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Unternehmen reagiert auf Krieg: „Russland bekommt keine Aufträge mehr“

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Von: Georg Dickopf

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Ende: Gewalzten und geschmiedeten Stabstahl bezieht die Westfälische Stahlgesellschaft mit sofortiger Wirkung vorerst nicht mehr aus Russland und Belarus.
Ende: Gewalzten und geschmiedeten Stabstahl bezieht die Westfälische Stahlgesellschaft mit sofortiger Wirkung vorerst nicht mehr aus Russland und Belarus. © WS

 Seit Donnerstagmorgen ist der Krieg in der Ukraine Wirklichkeit geworden. Die russischen Truppen greifen unter anderem von Russland und von Belarus aus die Ukraine an.

Plettenberg - Die Westfälische Stahlgesellschaft, die international mit Stahlprodukten handelt, hat Geschäfts- und Handelsbeziehungen mit Stahlwerken in Russland und Belarus. Doch am Donnerstagmorgen, nur wenige Stunden nach dem Kriegsbeginn, wurde ein Beschluss gefasst, über den Georg Dickopf am gleichen Tag mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Markus Krummenerl sprach.

Herr Dr. Krummenerl, die Ukraine ist jetzt Kriegsgebiet. Was sagen Sie zu der Entwicklung dort?

Das ist für uns ein ganz aktuelles Thema, das ja schon länger schwelt, aber am Montag sind der Weltöffentlichkeit die Augen geöffnet worden. Mit wem wir es da im Kreml zu tun haben, weiß man spätestens seit Donnerstag.

Wie wirkt sich der Kriegsbeginn auf Ihr Unternehmen aus?

Russland ist für uns ein Partner zur Beschaffung von Stahl. Wir kaufen dort in einigen Werken Stahl. Und ich erweitere den Kreis auch auf Belarus, denn auch dort haben wir Lieferanten sitzen.

Wie gehen Sie mit den Lieferanten jetzt um?

Wir haben beschlossen – auch wenn es zu eigenen wirtschaftlichen Lasten führt –, dass wir mit sofortiger Wirkung auch offene Bestellungen mit den russischen Werken stornieren. Wir wollen die meist staatlich betriebenen Werke und damit die Staatskasse von Russland nicht unterstützen.

Wie muss man sich diese Sanktionen vorstellen?

Wir haben mit unserem Zentraleinkauf analysiert, welche Geschäftsbeziehungen wir dort haben, und kommen jetzt den vermeintlichen Sanktionen zuvor, denn wir können nicht so weitermachen, als ob nichts passiert wäre.

Haben Sie das schon mit Kunden besprochen?

Ja, gerade eben erst habe ich einem großen Kunden im Süden gesagt: „Seht es uns nach, aber diese Versorgung über das Werk stoppen wir jetzt.“ Ich bat sie um eine alternative Versorgung, auch wenn die nicht zwingend über uns laufen wird. Das ist zumindest unser kleiner Beitrag, das Vorgehen der Russen in der Ukraine zu sanktionieren.

Das ist mal eine klare Linie. Was sind das für Produkte, die von dort kommen?

Unsere Blankstahlproduktion in Plettenberg bekommt kein Rohmaterial aus Russland. Bei den Produkten geht es um Handelsprodukte. Das sind gewalzte Stabstähle und manchmal auch Blankstahl, den wir fix und fertig in großen Partien dort einkaufen und es hier dann in kleineren Losen weiterverkaufen.

Wie hat eigentlich der Kunde in Süddeutschland reagiert?

Der sagte interessanterweise: „Herr Krummenerl, wenn Sie nicht angerufen hätten, hätten wir es getan.“

Also kann man erwarten, dass die Kunden jetzt verstärkt darauf achten, dass „Made in Russia“ ein No-Go ist?

Ich denke ja, kann da aber nicht für alle sprechen und auch nicht für unsere Kunden. Aber ich könnte mir bei den inhabergeführten Unternehmen vorstellen, dass die einen ähnlichen Weg gehen. Wir haben ja auch noch eine andere Verantwortung, als Geld zu verdienen. Plötzlich denkt man auch mal wieder über andere Werte nach. Jetzt müssen wir auch mal unseren Teil beitragen, auch wenn es gegen das Portemonnaie geht.

Was bedeutet das konkret?

Wir stornieren bis auf weiteres Bestellungen in Russland, die ich jetzt irgendwo anders bestellen muss, was im Zweifel teurer wird.

„Wir haben am Donnerstag  beschlossen, dass wir mit sofortiger Wirkung auch offene Bestellungen mit den russischen Werken stornieren“, sagt Dr. Markus Krummenerl, geschäftsführender Gesellschafter der Westfälische Stahlgesellschaft.
„Wir haben am Donnerstag beschlossen, dass wir mit sofortiger Wirkung auch offene Bestellungen mit den russischen Werken stornieren“, sagt Dr. Markus Krummenerl, geschäftsführender Gesellschafter der Westfälische Stahlgesellschaft. © WS

Aber dem Kunden können Sie das nicht weitergeben?

Das kommt darauf an, aber wenn es ein fixer Liefervertrag ist, kann der Kunde auf die Einhaltung unter den ausgemachten Konditionen pochen. Wir bestellen ja auch für unser Lager und da fällt es natürlich leichter. Umgekehrt muss ich auch sagen, dass auf dem Weg befindliche Waren nicht von uns gestoppt werden.

Und der Russenstahl im Lager wird auch veräußert?

Ja. Aber es kommt ab heute kaum noch neuer Stahl von dort mehr hinzu. So haben wir es geplant und dafür heute das Stoppsignal gegeben.

Wie kommunizieren Sie mit den Russen?

Die Mails gehen heute im Laufe des Tages an die deutschen Vertriebsniederlassungen der russischen Stahlwerke raus. Wir machen es erst mal so, dass wir die Bestellungen stornieren. Wir nennen dabei nicht unsere Gründe, denn das können die Verantwortlichen sich wahrscheinlich denken. Ich gehe davon aus, dass wir demnächst sowieso Beschränkungen in der Warenwirtschaft mit Russland bekommen.

Sind Sie mit Ihrem Vorgehen ein Einzelfall?

Nein, glücklicherweise sind wir mit unserer Entscheidung nicht ganz allein und das ist ein gutes Gefühl.

Die meisten werden aber wahrscheinlich nur die Russen sanktionieren...

Das mag sein, aber wir haben Belarus gleich mitsanktioniert, denn das sind die Vasallen Putins. Gerade da gibt es ein großes Stahlwerk, das komplett staatlich ist und da sehe ich nicht ein, dass die noch einen einzigen Euro von uns bekommen.

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