Immer mehr Eltern können Standort ihrer Kinder per GPS-Tracker ständig nachvollziehen

Verfolgung per Handy-Ortung: Das gläserne Kind

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Viele Eltern nutzen heutzutage sogenannte GPS-Tracker oder entsprechende Apps, um per Ortungsdienst ihr Kind zu verfolgen – ob auf dem Schulweg oder in der Freizeit. 

Plettenberg - „Mach mal eben Google-Maps an!“ Wo früher die gute, alte Straßenkarte gezückt wurde, gibt man heutzutage eine gesuchte Adresse schnell ins Smartphone ein und die nette, meistens etwas abgehackt sprechende Stimme der Navigations-App sagt dann den Weg voraus. Voraussetzung ist, dass die Ortungsdienste aktiviert sind, also das sogenannte GPS-Signal freigegeben wird. Heutzutage nutzen immer mehr Eltern auch diese Ortungsfunktion, um den Standort ihrer Kinder zu verfolgen – was für geteilte Meinungen sorgt.

Die Ortungsfunktion im Smartphone ermöglicht es uns, bestimmte Orte schnell und einfach ausfindig zu machen. Hat man keinerlei Ortskenntnis, zeigt einem das Smartphone mithilfe von bestimmten Navigations-Apps, die größtenteils sogar kostenfrei sind, den richtigen Weg an. Mittlerweile werden solche Ortungsfunktionen aber auch eingesetzt, um Personen oder Tiere zu verfolgen. Dazu verwenden Personen so genannte GPS-Tracker (Fährtensucher), die beispielsweise in den Schulranzen gepackt werden und den jeweiligen Aufenthaltsort des Ranzens per GPS (Global Positioning System=Positionsbestimmungssystem) zu einer entsprechenden Smartphone-App weiterleiten. Somit können Eltern ihre Kinder verfolgen, oder, je nachdem wie man es sieht, ihre Kinder „überwachen“. In den deutschen Großstädten ist es keine Seltenheit mehr, dass Kinder so ständig und überall verfolgt werden. Inwieweit Eltern dadurch die Persönlichkeitsrechte ihrer Sprösslinge einschränken – darüber wird fleißig diskutiert.

 An den Plettenberger Schulen ist der Trend, per GPS-Tracker seine Kinder zu verfolgen, noch nicht so wirklich angekommen. „Ich bin überzeugt davon, dass viele unserer Schüler so ein Teil bei sich tragen, sie selbst es aber vielleicht gar nicht wissen oder von ihren Eltern gesagt bekommen, sie sollen das niemandem erzählen“, so Gerhard Haas, Schulleiter der Hallenschule. Er selbst habe zwar schon von den modernen „Überwachungsmethoden“ von Kinder gehört, habe sich aber noch nicht wirklich ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt.

Der Schulleiter hält einen solchen Tracker für nicht unbedingt notwendig: „Die Kinder kennen ihre Abläufe und ihren Schulweg und gehen sowieso meistens zusammen“, glaubt Haas. Es sei noch nie einfach so ein Kind verschwunden. „Na klar kommt es mal vor, dass die Kinder nicht den direkten Weg nach Hause nehmen, einen Umweg über den Supermarkt nehmen oder zum Freund mit nach Hause gehen – dann kann man das aber meist in kürzester Zeit klären“, so Haas. Generell sei die Wahrscheinlichkeit, dass auf dem Schulweg etwas passieren könnte, eher gering sei. „Natürlich kann immer etwas passieren. Ich glaube aber nicht, dass es gefährlicher ist, als es vielleicht früher war. Deshalb glaube ich nicht, dass man sein Kind mit solch einem Tracker verfolgen muss“, so der Schulleiter. Dennoch müssten das Eltern für sich selbst entscheiden. Auch am Gymnasium sei der Trend nicht großartig verbreitet, zumindest laut Schulleiterin Elisabeth Minner: „Ich kann nicht sagen, wie viele Schüler solche Geräte tatsächlich nutzen. Dennoch müssen sich Eltern keine Gedanken machen, schließlich ist unser Sekretariat immer erreichbar, sollten die Eltern mal nicht wissen, ob das Kind noch in der Schule ist oder schon auf dem Heimweg. Außerdem können die Schüler auch vom Sekretariat aus ihre Eltern anrufen, falls sie sich verspäten sollten.“ Eine ähnliche Art der Standortverfolgung bieten entsprechende Apps, mit denen auch mehrere Personen gleichzeitig verfolgt werden können. Auf Apple-Geräten ist eine so genannte „Freunde-App“ schon vorinstalliert. Per App kann man sich mit Freunden oder Familienmitgliedern verbinden, um die jeweiligen Standorte zu verfolgen. Natürlich müssen die Teilnehmer durch Aktivierung ihrer Ortungsdienste zustimmen – es kann nicht einfach jemand ohne Zustimmung verfolgt werden. Häufig genutzt werden diese Apps von Sportlern, die alleine auf dem Weg sind, um in Gefahrensituationen schneller gefunden zu werden. Auch auf Großveranstaltungen kann solch eine App sinnvoll sein um sich wiederzufinden, sollte man sich verloren haben. Kay Hömberg, Vorsitzender der ASG-Schulpflegschaft und Vater von zwei Kindern (16 und 18 Jahre alt), nutzt so eine App. Er sei als aktiver Sportler erstmals beim P-Weg vor einigen Jahren auf diese Technik gestoßen. „Beim Radfahren kommt es immer wieder vor, dass man sich gegenseitig per App verfolgt. So kann beispielsweise auch im Notfall schneller geholfen werden“, erklärt Hömberg seine Intention der Nutzung. 

 Auch privat greife er auf diesen Service zurück: „Wir nutzen mit der ganzen Familie die „Freunde-App“. Damit kann jedes Familienmitglied auf seinem Smartphone sehen, wo die anderen gerade sind.“ Dadurch würden die Familienmitglieder seiner Meinung nach weniger „überwacht“, sondern man könne eher Vieles besser organisieren: „So weiß ich immer, wann wer nach Hause kommt oder wer gerade Zuhause ist, wenn ich nicht da bin“, so Hömberg. Er sehe viele Vorteile in der App. „Wir finden das bei uns in der Familie alle gut und fühlen uns auch nicht kontrolliert“, so Hömberg. Die App diene hauptsächlich der Sicherheit. Ob solche Apps notwendig sind oder nicht, müsse jeder für sich selbst entscheiden. Ob nun die Katze oder das Handy gesucht wird, man wissen möchte, wann sein Kind nach Hause kommt oder sich auf einem Festival aus den Augen verloren hat – heutzutage ist es nicht schwierig, sich oder jemand anderen aufzufinden – die Frage ist nur, ob man auch immer gefunden werden möchte.

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