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Kein „trockener Stoff“: Tragödie um Stadtbrand fesselt das Publikum (mit Galerie)

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Von: Hartmut Damschen

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Udo und Anne Weinbörner konnten das Publikum mit ihrer Lesung fesseln.
Udo und Anne Weinbörner konnten das Publikum mit ihrer Lesung fesseln. © Damschen

Eine der größten Tragödien der Stadtgeschichte: Der Brand von 1725, der einen Großteil der damaligen Stadt Plettenberg in Schutt und Asche gelegt hatte, hat die Entwicklung der Vier-Täler-Stadt maßgeblich beeinflusst. Und dabei handelt es sich keinesfalls um „trockenen“, historischen Stoff – denn hinter der Katastrophe verbergen sich menschliche Schicksale: der Kampf ums Überleben, das Ringen um das eigene Hab und Gut.

Plettenberg - Gerade diese menschlichen Schicksale lassen die Tragödie heute erst so richtig fassbar werden – besonders, wenn sie mitreißend präsentiert werden. So geschehen am Dienstag in der ASG-Aula: Udo Weinbörner und seine Frau Anne lasen aus dem Roman „Das Feuer, die Schuld und das Schweigen“.

Bürgermeister Ulrich Schulte stellte in seiner Begrüßung das Erscheinen des Romans und das diesjährige Jubiläum zur Verleihung der Stadtrechte vor 625 Jahren in eine Reihe einschneidender Ereignisse zur Vergangenheit unserer Heimatstadt. Selbstverständlich kommt auch ein Bürgermeister in der Schilderung der damaligen Ereignisse vor. Doch der heißt nicht Schulte, sondern Konrad von Hoeven. Er existierte tatsächlich und war nachweislich von 1722 bis 1725 erster Bürgermeister von Plettenberg, also auch zur Zeit des Stadtbrandes.

Er war es, der Vorschriften und Vorkehrungen in Plettenberg zur Brandbekämpfung durchsetzte. Doch was nützen solche Dinge, wenn keine Übungen stattfinden und Vorschriften im Fall des Falles nicht eingehalten werden. Grobe Nichtbeachtung von Bauvorschriften, keine Kontrolle und Ahndung von Bausünden und schließlich nur die Sorge um das eigene Eigentum ließ es zu der Feuersbrunst und zu keiner ordentlichen Brandbekämpfung kommen. Dass Interessengruppen, Ränkeschmiedereien, Unfähigkeiten, persönliche Vorteile und auch eine Liebschaft dem Roman Zündstoff und Farbe geben, ist den detailreichen Recherchen des Autors zu verdanken. Er verbindet Namen von damals und heute, Gebäude von einst, wie sie aus alten Stadtplänen bekannt sind, und Straßennamen von heute mit vergangenen Zeiten. Es tat sich für den Zuhörer eine andere Welt der Stadt Plettenberg auf, gab Einblick in den Alltag der Zeit und wie Menschen feierten und lebten.

Weinbörner sagte dazu: „Ortskenntnis führt nicht automatisch dazu, gute Bücher zu schreiben.“ Dazu gehört einiges mehr, wie er in dem Roman bewies. In dem Zusammenhang dankte er herzlich den vielen Menschen und ihren Quellen, aus denen er schöpfen konnte, und denen, die den Roman auch durch ihren Beistand erst ermöglicht hätten. Die Stadt Plettenberg und seine Frau (nach Aussage des Schriftstellers seine schärfste Kritikerin) spielten dabei eine wesentliche Rolle.

Anne Weinbörner ist ebenfalls Autorin und konnte unter dem Namen Anne Labus bereits mehrere Romane erfolgreich veröffentlichen. Udo Weinbörner teilte sich bei der Lesung mit seiner Frau viele Passagen. Abwechslungsreich, spannend und informativ, so wurden die über 70 Gäste bestens unterhalten.

Während der Pause gab es die Gelegenheit, mit dem Autor ein paar Worte zu wechseln oder das Buch über den Stand der Buchhandlung Plettendorff, wenn gewünscht auch mit einer Widmung Weinbörners versehen, zu erstehen.

Es sei eine besondere Kraftanstrengung für den Autor gewesen, der über sich selbst sagt: „Seit dem 49. Lebensjahr toure ich als Mr. Parkinson durch die Lande.“ Dem Hinweis auf sein Handycap folgte ein Lächeln – und Weinbörner gelang es, an diesem Abend bravourös dagegen anzukämpfen.

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