Holthauser Kinder werden wohl längerfristig ins Oestertal gefahren werden müssen

Teure Asbestentsorgung: Rascher Umbau wird nicht gelingen

Schulgebäude in Plettenberg-Holthausen
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Wann der Kindergarten in Holthausen wieder bezogen werden kann, steht noch in den Sternen.

Plettenberg – Es scheint, als würde aus der vorübergehenden Lösung eine längerfristige: Die Kinder aus Holthausen und dem Elsetal, die im Sommer dieses Jahres aus dem Kindergarten „Kunterbunt“ in die ehemalige Bonifatiuskirche im Oestertal umziehen mussten, werden dort wohl auch im Sommer 2021 in das neue Kindergartenjahr der Kita Holthausen starten. Denn ein rascher Umbau der Vier-Täler-Schule, in der neben dem Holthauser Kindergarten auch das Stadtarchiv und die VHS eine neue Heimat finden sollten, wird nicht gelingen.

Dort war vor Beginn der Umbauarbeiten weichgebundener Asbest in den Wänden gefunden worden, der nach Auskunft von Bürgermeister Ulrich Schulte „leider unsachgemäß mit der Raumluft in Kontakt gekommen ist.“ Dass dieser Fund den Umbau nicht gerade beschleunigen würde, war rasch klar, zumal die Stadt Plettenberg hierzu die Bezirksregierung in Arnsberg als zuständige Behörde mit ins Boot holen musste. „Mit der Bezirksregierung wurde daher besprochen, wie die weiteren Umbauarbeiten durchzuführen sind. Es war recht zeitintensiv, den Umfang der Maßnahmen festzulegen“, sagt Schulte.

Sanierung: Zwei Varianten

Auf Basis dieser Gespräche habe ein extern beauftragter Architekt mittlerweile zwei Varianten der Sanierung entwickelt und die Kosten dafür berechnet, heißt es aus dem Rathaus. Offensichtlich wird die Maßnahme alles andere als billig, denn laut Schulte überschreiten „beide Varianten die für dieses Projekt zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel“. Folglich sei eine Neuveranschlagung im kommenden Haushaltsplan erforderlich. Dieser wäre im Regelfall in der Sitzung am Dienstag dieser Woche vom Rat beschlossen worden, sodass die Stadtverwaltung tags darauf den betroffenen Eltern und der Öffentlichkeit die Mitteilung hätte geben können, welche Variante umgesetzt wird und wann mit einem Beginn der Sanierung zu rechnen sei.

Doch die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen haben den Zeitplan nun noch weiter verschoben. Viele Zahlen für den kommenden Haushaltsplan lägen noch nicht vor, so der Bürgermeister. Das Land NRW habe den Kommunen deshalb empfohlen, den Beschluss des Haushaltsplanes erst im Frühjahr zu fassen. Schulte: „Dem folgt die Stadt Plettenberg, sodass die Haushaltsplanberatungen mit den Fraktionen erst im Februar/März 2021 stattfinden werden.“

Daten werden erst dem Rat vorgestellt

Die für die Entscheidung, welche Variante der Sanierung in Holthausen angewendet werden soll, relevanten Daten sollen zunächst dem Rat und erst danach der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden. Nähere Informationen zu den baulichen Varianten und den jeweiligen Kosten waren deshalb aus dem Rathaus nicht zu erhalten.

Die beiden Varianten beziehen sich offenbar auf den Umgang mit dem gefundenen Asbest. Dabei stellt die vollständige Entsorgung des gesundheitlich bedenklichen Baustoffes, der zum Zeitpunkt des Baus der Vier-Täler-Schule Anfang der 60er Jahre in Gebäuden mit Stahlgerippe nicht unüblich war, die wesentlich teurere Lösung dar, die aber von den Eltern fraglos favorisiert werden dürfte.

„Kinder haben so wenig Priorität“

Ein Plettenberger Ehepaar (Name ist der Redaktion bekannt), dessen jüngerer Sohn Mitte November die Zusage für einen Kindergartenplatz in der Kita Holthausen ab Sommer 2021 erhalten hat, erkundigte sich bei der Stadtverwaltung daraufhin nach dem Sachstand des Umbaus der ehemaligen Vier-Täler-Schule. Die Eltern, deren älterer Sohn angehendes Vorschulkind ist, bemängelten in ihrem Schreiben, dass „seit dem 30. Juni keine konkreten Informationen mehr herausgegeben worden seien“, wann mit einer Rückkehr der Holthauser Kinder an den alten Standort gerechnet werden könne.

„Vielmehr schrieb mir Herr Schulte, dass nach dem großen Aufwand in St. Bonifatius nun erst einmal andere Bauprojekte Vorrang haben. Dass Kinder so wenig Priorität in dieser Stadt haben, ist in meinen Augen bedauerlich“, so die Mutter in ihrem Schreiben an die Verwaltung, das unserer Zeitung vorliegt.

„Dauerhafte Sicherheit“

Deutlich machte das Ehepaar, dass man mit dem Umzug ins Oestertal Kompromisse eingegangen sei, „weil wir sehen, dass es nicht anders möglich war. Die Lösung ist auch übergangsweise akzeptabel und wir haben uns arrangiert, das heißt aber nicht, dass die Situation problemlos ist und wir hier einen jahrelangen Dauerzustand wünschen.“

Ausdrücklich stellen die Eltern auch fest, dass die Mitarbeiter im Ausweichquartier des Kindergartens „sehr motiviert sind und einen guten Job machen.“ Was bleibt, ist der tägliche Aufwand für die Fahrten.

Auf Nachfrage hatte der Elternrat des Familienzentrums bereits am 9. November von Michael Schröder, Ansprechpartner für den Bereich Jugend und Familie im Rathaus, eine Antwort erhalten, die sich inhaltlich mit jener von Bürgermeister Schulte auf die Anfrage unserer Zeitung deckt („überplant der beauftragte Architekt die Umbaumaßnahmen und stellt neue Kostenberechnungen auf. Im Anschluss werden die neuen Pläne und Berechnungen im politischen Rahmen bewertet und neu beschlossen und anschließend baulich umgesetzt. Zur Zeit kann ein Zeitrahmen dafür noch nicht benannt werden.“).

Es war eine Antwort, die das betroffene Ehepaar nicht sonderlich zufriedenstellte, zumal Gerüchte im Umlauf seien, dass der Asbest „gar nicht ausgebaut, sondern nur abgedeckt“ werde, so die Mutter. „Damit würde ich mich sehr unwohl fühlen und wünsche mir für meine und auch alle anderen Kinder des Elsetals eine Lösung, bei der der Asbest entfernt wird, um einfach dauerhaft Sicherheit zu haben“, stellt sie unmissverständlich klar und fragt sich, „warum nicht komplett abgerissen und neu gebaut wird?“

Keine Lobby für die Kinder?

Inzwischen hat das Ehepaar alle Plettenberger Ratsfraktionen angeschrieben und darum gebeten „das Heft des Handelns an sich zu reißen und eine für die Holthauser Bürger akzeptable Lösung schnellstmöglich in die Wege zu leiten, damit das Provisorium/Übergangslösung in der ehemaligen Bonifatiuskirche für die Kinder und Eltern aus dem Elsetal möglichst bald Geschichte ist.“ Den Eltern missfällt, dass sich der Umbau in Holthausen nun wieder im Stand der Planung befinde, sie vermissen überdies eine Lobby für ihre Kinder.

Das sei im Sommer anders gewesen: „Da war erfreuliche Aktivität und Schnelligkeit bei der Umgestaltung von St. Bonifatius zu erkennen, nämlich als das Thema in der Öffentlichkeit war und die Wahl bevorstand.“

Viel Hoffnung auf eine schnelle Lösung konnte Bürgermeister Ulrich Schulte den Eltern aber nicht machen: „Eine Aufnahme Ihres Sohnes in eine fertiggestellte Kita Holthausen im Sommer 2021 sehe ich derzeit nicht.“

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