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Autowäsche im Winter zwecklos? Tüv räumt mit Winter-Mythen rund um den Pkw auf 

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Seit 2010 gilt auf den deutschen Straßen eine Winterreifenpflicht. Sie greift situativ, also witterungsabhängig.
Seit 2010 gilt auf den deutschen Straßen eine Winterreifenpflicht. Sie greift situativ, also witterungsabhängig. © TÜV NORD / MICHALPALKA

Glatte Straßen, verschneite Verkehrsschilder und vereiste Scheiben sind für so manche Autofahrer im Winter kein Vergnügen. Allerdings haben sich in den letzten Jahren auch viele Märchen rund um das Autofahren in den kalten Monaten verbreitet. Wolfgang Schmidt, Leiter der Tüv-Station Plettenberg, hat sich einige dieser Mythen näher angeschaut.

Lennetal – Vereiste und beschlagene Scheiben sind bei kalten Temperaturen keine Seltenheit. Eine beliebte Methode für schnelle freie Sicht: den Motor im Stand laufen lassen. Sinnvoll sei dies jedoch nicht. „Da der Motor im Stand viel Zeit braucht, um warmzulaufen, erreicht man damit abgesehen von unnötigem Lärm, Abgasen und Schäden am Motor nicht viel. Wird man dabei erwischt, folgt zudem ein Bußgeld von 80 Euro“, sagt der Stationsleiter. Am besten nehme man den Eiskratzer zur Hand. Wenn es doch etwas schneller gehen soll, biete sich ein Eisspray an.

Bei beschlagenen Scheiben würden das Gebläse und die Heizung auf höchster Stufe helfen. Zusätzlich entziehe die Klimaanlage der Luft die Feuchtigkeit.

Auto-Winter-Mythen: Schneehaufen auf dem Dach

Um verkehrssicher losfahren zu können, müssten neben den Scheiben auch andere Teile des Fahrzeuges von Schnee befreit sein. Dazu zählten unter anderem die Lichtanlagen und das Kennzeichen. Auch auf dem Dach hätten Schneehaufen während der Fahrt nichts zu suchen.

„Wehen diese während der Fahrt herunter, wirkt sich das auf die Sicht folgender Fahrer aus. Dabei reicht ein kurzer Griff zum Handbesen“, rät der Tüv-Experte.

Auto-Winter-Mythen: Winterreifenpflicht

Seit 2010 gilt auf den deutschen Straßen eine Winterreifenpflicht. Sie greife situativ, also witterungsabhängig. „Bei Glatteis, Schneematsch, Reif, Eis- oder Schneeglätte müssen Winterreifen mit dem dreigezackten Bergpiktogramm mit der Schneeflocke in der Mitte gekennzeichnet sein. Das M+S-Zeichen allein reicht für neue Reifen nicht mehr aus“, erklärt Schmidt.

Wer bei diesen Bedingungen noch mit Sommerbereifung unterwegs ist, müsse mit einem Bußgeld von bis zu 120 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Um dem vorzubeugen, diene die O-bis-O-Faustregel. Sie besagt, dass Winterreifen von Oktober bis Ostern genutzt werden sollten. Zusätzlicher Tipp: „Fällt die zulässige Höchstgeschwindigkeit der Winterreifen niedriger aus als die des Autos selbst, muss man einen Aufkleber anbringen. Gerade bei den Hauptuntersuchungen fällt uns das immer wieder auf“, sagt der Stationsleiter.

Der Gedanke an sich sei nicht falsch. Durch den verringerten Reifendruck vergrößert sich die Fläche des Rades. Das verhindere unter anderem, dass der Reifen durchdreht. Aber: Ist man mit dem Fahrzeug wieder auf normalem Asphalt unterwegs, würde ein zu niedriger Reifendruck schnell gefährlich. „Die Bodenhaftung lässt deutlich nach, das Bremsverhalten ändert sich und die Reifen verschleißen schneller. Zudem verbraucht das Auto mehr Sprit. Wir empfehlen daher, zu jeder Zeit mit dem für das Fahrzeug zugelassenen Luftdruck zu fahren“, erklärt der Tüv-Experte.

Auto-Winter-Mythen: Unterstützung durch ABS

Wichtige Verkehrsschilder wie das Stoppschild sind auch bei dicker Schneedecke durch ihre spezielle Form gut zu erkennen und würden uneingeschränkt gelten. Eine bedingte Lesbarkeit schütze hier nicht vor einem Bußgeld. Sind Verkehrsschilder eingeschneit, die aufgrund ihres Umrisses nicht hervorstechen, spiele in vielen Fällen die Ortskunde der Fahrenden eine Rolle. Sei diese nicht gegeben und das Schild nachweislich nicht lesbar, könne es seine Gültigkeit kurzzeitig verlieren.

Das Antiblockiersystem (ABS) unterstützt den Bremsvorgang in vielen Situationen, aber Schnee und Eis stellten auch dieses vor Herausforderungen. Hier helfe es, die Geschwindigkeit zu reduzieren und vorausschauend zu fahren. Besonders bei der Kurvenfahrt sei dies zu beachten. „Am besten vermeidet man starke Bremsmanöver und schnelle Lenkbewegungen gänzlich, um in der Spur zu bleiben. Bricht das Fahrzeug dennoch aus, die Kupplung treten und vorsichtig gegenlenken“, rät Schmidt.

Auto-Winter-Mythen: Autowäsche bei Salz und Matsch?

Streusalz, matschige Straßen und Schmutz gehören in den dunklen Monaten oft zum Alltag. Viele Autofahrer verzichteten daher lieber auf die Kosten der Waschanlage. „Besonders in den Wintermonaten ist eine regelmäßige Wäsche wichtig, um all den Schmutz zu beseitigen. Denn Streusalz tut dem Unterboden und dem Lack nicht gut. Zudem wirkt sich das auf die Sicherheit aus. Verdreckte PKW, Motorräder und LKW sind zudem für andere Verkehrsteilnehmer schlechter zu erkennen und auch die eigene Sicht ist eingeschränkt“, erklärt Schmidt. Aus diesem Grund empfehle sich in gewissen Abständen der Besuch der Waschanlage.

Auch wenn viele Mythen rund um das Autofahren im Winter die Runde machen, sollte man diese hinterfragen. Ist man sich nicht sicher, würden die Tüv-Experten gerne weiterhelfen.

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