Wo das Pflegeheim am günstigsten ist

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Das derzeit günstigste Pflegeheim in Plettenberg ist das Seniorenzentrum des Radprax-Krankenhauses.

Etwa ein Viertel der Pflegebedürftigen im Märkischen Kreis lebt in einem Pflegeheim.  Heimbewohner oder ihre Angehörigen müssen für die Betreuung zum Teil erhebliche Eigenanteile aufbringen. Doch die Unterschiede beim Eigenanteil sind groß und bundesweit sehr unterschiedlich. Wir sagen, wie groß die Unterscheide allein in Plettenberg sind.

Plettenberg - Während der Bundesdurchschnitt bei knapp 1 900 Euro liegt, zahlt man im teuersten der drei Plettenberger Pflegeheime noch einmal fast 1000 Euro mehr. Im Märkischen Kreis liegen die Gesamtkosten, beispielsweise bei Pflegegrad 3, für ein Einzelzimmer im Durchschnitt bei rund 3 600 Euro monatlich. Abzüglich der Leistungen der Pflegeversicherung fallen rund 2 400 Euro als Eigenanteil an. Doch nur im Seniorenzentrum des Plettenberger Krankenhauses liegt der Eigenanteil mit 2 350 Euro knapp unter dem Landesdurchschnitt. 

Im Altenzentrum St. Josef werden rund 2 500 Euro fällig und in dem 2016 neu gebauten Matthias-Claudius-Haus fallen nach den Angaben des Märkischen Kreises sogar 2 863 Euro an. Und dennoch gibt es dort nach den Angaben von Einrichtungsleiterin Melanie Aderhold eine Warteliste mit 70 Anfragen. „Das heißt aber nicht, dass man hier anderthalb Jahre auf einen Platz warten muss“, sagt die Leiterin, die in dem komplett neu errichteten Haus des Perthes-Werkes je nach Verfügbarkeit auch Kurzzeitpflegeplätze anbietet. „Die Preise werden in Münster mit den Pflegekassen verhandelt – dass es sich um ein komplett neues Haus mit 69 Einzelzimmern handelt, fließt natürlich mit hinein in die Berechnungen“, so Aderhold. 

Elke Reperich, die Leitung des in Plettenberg günstigsten Pflegeheimes am Krankenhaus, freute sich über den „ersten Platz.“ Dennoch werde natürlich auch geschaut, wie die Preise bei der Konkurrenz sind und je nach den Verhandlungen mit den Pflegekassen angepasst. Die Warteliste dort umfasst gut 20 Personen, die sich für eines der 36 Einzelzimmer oder der zwölf Doppelzimmer bewerben. Platz 2 belegt das Altenzentrum St. Josef. „Wir haben 79 Einzelzimmer und 18 Doppelzimmer. Es gibt ganz viele, die sich schon frühzeitig anmelden mit dem Zustand dringlich oder vorsorglich“, so Pflegedienstleiterin Corinna Flüs zu der fast 200 Namen umfassenden Listen, die je nach Dringlichkeit und Reihenfolge abgearbeitet werde. Für die Kurzzeitpflege bietet man je nach Verfügbarkeit fünf Plätze. In Nordrhein-Westfalen setzen sich die Kosten für einen Aufenthalt in einem Pflegeheim aus den Kosten für Pflege und Betreuung, Unterkunft und Verpflegung, die Ausbildungsumlage und die Investitionskosten zusammen.

 Kosten für Pflege 

Die gesamten vollstationären Pflegeleistungen werden als „Pflegesatz“ zusammengefasst. Dieser umfasst sowohl die Grundpflege als auch die medizinische Behandlungspflege. Den Pflegesatz verhandeln die Kostenträger der Pflegekasse bzw. der Sozialhilfe mit den Pflegeheimen. „Anders als die gesetzliche Krankenversicherung, beruht die Pflegeversicherung in Deutschland auf dem sogenannten ,Teilkaskoprinzip’. Demnach übernimmt die Pflegekasse nur einen Teil der Kosten für die Pflege. Der Pflegebedürftige selbst zahlt einen Eigenanteil“, so Torsten Sauer, Sachgebietsleiter Gesundheits- und Pflegeplanung beim Märkischen Kreis. Seit Januar 2017 zahlt jeder Heimbewohner einen sogenannten einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (kurz: EEE) zu den Pflegekosten.

 „Diese gesetzlichen Änderungen sind aus Sicht des Kreises positiv zu bewerten, weil der einrichtungseinheitliche Anteil nicht mehr an den Pflegegrad gekoppelt ist, müssen Pflegebedürftige keine Mehrkosten befürchten, sollten sie einmal mehr Pflege benötigen“, erläutert Torsten Sauer von der Gesundheits- und Pflegeberatung des Kreises. Wie hoch dieser Eigenanteil ist, ist jedoch von Heim zu Heim verschieden. 

Kosten für Unterkunft 

Für die Unterkunft fallen Betriebskosten wie Heizung, Strom, Wasser und etwaige Wartungen/Reparaturen an. Für diesen Teil der Kosten ist der Heimbewohner selbst verantwortlich. Das gleiche gilt für Essen und Getränke. Diese Kosten sind – mit wenigen Ausnahmen – für alle Bewohner gleich, sie variieren aber von Heim zu Heim. Ausbildungsumlage Damit werden die Kosten finanziert, die bei der Vergütung von Auszubildenden in der Altenpflege und Altenpflegehilfe entstehen. 

Investitionskosten

 Bei den Investitionskosten zahlen Bewohner für den zur Verfügung gestellten Wohnraum und Möbel wie beispielsweise Bett, Tisch und Stühle. Dabei sind auch Instandhaltungskosten inbegriffen. Der jeweilige Betrag variiert je nach Lage, Ausstattung und Zustand der Einrichtung. Zur Deckung dieser Kosten können die Pflegeeinrichtungen in Nordrhein-Westfalen für ihre Heimbewohner, unter bestimmten Voraussetzungen, einen Zuschuss (Pflegewohngeld) beantragen.

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