110 Fälle im vergangenen Jahr, 40 Prozent unaufgeklärt

Verantwortliche nicht ermittelbar: Stadt verliert 25.000 Euro

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Plettenberg – 25.000 Euro Schaden sind der Stadt im Jahr 2019 entstanden. Der Grund: Ölspuren. 110 Mal musste die Feuerwehr wegen ausgelaufener Betriebsstoffe ausrücken. In 40 Prozent der Fälle konnte der Verursacher nicht ermittelt werden. Was dann folgt, ist ein Ärgernis.

Öl auf der Fahrbahn – das kommt auf den Plettenberger Straßen immer wieder vor. Generell gilt: Je mehr Verkehr durch die Stadt fließt, desto höher ist das Risiko für Ölspuren. Wie oft aber muss die Feuerwehr tatsächlich ausrücken? Was kostet das Ganze – und wer bezahlt es? Wir geben einen Überblick.

Wie häufig gibt es Ölspur-Alarm in Plettenberg?

2019 musste die Feuerwehr in Plettenberg 110 Mal ausrücken, um Ölspuren im Stadtgebiet zu beseitigen, gibt Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel an. Im Vergleich mit Werdohl oder Altena ist das außerordentlich häufig. In Werdohl rückte die Wehr 59 Mal aus, um Öl abzustreuen, in Altena sogar nur 44 Mal.

Gibt es Schwerpunkte in der Stadt?

„Die Schwerpunkte beziehen sich aus meiner Erfahrung insbesondere auf Straßen und Wege mit deutlichem Anstieg des Straßenniveaus“, sagt Feuerwehrsprecher Thomas Gritschke. Besonders ausgeprägt seien Ölspuren in Kurvenbereichen. „Weiterhin liegen die Schwerpunkte in den Bereichen von Industrie- oder Gewerbegebieten“, so Gritschke.

Gibt es Tageszeiten, zu denen Ölspuren vermehrt auftreten?

Ja. „Ölspuren fallen in der Regel bei Tageslicht auf“, so Gritschke. Auch Wetter und Jahreszeit seien entscheidende Faktoren für das Einsatzaufkommen. „Auf nassen Straßen verteilen sich Betriebsstoffe wie Diesel, Benzin oder Motoröl wesentlich schneller und fallen durch ihre bunt schillernde Oberfläche besser auf.“ 

Was die Verursacher angeht, so könne man feststellen, dass gerade stark genutzte Fahrzeuge, wie zum Beispiel Omnibusse, Lkw oder auch Müllwagen, für Ölspuren verantwortlich sind.

Wer entfernt das Öl wieder von der Straße?

Ob die Feuerwehr oder ein Reinigungsunternehmen eine Ölspur von der Straße entfernt, hängt davon ab, wie groß die verunreinigte Fläche und wie hartnäckig die Verschmutzung ist. Getriebeöl zum Beispiel zieht tief in die Straßenoberfläche ein und lässt sich schlechter binden als Kraftstoff oder Motoröl.

Wie läuft der Feuerwehreinsatz praktisch ab?

Die Feuerwehr verwendet für die Beseitigung von Ölspuren spezielles Bindemittel. Dabei handelt es sich um ein rotbraunes Granulat, das das Öl aufsaugt und anschließend entsorgt werden kann. 

„Stellt ein Fahrzeugführer fest, dass sein Fahrzeug Öl verliert oder dass sich bereits eine Ölspur auf der Fahrbahn befindet, sollte der Betroffene in ausreichender Entfernung vor Beginn der Spur ein Warndreieck aufstellen, um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen“, appelliert Spiegel und ergänzt, dass umgehend Polizei oder Feuerwehr informiert werden sollten. „Durch Ölspuren kann die Straßenoberfläche sehr glatt werden. Dieses gefährdet dann in besonderer Weise Motorradfahrer.“

Gibt es Spezialisten für besonders schwere Fälle?

Ja. Bei langen Ölspuren oder bei schlecht zu bindendem Öl werden Ordnungsamt und Feuerwehr von externen Reinigungsunternehmen unterstützt. So zum Beispiel von der Fachfirma Lobbe, mit der auch der Landesbetrieb Straßen.NRW zusammenarbeitet. Mit einem Spezialfahrzeug, dem sogenannten Thermoflächenreiniger, kann die Straße schnell und gründlich gereinigt werden.

350.000 Euro kostet das Spezialfahrzeug der Firma Lobbe. Es kommt bei besonders schweren Verschmutzungen der Straße zum Einsatz.

Das Fahrzeug gehört zur Flotte des Havariemanagements bei Lobbe, wie Unternehmenssprecherin Sabine Günther mitteilt. Gesäubert wird die Straße mit 80 Grad heißem Wasser, welches das Öl von der Fahrbahn lösen soll.

Das Spezialfahrzeug besitzt einen Wassertank, der rund 3000 Liter fasst. Nachdem das Wasser auf die Fahrbahn gesprüht wurde, wird das entstandene Wasser-Öl-Gemisch im selben Arbeitsgang wieder aufgesaugt. Bis zu 7000 Liter davon kann der Thermoflächenreiniger aufnehmen. 

Wer muss für den Einsatz zahlen?

Für die Reinigung der Fahrbahn ist der Verursacher der Verschmutzung verantwortlich. „Ein rechnerischer Durchschnittswert für die Absicherung und Beseitigung einer Ölspur liegt bei circa 500 Euro“, sagt Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel. Zum Vergleich: In der Nachbarstadt Altena kostet die Reinigung im Schnitt etwa das Dreifache.

Und wenn der Verursacher nicht gefunden wird?

Dann trägt die Allgemeinheit die Kosten. Entscheidend ist für diese Frage, wer Baulastträger einer Straße ist. Bei einer Landstraße ist es der Landesbetrieb Straßen.NRW. Ist die Stadt Baulastträger, trägt sie die Kosten. Von den 110 Ölspuren auf städtischen Straßen in 2019 konnten in etwa 40 Prozent der Fälle die Verursacher nicht ausfindig gemacht werden. Der Stadt sei dadurch ein Schaden von rund 25 000 Euro entstanden, sagt Spiegel. Eine Versicherung gegen diese Schäden gibt es nicht.

Habe ich als Verursacher auch eine Strafe zu befürchten?

Das Verschmutzen von Verkehrsflächen stellt eine Ordnungswidrigkeit dar – genauso übrigens wie das Nicht-Aufstellen eines Warndreiecks. Das Plettenberger Ordnungsamt sieht in der Regel aber davon ab, diese zusätzlich mit einem Bußgeld zu belegen. „Das sollte allerdings keinesfalls als Freibrief missverstanden werden“, betont Spiegel. In Extremfällen, etwa dann, wenn der Fahrer um ein Öl-Leck wisse, seine Fahrt aber trotzdem fortsetze und dadurch andere gefährde, könne er sich sogar strafbar machen. 

Wann hilft die Versicherung?

Eingereicht werden kann die Rechnung einer Straßenreinigung bei der Kfz-Haftpflichtversicherung. „Ölspuren sind versichert“, sagt der freie Versicherungsmakler Heinrich Hojda. Man dürfe aber nicht vergessen, dass der Versicherte eventuell in den Prozenten steige, also im Anschluss eine höhere Versicherungsgebühr zahlen müsse.

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