Mehr als hundert Jahre alter Baum muss weichen

Trotz Protest: Eiringhauser Kastanie ist Geschichte

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Stück für Stück konnten mithilfe eines Krans und eines Hubsteigers die Äste entfernt werden.

Plettenberg - „Ich bin keine gute Frau, Sie sind ja auch kein guter Mann!“ Eine Anwohnerin aus Eiringhausen war gestern Morgen ziemlich aufgeregt und auch ein wenig frech gegenüber den Mitarbeitern des Gartenpflege-Unternehmens „Manuel Miele.“ Dass die Fällung der großen Kastanie an der Hallenstraße sicher nicht nur Begeisterung mit sich bringt, war den Mitarbeitern aber im Vorfeld klar.

110 Jahre war sie ungefähr alt, die etwa 20 Meter hohe, mittlerweile grün-blühende Kastanie. Der neue Hausbesitzer, auf dessen Grundstück der Baum stand, gab vor der Fällung an, dass ihm die Kastanie viele Probleme bereiten würde. Ein großer Ast wuchs schon halb in das Dach und beschädigte die Dacheindeckung. Ein anderer mächtiger Ast ragte komplett über den Fußweg und die Treppe, ein weiterer hing über der Terrasse des Hauses. Das größte Problem war jedoch die Feuchtigkeit am direkt neben dem Baum stehenden Haus. Um die zu beseitigen, müsste der Eigentümer die Außenmauer großflächig freilegen lassen, wodurch unweigerlich das Wurzelwerk der Kastanie stark geschädigt wird. Deshalb müsse sie jetzt weichen, heiß es bei einer Ortsbegehung in der vergangenen Woche, bei der der Mann zwar nicht anwesend war, dafür aber einige Anwohner, die gegen die Fällung des Baumes protestiert hatten (wir berichteten). 

Zwar genoss die Kastanie durch die Baumschutzsatzung einen gewissen Schutz, doch von dieser wurde der Eigentümer nach Abstimmung mit der Stadt Plettenberg befreit. Da nun also die Eigentumsrechte galten, konnte der Grundstücksbesitzer entscheiden, der sich auch bis gestern anscheinend nicht von den Protestanten umstimmen ließ. Eine der Damen, die schon in der vergangenen Woche versucht hatten, die Fällung zu verhindern, war auch gestern vor Ort, lief immer wieder durch die Absperrung, und musste sogar zwischenzeitlich lautstark aus der Gefahrenzone vertrieben werden. „Bitte lassen Sie uns einfach unsere Arbeit machen“, versuchten Manuel Miele und die Mitarbeiter des Forstbetriebes Gitter immer wieder, die Dame des gesperrten Bereichs zu verweisen.

 Irgendwann schien sie dann wohl auch zu merken, dass der Widerstand zwecklos war, denn der große Kran war schon früh morgens auf das Gelände unterhalb der Hallenstraße angerückt, und auch der Hubsteiger der Firma Dunkel stand schon bereit, um den Forstarbeiter samt Motorsäge hinaufzufahren. Stück für Stück wurden nun die oberen Äste abgesägt und je nach Größe und Gewicht vom Kran in einen Container befördert, bis nach acht Stunden die Arbeit endlich geschafft war. Als es schließlich ans Zerkleinern des Stammes ging konnten die Arbeiter feststellen, dass das Innere des Baumes schon stark verfault war. 

Wie es von Seiten der Stadt heißt, soll auch an gleicher Stelle irgendwann ein „Ersatzbaum“ gepflanzt werden. Ob das die protestierenden Anwohner jedoch letztendlich trösten wird, bleibt abzuwarten.

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