Wir haben nachgefragt

Unsicherheit bei Verbrauchern: Wie hoch wird die Gasrechnung demnächst sein?

Gaskunden müssen demnächst bei den heimischen Stadtwerken rund 10 bis 15 Prozent mehr bezahlen.
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Gaskunden müssen demnächst bei den heimischen Stadtwerken rund 10 bis 15 Prozent mehr bezahlen.

Wie hoch wird demnächst meine Gasrechnung ausfallen? Diese Fragen stellen sich vor dem nahenden Winter derzeit viele Kunden im Lennetal. Manchmal hilft ein Blicks ins Internet – könnte man zumindest meinen.

Wenn man beispielsweise die Webseite www.1-gasvergleich.de öffnet, wird einem eine Liste mit den für das Jahr 2022 geplanten Preiserhöhungen der Gasanbieter präsentiert. Die umfassende Liste führt nach Bundesländern geordnet auch die Stadtwerke Werdohl, Plettenberg und Altena auf.

Doch alle dort genannten Werte sind falsch, da die geplanten Erhöhungen bei allen drei Anbietern im Lennetal derzeit noch diskutiert werden.

„Die gesamte Liste ist Unsinn, weit weg von heute und vergleicht Äpfel mit Birnen“, ärgert sich der Plettenberger Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Uwe Allmann. „Es gibt bisher bei uns überhaupt keine Preiserhöhung. Wie diese Experten auf die Zahlen kommen, bleibt mir ein vollständiges Rätsel. Bei mir hat niemand nachgefragt oder angerufen und ich kenne die Zahl ja selbst noch nicht genau“, sagt Allmann, der knapp zwei Drittel der Plettenberger Stadtwerke-Kunden mit Langzeittarifen bis zum 31. Dezember 2022 beruhigen kann.

„Bei denen passiert überhaupt nichts. Rund 2 000 unserer Kunden müssen keinen Cent mehr bezahlen“, so Allmann.
Auch die sogenannten Grundpreise würden stabil bleiben. Die verbleibenden 35 Prozent der Kunden müssten allerdings mit Preisanpassungen rechnen.

Bei einem Verbrauch von 12 000 Kilowattstunden bleibe der Grundpreis gleich, der Arbeitspreis steige aber vermutlich um17 Prozent, wobei die Erhöhung der gesetzlichen Umlagen, Netzentgelte und die CO2-Steuer bereits eingerechnet seien. Im besagten Fall führe das zu jährlichen Mehrkosten von 180 Euro, was einer Gesamterhöhung von 15 Prozent entspreche. Diese nur von wenigen genutzten und jederzeit kündbaren Tarife seien vergleichsweise teuer. Man rate solchen Kunden in günstigere Jahres-Verträge zu wechseln. Mehrjahresverträge werde man aktuell nicht anbieten können – dazu seien die Preissprünge zu hoch.

Monatlich 10 bis 15 Euro mehr

Der Normalkunde ohne längere Vertragslaufzeit habe bisher rund 6,5 Cent Arbeitspreis bezahlt und müsse demnächst voraussichtlich zwischen 7,5 und 8 Cent zahlen. Bei einem Mittelwert von 7,75 Cent sorge das für voraussichtliche Jahreskosten (bei 12 000 kWh) von 1 058 statt 907 Euro (+151 Euro) was einer Erhöhung um 16 Prozent entspreche.
Lediglich einige wenige, sehr günstige Alttarife müssten höher angepasst werden.
Allmann muss sämtliche Anpassungen noch vom Aufsichtsrat absegnen lassen, ehe die Kunden bis spätestens Mitte November Post bekommen.

„In etwa werden die Gaskosten für die meisten Endkunden ohne Langzeitverträge um rund 15 Prozent steigen. Davon sind allerdings 3 bis 4 Prozent gesetzliche Erhöhungen, sodass unsere durchschnittliche Preissteigerung etwa 12 bis 13 Prozent sein wird“, so Allmann abschließend.

Bislang noch keine Erhöhung in Werdohl

Frank Schlutow, Geschäftsführer der Stadtwerke Werdohl, hat ebenfalls noch keine Preiserhöhungen bekannt gegeben. „Das ist alles noch in der Mache, soll aber zeitnah festgelegt werden“, so Schlutow.

Es sei allerdings keine Frage, dass man die Preise ab 2022 für alle 2 800 Kunden der Werdohler Stadtwerke erhöhen müsse. Dabei müsse man bedenken, dass man mit dem aktuellen Gaspreis auf Platz 1 bei besagtem Gasvergleich liege und bei 20 000 Kilowattstunden rund 500 Euro weniger als Vattenfall verlange. „Demnach dürften wir also selbst nach einer Preiserhöhung von 10 bis 16 Prozent ebenso wie Plettenberg noch immer zu den günstigsten Anbietern zählen“, glaubt Schlutow.

Gasmarkt derzeit unberechenbar

Ungeachtet dessen sei der gesamte Gasmarkt derzeit unberechenbar. „Wenn jetzt ein arktischer Winter vorausgesagt wird, schnellt der Gaspreis noch weiter hoch“, glaubt Schlutow. Noch dazu habe Großanbieter EON den Stadtwerken als Großanbieter das Gas abgedreht und sei auch aus dem Neukundengeschäft für Privatkunden ausgestiegen.

Doch die Stadtwerke auf der Lenneschiene seien mit einem langfristigen Gaseinkauf gut vorbereitet. Damit liege man zwar oft über dem gerade besten Marktpreis, die Kunden würden nun aber langfristig vom günstigen Durchschnittspreis profitieren. Alles in allem rechnet Schlutow mit einer Preiserhöhung von 10 Prozent + x, die bei den Werdohler Kunden bis Mitte November angekündigt werde. Die Kunden sollten sich auf monatliche Mehrkosten von 10 bis 15 Euro einstellen.

Mit welcher Preiserhöhung die Kunden der Stadtwerke Altena rechnen müssen, ließ der Altenaer Geschäftsführer Hendrik Voß urlaubsbedingt unbeantwortet. Vertriebsleiter Hendrik Siebecke gab aber zu verstehen, dass die im Vergleichsportal veröffentlichte Erhöhung aus der Luft gegriffen sei. „Dass wir auch von einer Bezugskostensteigerung betroffen sind, ist kein Geheimnis“, erklärte Siebecke, der nicht ausschließen konnte, dass die Erhöhung ähnlich ausfalle wie in Plettenberg und Werdohl. Fakt sei, dass man teurer werde. Wie viel genau, werde in den nächsten Tagen festgelegt.

Die Nachrodter Kunden wissen jetzt schon, was auf sie zukommt: Die Stadtwerke Iserlohn als dortiger Grundversorger erhöhten am 1. Oktober ihren Gaspreis um etwa sechs Prozent.

Wie das Portal www.1-gasvergleich.de zu den Zahlen kommt, die kein Anbieter im Lennetal bestätigen konnte, wollten wir von der zuständigen Stelle in Berlin wissen. Wie Redaktionsassistentin Mandy Neubauer mitteilte, habe man die Daten übernommen aus einer Veröffentlichung der Check24 AG, die wiederum ihre Daten von der Get AG beziehe.
„Die Preiserhöhungen wurden über das gesamte Jahr 2021 vorgenommen, sodass viele bereits in der Vergangenheit liegen“, schrieb Neubauer abschließend.

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