Ein Elfmeter mit dem Airbag - Unfallprävention in der Lehrwerkstatt

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Mit einem Gurtschlitten, den die Verkehrswacht Hagen bereitgestellt hatte, erfuhren die Auszubildenden der Lehrwerkstatt gestern, welche Kräfte bereits bei elf km/h wirken.

Plettenberg -  Sich im Auto anzuschnallen ist wichtig, selbst bei elf km/h – das erfuhren die Jugendlichen im ersten Ausbildungsjahr der Lehrwerkstatt gestern am eigenen Leib. Mit der Aktion „Junge Fahrer“, die von der Verkehrswacht im Märlischen Kreis Lenne/Volme durchgeführt wird, wurden ihnen die Folgen von Unfällen vor Augen geführt.

In einem Gurtschlitten sausen zwei der Jugendlichen auf das Ende zu. Der Aufprall lässt sie aus dem Sitz rutschen. Gut, dass sie richtig angeschnallt sind, denn sonst wären sie mit dem Kopf auf das Lenkrad aufgeschlagen und der Airbag hätte sie getroffen – „ein Elfmeter mit dem Airbag“ veranschaulicht Uli Schmitz. Die Auszubildenden schauen erstaunt, was für Kräfte wirken – und das bei gerade einmal elf km/h. „Und allein bei 50 km/h wirkt das siebenfache des eigenen Körpergewichtes“, erklärt Kerstin Schmitz.

Doch es reicht nicht nur, generell angeschnallt zu sein; der Gurt müsse auch richtig sitzen. Die Gürtelschnalle soll über dem Gurt liegen, damit diese bei einem Unfall nicht in den Bauchraum gezogen wird. Gegenstände wie ein Kugelschreiber sollten zudem während der Fahrt nicht in der Tasche aufbewahrt werden. „Es sollte möglichst wenig Kleidung zwischen dem Beckengurt und dem Körper sein, damit der Kurt eng am Körper anliegt“, erklären die Experten zum Thema Sicherheit.

Es ist bereits das 14. Mal, dass die Verkehrswacht diese Aktion durchführt. Ein Zeichen, dass die Veranstaltung großen Erfolg hat. Die Jugendlichen sollen sensibilisiert werden und über die Konsequenzen nachdenken, wie den Tod eines Freundes durch einen Unfall oder die eigene Invalidität. Körperliche Schäden könnten schließlich die Ausbildung gefährden und somit die Zukunft. Die Absicht des Aktionstages ist, zu bewirken, dass die Zahl der Unfälle gesenkt wird.

Mit der Rauschbrille war es gar nicht so einfach, die Linien zu treffen und schon gar nicht ohne zu torkeln.

Der Schlittengurt war nur eine von fünf Stationen. Bei einem Reaktionstest wurde verdeutlicht, welche Entfernung ein Autofahrer ungebremst bei Ablenkung und Unaufmerksamkeit zurücklegt und mit einem Fahrsimulator wurde die Reaktion in Gefahrensituationen getestet. Die Auszubildenden konnten zudem einen Sehtest machen und bei einer weiteren Station mit einer Rauschbrille einen Parcours bewältigen. Die Brille simulierte den Zustand bei 0,8 Promille. So waren die Reaktionen zum Beispiel verzögert, die Jugendlichen konnten die Linien des Parcours nicht mehr richtig sehen, machten Fehleinschätzungen oder sahen doppelt.

Zum Abschluss hörten die Auszubildenden einen Vortrag mit dem Titel „Ein Unfall und seine Folgen“. Der Referent Andreas Keilich war selbst ein Unfallopfer, wurde dadurch Invalide und verlor durch den Unfall Angehörige.

Ein Überblick über die Unfallzahlen

Unzureichende Fahrpraxis und Selbstüberschätzung sind die Ursachen, dass Fahranfänger deutlich mehr Unfälle verursachen als andere Verkehrsteilnehmer, informiert Dieter Richtiger von der Verkehrswacht im Märkischen Kreis Lenne/Volme. J 2017 seien 788 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren an Verkehrsunfällen beteiligt gewesen. Es verletzten sich in 2017 36 junge Erwachsene schwer (zwölf weniger als noch 2016) und 248 leicht (2016 waren es 258) und niemand der Altersgruppe tödlich. J Im ersten Halbjahr 2018 verursachten junge Erwachsene 1 047 Unfälle und damit jeden siebten im Märkischen Kreis. 122 Unfälle hatten Verletzungsfolgen, eine Fußgängerin wurde dabei getötet, 14 Personen wurden schwer und 149 leicht verletzt.

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