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Unglaubliches Verhalten gegenüber Kinderarzt: Beleidigung und Bedrohung

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Von: Christos Christogeros

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Kindarzt Michael Achenbach und sein Team würden immer wieder beleidigt und bedroht, erklärt Bürgermeister Ulrich Schulte. Dabei arbeiteten Achenbach und seine Mitarbeiter bereits an der Belastungsgrenze – oder sogar schon darüber hinaus.
Kindarzt Michael Achenbach und sein Team würden immer wieder beleidigt und bedroht, erklärt Bürgermeister Ulrich Schulte. Dabei arbeiteten Achenbach und seine Mitarbeiter bereits an der Belastungsgrenze – oder sogar schon darüber hinaus. © Dickopf, Georg

Zu wenige Kollegen in der nahen Umgebung und eine Grippewelle, die es in diesem Jahr in sich hat: Die Belastung des Plettenberger Kinder- und Jugendarztes Michael Achenbach sei mittlerweile extrem hoch. Doch offenbar bereitet nicht nur das hohe Aufkommen kleiner Patienten Sorge.

Plettenberg -  Wie Bürgermeister Ulrich Schulte erklärt, seien auch Beleidigungen und Bedrohungen in der Kinderarztpraxis keine Ausnahme mehr. Dies will das Stadtoberhaupt aus einem Telefonat mit Michael Achenbach erfahren haben – und appelliert nun eindringlich an die Bürger der Stadt.

„Die Schilderung der drohenden Überlastung umfasst leider nicht vollständig das alltägliche Geschehen in der Praxis und den dortigen Umgang mit dem Arzt und dem Personal“, erklärt Bürgermeister Ulrich Schulte. „Dies konnte ich aber in einem Telefonat mit Herrn Achenbach in Erfahrung bringen und es ist haarsträubend“.

Da sich Michael Achenbach und sein Team um eine Zahl kleiner Patienten kümmern muss, die einen „normalen“ Praxisalltag überschreite, komme es natürlich immer wieder auch zu Wartezeiten oder Terminabsagen – gerade dann, wenn Notfälle in der Praxis behandelt werden müssten. „Die Verärgerung darüber kann ich verstehen. Es geht schließlich um die eigenen Kinder“, erklärt das Stadtoberhaupt. „Trotzdem muss überlegt werden, wer diese Verärgerung zu spüren bekommen sollte“.

Bürgermeister Schulte berichtet von Beleidigungen und Bedrohungen, die das Team der Kinderarztpraxis zu hören bekommen würden. Solche verbalen Angriffe würden auch den Frust im Praxisteam erhöhen. „Negative Google- oder Facebookeinträge verringern unsere Chancen, überhaupt noch einen Arzt nach Plettenberg zu kriegen, denn potentielle Bewerber lesen solche Einträge auch und werden dadurch abgeschreckt“, erklärt Bürgermeister Schulte.

Michael Achenbach ist der letzte Kinder- und Jugendmediziner am Ort und darüber hinaus. „Genauso wie unsere Eltern das gute Porzellan mit dem Goldrand besonders pfleglich behandelt haben, sollten wir ihn und sein Praxisteam pfleglich behandeln“, fordert das Stadtoberhaupt. In der Praxis bestünde aus gutem Grund Maskenpflicht. „Nicht nur für Meier und Müller und nicht nur an ungeraden Tagen, sondern für alle jederzeit“. Diskussionen darüber belasteten das angespannte Personal nur zusätzlich.

Junge Ärzte wollen nicht aufs Land

Das Problem liege nicht in der Praxis selbst, sondern in den Rahmenbedingungen und der Schwierigkeit, Ärzte auf das Land zu locken. „Grundsätzlich ist es so, dass die Ausbildung von Ärzten allgemein und von Kinder- und Jugendmedizinern im Speziellen seit vielen Jahren vernachlässigt wird. Die Zahl der Studienplätze ist einfach zu gering, um den Nachwuchs heranzubilden, der aus dem Berufsleben ausscheidende Ärzte ersetzen könnte“, erklärt Schulte.

„Ob dahinter ein System steckt, um die medizinische Versorgung aus wirtschaftlichen Gründen zu zentralisieren oder ob es einfach Dummheit ist, vermag ich nicht zu sagen“. Fakt sei, dass der ländliche Raum diese Entwicklung als erstes ausbaden müsse, denn wenn überall Ärzte gesucht werden, sei die Großstadt verlockender als Kleinstädte im Sauerland. „Versuche von Herrn Achenbach und der Stadt, eine Nachfolge für Frau Dr. Tewes-Holtvoeth zu finden, verliefen daher leider erfolglos“, ergänzt der Bürgermeister.

Schwierig, weiteren Kinderarzt zu locken

Es würde weiterhin an mehreren Stellen versucht, die medizinische Versorgung zu verbessern, aber es bleibe schwierig. „Wenn Michael Achenbach aufgibt, wird es für uns hier zappenduster. Also halten Sie sich bitte an Anweisungen des Personals und äußern sie Kritik ruhig und sachlich. Denken Sie an das Porzellan mit Goldrand: Behandeln Sie ihn und das Team pfleglich, es gibt so schnell keinen Ersatz – wenn sich überhaupt jemand findet“, erklärt Schulte abschließend.

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