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„Märkte aus Fernost schlagen zu“: Tischlereien mit ganz neuen Problemen konfrontiert

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Von: Hartmut Damschen

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Andreas Koch (links) mit Sohn Luca: Die beiden Tischlermeister beobachten in der jüngeren Vergangenheit teilweise starke Veränderungen auf dem Holzmarkt.
Andreas Koch (links) mit Sohn Luca: Die beiden Tischlermeister beobachten in der jüngeren Vergangenheit teilweise starke Veränderungen auf dem Holzmarkt. © Damschen

Der Borkenkäfer sei für die Tischlerei kein Problem – der Ukraine-Krieg und die Konkurrenz aus Amerika und Fernost würden aber durchaus für Schwierigkeiten sorgen. Andreas Koch führt die gleichnamige Tischlerei in der dritten Generation. Nicht nur in den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Arbeit des Tischlers stark gewandelt. Es zeigt sich: Umwälzungen auf globaler Ebene schlagen auch im vermeintlich so kleinen Plettenberg ein.

Plettenberg - Seit 1999 leitet Andreas Koch den Betrieb in Köbbinghausen, sein Großvater Willi hatte das Unternehmen 1958 an der Herscheider Straße gegründet. Andreas Koch ist also mit der Tischlerei groß geworden, hat den Wandel der letzten Jahre und Jahrzehnte miterlebt. „Auf jeden Fall ist alles schnelllebiger geworden. Ein Beispiel: Früher fragten wir ein Angebot per Telefon ab und bekamen nach 14 Tagen per Post die Antwort. Dann kamen die Fax-Geräte, durch die sich die Antwortzeit halbierte. Heute, im Zeitalter des Internets, hat man die Antwort vielleicht schon nach zwei Stunden. Dementsprechend müssen auch unsere heutigen Reaktionszeiten wesentlich kürzer sein“, erklärt Andreas Koch.

Doch gerade in den letzten Monaten habe es viele Veränderungen gegeben. Der Borkenkäfer habe jedoch keinen Einfluss auf die Arbeit bei der Tischlerei Koch gehabt. „Vom Käfer waren die Nadelhölzer zu fast 100 Prozent betroffen. Wir verarbeiten aber zu fast 100 Prozent Laubhölzer.“ Dennoch: Es sei mittlerweile nicht mehr so leicht, an die Hölzer zu kommen, die man für die jeweiligen Arbeiten gerne hätte. „Früher konnten wir uns bei unserem Großlieferanten unser Holz unter zehn bis zwölf Stämmen aussuchen. Heute sind es nur noch vielleicht zwei“, sagt Andreas Koch.

Die Ursache liege nicht in Problemen mit Schädlingen oder der steigenden Zahl an Stürmen begründet. „Nein, da schlagen die amerikanischen Märkte oder die aus Fernost zu. Die überbieten ohne Weiteres unsere heimischen Marktpreise um das Doppelte. Es ist verständlich, dass da die Verkäufer gerne ins Ausland verkaufen und für uns weniger übrig bleibt“, erklärt Andreas Koch.

Und auch der Ukraine-Krieg hinterlasse seine Spuren bei der täglichen Arbeit in der Plettenberger Tischlerei. Bei den Produkten aus Laubholz mache sich die russische Invasion nicht bemerkbar, „doch bei Multiplex-Platten sehr. Sie kommen fast nur aus Russland und der Ukraine und sind im Preis um 100 Prozent angestiegen“, sagt Andreas Koch. Multiplex-Platten sind Furnier-Sperrholzplatten, die beidseitig mit Phenolharz beschichtet sind. In die Beschichtung wird oft eine Sieb-Struktur eingedrückt, um sie rutschfester zu machen.

Der Einzug der digitalen Technik macht auch bei einem so traditionellen und historischen Gewerbe wie der Tischlerei nicht Halt. Nicht nur im Büro habe der Computer längst Einzug gehalten. „Unsere erste CNC-Maschine haben wir 2014 angeschafft und unsere neueste Hilfskraft ist eine 5-Achsen-CNC-Maschine, auf der Stücke bis zu 4,50 Meter Länge bearbeitet werden können“, erklärt Andreas Koch. Das Besondere: Um keine Spuren auf den Hölzern zu hinterlassen, würden diese mit Unterdruck an den Stützstellen auf dem Tisch fixiert.

Schritte in die Zukunft ist die Tischlerei also bereits gegangen. Und zumindest wenn es um die Fortführung des Betriebs geht, muss sich Andreas Koch keine Sorgen machen. Sohn Luca ist mittlerweile ebenfalls Tischlermeister und steht für eine künftige Übernahme des Betriebs schon bereit.

Nach zwei Jahren Handelsschule und der Lehre zum Tischler legte Luca Koch noch zwei Jahre Berufspraxis drauf und legte danach im Arnsberger Berufsbildungszentrum die Prüfung zum Tischlermeister ab. Gute Voraussetzungen, den Betrieb, bestehend aus nun drei Meistern, einem Gesellen und einem Auszubildenden im dritten Lehrjahr, einmal erfolgreich zu führen. Jedenfalls bestätigte das schmunzelnd sein Vater Andreas: „Die Übergabe an Luca ist in Planung.“ Doch noch sei es nicht so weit.

Für Luca Koch ist der Wert einer handwerklichen Ausbildung gar nicht hoch genug einzuschätzen. „Der Meisterbrief ist nach wie vor die Voraussetzung, Lehrlinge ausbilden zu dürfen. Mit unserem neuen Auszubildenden haben wir schon den Lehrvertrag abgeschlossen“, erklärt Luca Koch.

Der junge Tischlermeister hat einen klaren Favoriten: die Eiche. „Sie ist robust, witterungsbeständig, weist eine schöne Maserung auf und findet im Haus- und Möbelbau Verwendung. Außerdem ist sie von ihrer gewachsenen Struktur her immer ein Blickfang. Besonderheiten im Wuchs kann man in Planungen von Möbeln hervorragend integrieren.“

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