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Unternehmensgruppe mit Werken in Plettenberg und Altena expandiert in Bulgarien: „Kein zweites Kostal“

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Von: Georg Dickopf

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Vorne rechts sieht man beim Plettenberger Nedschroef-Werk das jüngst errichtete Logistikzentrum. Aus dem Werk sollen vorerst keine Maschinen nach Bulgarien verlagert werden.
Vorne rechts sieht man beim Plettenberger Nedschroef-Werk das jüngst errichtete Logistikzentrum. Aus dem Werk sollen vorerst keine Maschinen nach Bulgarien verlagert werden. © Tim Ihne Mediaproduction

Kommt nach der Schließung der Kostal-Werke nun der nächste Schock bei der Nedschroef-Gruppe? Der Vorstand und die Geschäftsführer aus Plettenberg und Altena beantworteten offen alle Fragen zu den Expansionsplänen in Bulgarien.

Plettenberg/Altena – Es sind keine leichten Zeiten für die heimische Industrie. Die mit dem Ukraine-Krieg explodierten Energiekosten, der Facharbeitermangel, der durch die A45-Sperrung befeuert wird, sowie die gestiegenen Lohnkosten sind nur drei Punkte, die auch bei der Nedschroef-Gruppe für Zukunftsüberlegungen gesorgt haben. Und die sehen bei dem niederländischen Unternehmen mit Standorten in Plettenberg, Altena, Schrozberg und dem Saarland eine Expansion in Bulgarien vor, genauer gesagt in Stara Sagora, gut 2000 Kilometer entfernt von den Nedschroef-Werken in Altena und Plettenberg.

Nach Anfrage unserer Zeitung luden Jürgen Staritz und Jan Seiler, Geschäftsführer der Nedschroef-Werke in Plettenberg und Altena, gemeinsam mit dem Vorstandsmitglied Thorsten Niggemann zu einem Pressegespräch ein.

Das Nedschroef-Werk an der Westiger Straße soll möglicherweise einige Maschinen abgeben, die dann im geplanten Werk in Bulgarien laufen sollen. Ungeachtet dessen ist in Altena noch in diesem Jahr die Anlieferung eines großen neuen Härteofens geplant.
Das Nedschroef-Werk an der Westiger Straße soll möglicherweise einige Maschinen abgeben, die dann im geplanten Werk in Bulgarien laufen sollen. Ungeachtet dessen ist in Altena noch in diesem Jahr die Anlieferung eines großen neuen Härteofens geplant. © Heyn, Volker

Und dabei stellte der aus Neuenrade stammende Niggemann eines sofort klar. „Es gibt hier kein zweites Kostal.“

Sprich: Die Standorte in Deutschland sollen anders als bei Kostal keineswegs geschlossen werden. Stattdessen sollen Maschinen für einfache Umformprodukte nach Osteuropa verlagert werden.

Keine Maschinen aus Plettenberg

Aus Plettenberg ist bislang gar kein Abzug von Maschinen geplant, wohl aber aus Altena. „Das sind Maschinen, die bei uns nicht ausgelastet sind, weil wir hier keinen wettbewerbsfähigen Preis anbieten können“, sagt Jan Seiler. Betroffen seien sieben Prozent des Maschinenparks.

Der Nedschroef-Sitz in Plettenberg.
Der Nedschroef-Sitz in Plettenberg. © Dickopf, Georg

„Die Mitarbeiter dort müssen keine Angst haben, denn unter den aktuellen Konjunkturprognosen sind Entlassungen oder Standortschließungen nicht geplant“, betonte Niggemann. Vielmehr wolle man die Auszubildenden und Facharbeiter weiterbilden und qualifizieren, damit diese die komplexeren und anspruchsvolleren Umformmaschinen bedienen können.

Niedrige Lohnnebenkosten

„Das in Bulgarien mit einfachen Produkten und niedrigen Lohnkosten erwirtschaftete Geld bleibt in der Gruppe und stärkt auch unsere Werke in Deutschland“, glaubt das Vorstandsmitglied, das auf Nachfrage verriet, was ein bulgarischer Facharbeiter verdient. „Mit Lohnnebenkosten rund 15 000 Euro im Jahr. In Deutschland sind es rund 65 000 Euro.“ Zudem profitiere man in Bulgarien von niedrigeren Energie- und Rohmaterialkosten.

Für den neuen Standort habe man bislang noch keinen Vertrag unterschrieben. Noch gibt es laut Niggemann zwei bis drei Optionen, doch schon in Kürze soll in der 130 000 Einwohner zählenden Stadt Stara Sagora ein bestehendes Werksgelände angemietet werden.

Startschuss noch in diesem Jahr

Und dort will die Ned-schroef-Gruppe noch in diesem Jahr Teile für den Automotive-Bereich produzieren, die dann in Plettenberg oder Altena weiterverarbeitet werden. Zum näheren Investitionsvolumen für die Expansion in Osteuropa gab es keine konkreten Angaben. Dieses liege aber unter zehn Millionen Euro. Produziert werden sollen in Bulgarien vor allem Artikel mit geringen Margen. Die Maschinen, die in den europäischen Werken nicht gut ausgelastet sind, sollen nach Bulgarien verlagert werden.

Nedschroef-Vorstandsmitglied Thorsten Niggemann (Mitte) mit Jan Seiler, Geschäftsführer Altena, und Jürgen Staritz, Geschäftsführer Plettenberg, stellten die Expansionspläne für Bulgarien vor.
Nedschroef-Vorstandsmitglied Thorsten Niggemann (Mitte) mit Jan Seiler, Geschäftsführer Altena, und Jürgen Staritz, Geschäftsführer Plettenberg, stellten die Expansionspläne für Bulgarien vor. © Dickopf

Die geplante Wachstumsstrategie könne man so umsetzen, hofft Niggemann, nach dessen Angaben der Vorstand in Abstimmung mit den jeweiligen Geschäftsführern der Standorte vor mehr als einem Jahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben habe. Dabei habe man verschiedene Standorte in Osteuropa untersucht und sich letztlich für Bulgarien entschieden. Über die Pläne seien der Betriebsrat und auch die Mitarbeiter bereits im Herbst vergangenen Jahres informiert worden. Neben den Kosten und den vorhandenen Ressourcen habe auch die CO2-Bilanz bei der Entscheidung für Bulgarien eine Rolle gespielt. „Es gibt eine klare Nachhaltigkeitspolitik und das Werk in Osteuropa wird nach europäischen Standards geführt“, sagte Jürgen Staritz.

Der Hersteller von Verbindungselementen wie Schrauber und Muttern (M3 bis M30) plant trotz der Expansion in Osteuropa keine Entlassungen. Denkbar sei aber eine sozialvertragliche Personalplanung. Dass man ungeachtet der Planungen für Bulgarien an allen europäischen Standorten festhalten will, zeigen die Investitionen der vergangenen Jahre. „Wir haben an beiden Standorten zusammen seit 2018 rund 15 Millionen Euro investiert“, betonte der Neuenrader Thorsten Niggemann. Während in Plettenberg in 2019/2020 eine neue Logistikhalle errichtet wurde (neun Millionen Euro) und im vergangenen Jahr eine neue NC-Maschine gekauft wurde, wartet Jan Seiler in Altena auf die Lieferung eines 2,5 Millionen Euro teuren Härteofens sowie zweier Umformpressen (Gesamtwert 3,5 Millionen Euro).

Rund 2000 Kilometer liegen zwischen Plettenberg und dem geplanten neuen Nedschroef-Standort. Quelle: Google
Rund 2000 Kilometer liegen zwischen Plettenberg und dem geplanten neuen Nedschroef-Standort. Quelle: Google © Dickopf, Georg

Neuer Härteofen für Altena

Ungeachtet dessen laufe die Suche nach Facharbeitern und Auszubildenden weiter.

Zu Wochenbeginn wurde eine weitere Machbarkeitsstudie erörtert, bei der es um die Installation von PV-Anlagen in Europa ging. Zudem soll die Zusammenarbeit zwischen den Nedschroef-Werken Plettenberg und Altena weiter ausgebaut werden. Bereits heute lernen die Azubis in beiden Werken, es gibt eine gemeinsame IT-Abteilung und Personalentwicklung und auch bei Arbeitssicherheit und dem Kontinuierlichen Verbesserungsprozess arbeitetet man zusammen.

Bekannt gegeben wurde die Entscheidung am 8. November bei einer Betriebsversammlung. Zur Frage eines Mitarbeiters, ob seine Maschine bald in Bulgarien laufe, erklärte Jürgen Staritz, dass dies derzeit nicht geplant sei. Darüber hinaus gab es auf Nachfrage unserer Zeitung keine Stellungnahme der Betriebsratsvorsitzenden.

Das sagt der Betriebsrat in Altena

Deutlich gesprächiger war Oliver Pomerhans, Betriebsratsvorsitzender in Altena.

„Wir stehen bei dem Thema in engem Kontakt mit der Geschäftsführung und sind soweit informiert. Alles andere müssen wir auf uns zukommen lassen, denn es ist ja noch nichts in trockenen Tüchern“, so Pomerhans.

Dennoch, so der Betriebsratsvorsitzende, müsse man die Vorgänge „mit Vorsicht genießen“, zumal noch nicht ganz klar sei, welche Maschinen möglicherweise verlagert würden.

„Uns wurde von der Geschäftsführung erklärt, dass es hier kein zweites Kostal geben wird“, betonte Pomerhans abschließend.

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