Unterwasser-Welt des NN-Theaters sorgt für stehende Ovationen

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Zu den Höhepunkten des Stücks gehörte die "Tierwelt" 20 000 Meilen unter dem Meer: Christine Per stellt hier eine Schildkröte dar.

Plettenberg - Einmal abtauchen“, hieß es am Donnerstagabend für die über 300 Zuschauer des NN-Theaters – und zwar exakt 20 000 Meilen unter das Meer. Der gleichnamige, rund 150 Jahre alte Jule-Verne-Klassiker diente den Schauspielern als Vorlage für ihr Stück, in das sie geschickt die Geschichte von Shakespeares „Der Sturm“ einflechteten.

Diese Mixtur ergab einen höchst amüsanten Theaterabend, den das Publikum mit stehenden Ovationen und reichlich Spenden bei der Hutsammlung belohnten.

Die Schauspieler des Kölner Theaters sind nicht nur Meister des Humors, sondern versetzen ihre Zuschauer auch immer wieder durch ihre ausgefeilten Kulissen ins Staunen. An diesem Donnerstag erinnert die Konstruktion auf den ersten Blick an ein Helikopter-Cockpit mit Propeller. Gleich zu Beginn schweben Michl Thorbecke und Christine Per an diesem propellerähnlichen, beweglichen Stahlträger über dem Boden und berichteten von einem Monster, das da draußen in der Tiefsee sein Unwesen treibe. Weitere kurze Sequenzen zum aktuellen Geschehen lassen das Publikum herzhaft lachen. „Erst versinkt die deutsche Nationalmannschaft in der Bedeutungslosigkeit, dann sinkt auch noch ein Schiff im Pazifik.“ Derweil habe der Anstieg des Meeresspiegels auch etwas Positives: „Holland ist weg.“

Noch aktueller sind die Ausführungen von Michl Thorbecke, als er erzählt, wie sich die Seefahrer auf die Suche nach dem Monster machen: „Der Wind stand gut – ähnlich wie heute. Doch dann zog ein Sturm auf – ähnlich wie heute.“

Das Bühnenbild, soeben noch dank eines gespannten Tuchs ein Segelschiff, verwandelt sich nach dem Schiffsunglück kurzerhand in das Cockpit des Unterseebootes Nautilus, in dem die Protagonisten wieder zu sich kommen und auf Kapitän Nemo treffen. Es folgt einer der Höhepunkte des Stücks, als Professor Aronnax (oder hieß er doch Professor Elmex, Aronal oder Parodontax!?) durch das Bullauge in die Tiefseewelt blickt. Er beobachtet Kofferfische (dargestellt von Irene Schwarz mit einem Koffer), eine Schildkröte (Christine Per mit Mütze und einem Regenschirm als Panzer) oder einen Raubfisch, der ziemlich gefräßig ist und sogar Kurs auf Keyboarder Bernd Kaftan nimmt. Der kann den Hai aber rechtzeitig abwehren, indem er das Titanic-Titellied „My heart will go on“ auflegt. Noch musikalischer wirds beim Mini-Konzert der vorbeiziehenden Trompetenfische.

Professor Aronnax’ kanadischer Kumpel, ebenfalls in der Nautilus gestrandet, hat nur leider ziemlich schnell die Nase voll von dem tristen Alltag 20 000 Meilen unter dem Meer und von Seegurke zur Vorspeise, Seegurke zum Hauptgang und Seegurke zum Dessert. „Ich brauche Fleisch“, wiederholt Irene Schwarz in dieser Männerrolle regelmäßig und leckt sich die Finger nach Bauchspeck, Steak und Co.. Kurze Zeit später wird er/sie aber selber die Unterwasserwelt bei einem Tauchgang kennenlernen. Die Umsetzung ist wieder mal grandios: Mit Maske und Taucherflossen hängt Irene Schwarz an dem Stahlträger; „Platsch!“, Lichtwechsel, blubbernde Wassergeräusche, und schon ist sie abgetaucht. Dafür gibt es Szenenapplaus.

Und dann ist da noch die köstliche Szene mit dem Luftgeist Ariel, der der Nautilus-Besatzung Ariel, also das Waschmittel, einimpft, was zur Folge hat, dass sich alle gegenseitig anhimmeln. Diese Anbandelungen gehen dann aber so weit, dass Ariel fürchtet: „Wenn ich das nicht in den Griff bekomme, artet das zu einer Orgie aus. Und in dieser Schützenhalle gab es doch sicher schon ewig keine Orgie mehr.“ Das Publikum kommt aus dem Lachen fast nicht mehr heraus.

Natürlich spart das NN-Theater nicht mit dem moralischen Zeigefinger, denn „Nachdenken tut Jute“. Müssen Ressourcen wie Öl und Gas auch bis in die letzten Ritzen des blauen Planeten gefördert werden? Warum braucht der Mensch für jeden Mist eine Plastiktüte? Ist unser Universum womöglich nur so groß wie eine Nussschale? „Die Welt ist immer nur das kleine Stückchen Erde unter eurem nächsten Schritt“, gaben die Schauspieler den Gästen mit.

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