1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

„Ruckelfrei“ im Winter: Tüv-Station gibt Tipps für die kalte Jahreszeit

Erstellt:

Von: Christos Christogeros

Kommentare

Laut Tüv sollte das Eis auf der Autoscheibe erst waagerecht, dann von oben nach unten bewegt weggeschabt werden.
Laut Tüv sollte das Eis auf der Autoscheibe erst waagerecht, dann von oben nach unten bewegt weggeschabt werden. © Trendob

Tipps und Tricks gibt es viele, um die winterliche Autofahrt vermeintlich zu erleichtern. Nicht alle davon seien jedoch noch zeitgemäß oder aber tatsächlich hilfreich, erklärt Wolfgang Schmidt, Leiter der Tüv-Station in Plettenberg. Der Experte erklärt, was vor und während der Fahrt in der kalten Jahreszeit zu beachten ist.

Plettenberg - Der Winter sorgt durch Kälte, Eis und Schnee für einige Unannehmlichkeiten und Gefahren. Hierbei gelte es, schon bei der Vorbereitung für die Jahreszeit beziehungsweise die aktuelle Fahrt die richtigen Maßnahmen zu ergreifen und gewisse Autosünden zu vermeiden. „Licht, Scheibenwischer, Gebläse, heizbare Heckscheibe und eine Sitzheizung – in dieser Zeit werden Batterie und Lichtmaschine stark gefordert.

Um zu vermeiden, dass der Wagen nicht mehr anspringt, sollte man nun sparsam mit den elektrischen Verbrauchern im Auto umgehen“, erklärt der Plettenberger Stationsleiter. Dies betreffe vor allem diejenigen, die eine Batterie verbaut haben, die älter als vier Jahre ist oder in der Vergangenheit tiefenentladen war.

Als Vorsichtsmaßnahme könne der Akku in einer Werkstatt getestet werden. Um für den Notfall vorbereitet zu sein, empfehle sich für ältere Fahrzeugmodelle ein Starthilfekabel.

Möglichkeiten zum Frostschutz

„Durch die Kombination aus Feuchtigkeit und Frost ergibt sich eine feste Eisschicht, welche die Türdichtungen verklebt. Dies sowie eventuelle Schäden lassen sich umgehen, indem man die Gummidichtungen an Türen und Klappen mit Silikon oder Hirschtalg schützt“, weiß Wolfgang Schmidt.

Als weiterer Frostschutz könne Glyzerin als dünner Film aufgestrichen werden. Die Vereisungen betreffen bekanntermaßen nicht nur die Dichtungen, sondern vor allem auch die Scheiben. Hierbei sei die richtige Technik Gold wert. Ein Eiskratzer sei unverzichtbar, da Hilfsmittel wie Scheckkarten, ein Kochfeldschaber oder eine CD-Hülle die Scheibe beschädigen könnten. Von heißem Wasser sei gänzlich abzusehen, denn durch den Temperaturwechsel wären Spannungsrisse möglich.

Zudem sei es sinnvoll, die Scheibenwaschanlage beim Abstellen zu betätigen, um den Schmutz zu entfernen. Dieser setze sich andernfalls in der Eisschicht fest und wirke später beim Kratzen wie Schleifpapier. Mit dem Eiskratzer gelte es, erst waagerecht, dann von oben nach unten das Eis weg zu schaben.

Schmidt hat noch zwei weitere Tipps: „Vor dem Nachtparken können die Scheiben mit einem Klarsichtmittel eingesprüht werden, was das Abkratzen erleichtert. Im selben Zuge sollten die Scheibenwischer hochgenommen werden, damit sie am nächsten Morgen beim Anlassen des Motors nicht über die vereiste Scheibe kratzen und die Gummilippen der Wischerblätter beschädigen.“

Eine weitere wichtige Maßnahme sei das Befüllen der Scheibenwaschanlage mit einem Reiniger mit Frostschutzanteil. So könne man auch in der kalten Jahreszeit den Durchblick behalten. Wer darauf verzichtet, riskiere nicht nur Schäden, sondern auch ein Bußgeld.

Der Kühlerfrostschutz, der in der Regel bis minus 25 Grad Celsius reicht, sollte ebenfalls nicht vernachlässigt werden. Er verhindere, dass das Wasser im Kühlmittelkreislauf einfriert.

„Ein vermeintlich hilfreicher Tipp hält sich seit Jahren hartnäckig: Das Verringern des Reifendrucks soll für bessere Traktion auf Schnee und Eis sorgen. Dies stimmte, als Diagonalreifen noch Standard waren. Für die heute gängigen Radialreifen gilt das nur noch bedingt“, klärt der Tüv-Experte auf. Stattdessen verschlechtere sich die Haftung auf der Straße und das Bremsverhalten würde schwammig, während gleichzeitig Spritverbrauch und Verschleiß anstiegen. Nur auf einer sehr dichten Schneedecke könne so die Traktion verbessert werden. Dementsprechend heiße es auch im Winter: Weiterhin regelmäßig Reifendruck checken und gegebenenfalls an die Vorgaben anpassen.

Nicht nur während der Vorbereitung für die eisige Jahreszeit gebe es einiges zu beachten, sondern auch während der Fahrt könnten Tipps und Tricks helfen. Grundsätzlich sei von ständig hohen Drehzahlen und Kurzstrecken abzusehen. Besonders jetzt brauche es seine Zeit, bis die Lager und Schmierflächen im Motor optimal mit Öl versorgt seien, was den Verschleiß erhöhe.

Ebenso schädigend sei die schnelle, aber ungleichmäßige Erwärmung der einzelnen Komponenten. Somit wirkten sich kurze Strecken negativ auf den Antrieb und hohe Drehzahlen während der Kaltlaufphase negativ auf den Motor aus.

Keine Winterjacke hinter dem Steuer

Wird es draußen kälter, setzen sich viele Autofahrer direkt mit ihrer dicken Jacke hinter das Steuer. Allerdings könne diese unbedachte Handlung bei einem Unfall schlimme Folgen haben. „Durch den Stoff liegt der Gurt nicht eng genug am Körper, sodass der Schutz beeinträchtigt wird. Außerdem wird so die Bewegungsfreiheit und somit möglicherweise das einwandfreie Steuern des Fahrzeugs eingeschränkt“, so Wolfgang Schmidt.

Demzufolge sollte die Jacke vor Fahrtantritt abgelegt werden. Auch nasse Fußmatten seien herauszunehmen und zu trocknen. Generell sei es sinnvoll, im Winter auf Gummimatten umzusteigen. Bevor man ins Fahrzeug steigt, sei es ratsam, sich vom Schnee zu befreien. Andernfalls gelange zusätzliche Feuchtigkeit ins Auto, die schlimmstenfalls zu Moder, Schimmel und Rost führt. Ebenso verschlimmere es das Beschlagen der Scheiben von innen.

Immer gut durchlüften

Deshalb sei es wichtig, regelmäßig gut durchzulüften und Heizung sowie Klimaanlage hochzufahren. Wird letztere längere Zeit nicht genutzt, könnten sich Feuchtigkeit, Pilze und Bakterien sammeln, wodurch ein unangenehmer Geruch entsteht.

Um die beschlagenen Scheiben zu bekämpfen, sei mehr zu tun, als das Gebläse auf die Windschutzscheibe zu richten. „Wenn bei der Heizung Umluft aktiviert ist, zirkuliert nur die feuchte Innenraumluft. Deswegen sollte man beim Einsteigen die Fenster etwas öffnen, damit sie entweichen und die kalte, trockenere Luft von draußen eindringen kann“, erklärt der Stationsleiter.

Darüber hinaus sei dringend davon abzusehen, einen Heizlüfter ins Auto zu stellen. Zum einen wirke die entstehende Hitze im Fahrzeug nicht gleichmäßig und zum anderen könnten sich Plastikteile der Innenverkleidung durch die Einwirkung verformen. Schlimmstenfalls könne sogar ein Brand entstehen.

Ist die Fahrt beendet, sollten einige Gegenstände nicht im Fahrzeug zurückgelassen werden. Dazu zählen Elektrogeräte wie Laptops oder Smartphones, Gegenstände aus Holz, Dosen, Getränke oder Medikamente. Bei allen bestünde die Gefahr einer Beschädigung durch Kälte und Nässe.

Auch interessant

Kommentare