unfall im Kreis ein „junger Fahrer“ (bis 25 Jahre) beteiligt. Das war für die Verkehrswacht Lenne/Volme bereits zum zwölften Mal Anlass, in der Böddinghauser Lehrwerkstatt auf die Gefahren aufmerksam zu machen und die Auszubildenden für Unfälle zu sensibilisieren. Der Aufprallsimulator sorgte für Begeisterung aber auch für entsprechenden Respekt. 

Er verdeutlichte, wie wichtig es ist, richtig zu sitzen und sich anzuschnallen. Um zum Beispiel ein Brechen der Daumen durch den Schwung nach vorne beim Aufprall zu verhindern, mache die „Uhrzeit“ 15.40 am Lenkrad Sinn; zudem solle man die Daumen auf das Lenkrad auflegen und nicht in dieses reingreifen. „Diese Position ist gut; schießt der Airbag aus dem Lenkrad, kann man sich sonst Verbrennungen zuziehen“, erklärte Kerstin Weinlich von der Verkehrswacht. 

Starker Aufprall bei nur elf km/h 

Der Gurt solle zudem straff sein, während der Fahrt immer wieder nachgezogen werden und richtig sitzen. 

„Er muss passend eingestellt sein, damit er sich beim Unfall nicht in den Bauch schneidet“, sagte Weinlich. Heißt: Er muss zur Körpergröße passen und über die Schulter gelegt werden. Nach und nach konnten die Schüler am Dienstag mit dem Simulator die Steigung hinunter fahren. Das sorgte einerseits für einen Denkanstoß („Das passiert schon bei elf km/h?!“) und andererseits für das eine oder andere – zumindest für die Kollegen – witzige Erinnerungsvideo. Erhöhte Geschwindigkeit ist Unfallursache Nummer eins; aber auch das Fahren unter Alkohol oder Drogen fordert immer wieder Verletzte und Tote auf den Straßen. Dazu hatte die Verkehrswacht einen Test vorbereitet. 

Mit der Rauschbrille geradeaus gehen 

Ein Parcours musste mit einer Brille bewältigt werden, die den Einfluss von 0,8 und 1,3 Promille demonstrierte. 0,8 Promille sind im Schnitt keine zwei Flaschen Bier (0,5 Liter). Auch das Fangen von Bällen wurde mit simulierter Trunkenheit getestet – nicht immer konnte der Ball problemlos gefangen werden. Ein Reaktionstest mit einem digitalen Messgerät zur Ermittlung des persönlichen Anhaltewegs sorgte für Wettstreite unter den Auszubildenden: Wer ist schneller?

Es gab ein Bremspedal und ein grünes Licht, das nach einiger Zeit auf rot umsprang: dann musste reagiert werden. „0,3 Sekunden an dem Gerät ist ein guter Wert“, erklärte Dieter Richter, Vorsitzender der Verkehrswacht Lenne/Volme. Er machte aber auch klar: „Hier wartet man darauf, dass man bremsen muss. In Unfallsituationen ist das in der Regel nicht so und die Reaktion dauert länger.“ Einen ähnlichen, aber realitätsnäheren Test gab es in einem anderen Raum. 

Nachdem eine Geschwindigkeit ausgewählt worden war, wurde mit einem virtuellen Auto an einer Leinwand gefahren. Dort tauchte dann beispielsweise ein Traktor auf, und die Jugendlichen mussten entsprechend auf die Situation reagieren. 

Hunderte Verletzte allein in 2017 

Beim Autofahren spielt das Sehen natürlich auch eine entscheidende Rolle. Bei einem Sehtest konnten erste Schlüsse gezogen werden, ob die Fahrer eine Sehhilfe brauchen. 

Ein Blick auf die Statistik zeigt, warum das Angebot der Verkehrswacht Sinn macht: Unzureichende Fahrpraxis und Selbstüberschätzung sind die Ursache, dass Fahranfänger deutlich mehr Unfälle verursachen als andere Verkehrsteilnehmer. Im Kreis haben die jungen Erwachsenen einen Bevölkerungsanteil von knapp acht Prozent, verursachen aber circa jeden vierten Unfall. Im Jahr 2016 waren 483 „junge Erwachsene“ an Verkehrsunfällen beteiligt. Es verletzten sich 74 junge Erwachsene schwer, 301 leicht. Ähnlich sieht es auch im laufenden Jahr aus. Bisher sind 359 junge Erwachsenen an schweren Unfällen beteiligt gewesen; es gab ein Todesopfer. Am Nachmittag referierte ein Unfallopfer, das Familienmitglieder bei einem Unfall verloren hat, über das Thema „Unfall und seine Folgen.“ J jw

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