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Trotz Corona und Krieg: Sparkasse vermeldet gute Zahlen

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Von: Jona Wiechowski

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Mike Kernig (li.) und Kai Hagen aus dem Sparkassen-Vorstand stellten am Mittwoch die Bilanz im Plettenberger Hauptstandort vor.	Foto: WIECHOWSKI
Mike Kernig (li.) und Kai Hagen aus dem Sparkassen-Vorstand stellten am Mittwoch die Bilanz im Plettenberger Hauptstandort vor. Foto: WIECHOWSKI © Jona Wiechowski

Mehr Kredite, mehr Eigenkapital, mehr Wertpapier-Geschäft: Die Sparkasse konnte in 2021 trotz Corona ein gutes Ergebnis einfahren. Die aktuelle Situation in der Ukraine stellt das Geldhaus und seine Kunden vor neue Herausforderungen.

Plettenberg - Vorstandsvorsitzender Kai Hagen präsentierte die Zahlen zusammen mit seinem Vorstandskollegen Mike Kernig. Die Bilanzsumme der Sparkasse stieg auf 1,959 Milliarden Euro und der Bilanzgewinn beläuft sich auf 6,535 Millionen Euro. Das sind die wichtigsten Punkte der Bilanz.

Aussicht

„Was die Aussicht angeht, befinden wir uns gewissermaßen im Niemandsland“, machte Hagen klar. Er beschrieb die Lage als „abwartend vorsichtig, womit wir uns in guter Gesellschaft mit den meisten Unternehmen sehen.“ Die Metall- und Energiepreise explodierten gerade und beträfen den Mittelstand massiv. Die Sparkasse befinde sich in täglichen Gesprächen mit Unternehmen. „Es geht um Verfügbarkeiten, um Preise.“ Die Sparkasse biete verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten. „Firmen brauchen schnelle Zusagen.“ Später im Gespräch drückte er seine Hoffnung aus, dass sich die Situation in der Ukraine möglichst bald beruhige.

Trotz vieler Unwägbarkeiten zeigte sich Vorstandskollege Kernig zuversichtlich: „Wenn unser Mittelstand eines kann, dann mit sich immer ändernden Rahmenbedingungen klarkommen.“

Neben dem Krieg und Corona beschäftigt die heimische Sparkasse natürlich auch die Sperrung der Rahmedetalbrücke entlang der Autobahn 45. „Man muss ja nur ‚die Brücke‘ sagen“. Hagen wünschte sich, dass man schnell mit einem Neubau fertig werde — man könne sich Italien zum Beispiel nehmen, wo eine eingestürzte Autobahnbrücke in gut zwei Jahren neu gebaut werden konnte.

Vor Ort

„Wir haben nicht vor, zu fusionieren“, sagte Hagen. Ziel der Sparkasse sei, so nah am Kunden zu sein wie möglich. Alle Ansprechpartner sollten vor Ort auffindbar sein. Dafür sollten auch die allermeisten Geldautomaten bleiben.

Trotz Pandemie hatten alle Sparkassen-Standorte das ganze letzte Jahr offen. Unverändert würde sich auch um Nachwuchs gekümmert: Sechs bis acht Auszubildende würden im Jahr eingestellt, „die wir immer gerne übernehmen“, so der Vorstandsvorsitzende.

Kredite

Die Kreditvergaben haben sich gut entwickelt. Der Gesamtbestand aller gewerblichen und privaten Kredite belief sich auf 1,6 Milliarden — ein Plus von über sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei steigerten sich alleine die Auszahlungen um mehr als 300 Millionen Euro. Erfreulich: Das Wachstum sei nicht etwa von Corona-Hilfskrediten getrieben. Hagen: „Es handelt sich um sinnvolle und zukunftsorientierte Investitionen in die Region.“

Kredite

Auch bei Privat-Krediten ging es voran – vor allem im Wohnungsbaugeschäft. Mike Kerning bezifferte das Wachstum bei der Auszahlung von privaten Wohnungsbaudarlehen mit 27,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hohe Nachfrage, knappes Angebot – wie schon in 2020, seien die Immobilienpreise im Märkischen Kreis auch in 2021 weiter gestiegen. Statt Konsum- und Reisewünschen sei bei Bürgern das Eigenheim und dessen Modernisierung stärker in den Fokus gerückt.

Wertpapiere

Null- oder sogar Negativ-Zinsen, dazu Rekord-Inflation – wer einfach nur spart, verliert an Kaufkraft. Auch bei der Sparkasse haben diese Faktoren den Wandel im Anlageverhalten beschleunigt. Statt klassischer Einlagen wie Tagesgelder oder Termineinlagen, setzten immer mehr Kunden auf ertragreichere Formen wie Wertpapier- oder Investmentfonds. Hagen: „Wir konnten ein deutliches Plus von fast 20 Prozent im Provisionsgeschäft verzeichnen.“ Auch in Sachen Vorsorge und Bausparen sei die Nachfrage gestiegen.

Digitalisierung

Banking per App ist längst nicht mehr die Ausnahme. Gut Dreiviertel aller Sparkassenkunden nutzten die App regelmäßig, verdeutlichte Hagen. Auch das Arbeitsverhalten in der Sparkasse selbst habe sich durch zwei Jahre Corona verändert. Das Homeoffice werde weiterhin bleiben und sicherlich gut angenommen, schätzte Hagen.

1,5 Millionen Euro fließen nach Plettenberg

Vorbehaltlich der Zustimmung der Zweckverbandsversammlung wird die Sparkasse in diesem Jahr Ausschüttungen in Höhe von 1,05 Millionen an Kommunen vornehmen. Damit fließen den sechs Trägern – zusammen mit der Gewerbesteuer in Höhe von 3,6 Millionen Euro – insgesamt 4,65 Millionen Euro zu. Das meiste davon geht nach Plettenberg – nämlich gut 1,5 Millionen Euro. Altena bekommt 932 000 Euro, Werdohl 920 000 Euro, Balve 636 000 Euro, Neuenrade 463 000 Euro und Nachrodt 186 000 Euro. „Das sind Zahlen, die können sich sehen lassen“, sagte Vorstandsvorsitzender Kai Hagen, der diese Auszahlung traditionell als Bürgerdividende bezeichnete. Gleichzeitig habe die Sparkasse ihr Eigenkapital nochmals deutlich stärken können.

Trotz Pandemie konnten sich auch in 2021 viele gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen aus den Bereichen Bildung, Soziales, Sport, Kultur und Wissenschaft über Spenden freuen: Gut 500 000 Euro gab es insgesamt. „Dieses Engagement werden wir unverändert fortsetzen“, erklärte Hagen.

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