Wandergruppe um Günter Heerich genießt in den österreichischen Alpen originalen Kaiserschmarrn

Vom ‘Tiroler Meer’ auf Kaisers Spuren

+
Die Pfundsalm liegt auf rund 1 640 Metern.

Plettenberg - Die größten Strapazen sollten noch vor ihnen liegen: Nachdem die Wandergruppe um den Plettenberger Günter Heerich vom Tegernsee aus die Grenze zu Österreich überschritten hatte, galt es nun, zahllose Höhenmeter zu überwinden.  

Doch die Ausblicke, vor allem im Zillertal, entschädigten für die Strapazen. 

Im Hotel in Achenkirchen stärkten sich die Plettenberger bei einem reichhaltigen Frühstück. Und das war auch notwendig, erwartete die Reisegruppe doch ein anspruchsvolles Programm in den folgenden Tagen. Bei strahlendem Sonnenschein konnte das türkisfarbene Wasser des Achensees so richtig genossen werden.

Der bis zu 133 Meter tiefe Achensee besticht durch besonders sauberes Wasser, das fast schon Trinkwasser-Qualität erreicht. Der See wird auch ‘Tiroler Meer’ genannt, bietet er dank der hier herrschenden Windverhältnisse doch perfekte Bedingungen für Segler und Surfer.Nun galt es, den Gaisalalmsteig zu bezwingen. „Obwohl der Steig kaum Höhenunterschiede hat, muss man schon schwindelfrei und trittsicher sein, denn oft ist er mit Stufen und Handläufen versehen und bei Begegnungen muss man warten, bis der Weg wieder frei ist“, erklärt Heerich. 

Der Steig führt durch eine grandiose Landschaft mit kleinen Wasserfällen, Mischwäldern und Schwemmkegeln.Der Weg führte die heimischen Wanderer zur Gaisalm, die nur zu Fuß oder mit dem Schiff zu erreichen ist. Von hier ging es weiter nach Pertisau. „Bei Temperaturen um 35 Grad haben wir uns dann entschlossen, die letzten fünf Kilometer mit dem Schiff bis Seespitz zu fahren“, sagt Heerich.

Der Achensee, auch ‘Tiroler Meer’ genannt, besticht nicht nur durch sein türkisfarbenes Wasser, sondern auch durch gute Windverhältnisse für Segler und Surfer. 


Die Herkunft desWortes KaiserschmarrnDer folgende Morgen begann, wie der Tag zuvor geendet hatte: mit einer Busfahrt. Nach rund 25 Kilometern erreichten die Plettenberger die Talstation der Geolsbahn in Hinterberg. Mit der Bahn ging es hinauf auf das Onkeljoch.Die Wanderung bot fantastische Ausblicke auf die umliegende Bergwelt des Zillertals, des Karwendel und des Rofangebirges. In einer Umgebung mit Jahrhunderte alten Zirben, Almrosen und Granitsteinen begann die Wanderung über die Gartalm zum Loassattel, wo Hängematten zur Rast eingeladen hatten. Das als Geheimtipp geltende Alpengasthaus Loas bewirtete die Plettenberger mit Tiroler Spezialitäten.Auf gemütlichem Weg ging es neben saftigen Wiesen abwärts zum Wintersportort Hochfügen. In vier Stunden überwanden die heimischen Reisenden auf rund 14 Kilometern 450 Höhenmeter.

Über die Hochfügener Rodelbahn ging es hinauf zur Pfundsalm auf 1 640 Meter. Vorbei an vom Gletscher geschliffenen Felsen weiter hinab ins Tal über einen Bach ging es zum Steig zum Sidanjoch. „Durch ein Meer von Alpenrosen erreichten wir das Sidanjoch auf 2 127 Metern Höhe“, erinnert sich Heerich. 

Bei einer kurzen Rast genoss die Wandergruppe den fantastischen Blick über die Tiroler Alpen.Bald erreichten die Plettenberger die Rastkogelhütte. Hier ließen sie sich die österreichische Spezialität Kaiserschmarrn schmecken. Die Benennung geht wohl auf Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) zurück. 

Dessen Koch soll Kaiserin Elisabeth einst diese damals neue Kreation vorgesetzt haben. Als die Monarchin sich weigerte, die bisher unbekannte Süßspeise zu essen, soll Kaiser Franz Joseph I. gesagt haben: „Na geb’ mir halt den Schmarren (Unsinn) her!“ Diese Geschichte ist jedoch nicht bestätigt, wird aber gerne als Legende erzählt.Zillertaler Höhenstraße erst 1978 asphaltiertFrisch gestärkt folgte am Nachmittag ein steiler Aufstieg zum Mitterwandskopf auf 2 280 Metern. 

Über den Rauhenkopf ging es zum Arbiskopf, ehe der Steig zum Melchboden an der Zillertaler Höhenstraße führte.Diese besondere Straße war Anfang der 1960er Jahre gebaut worden – allerdings nicht für den Tourismus. Einst diente die Höhenstraße den hier ansässigen Bauern. 

Die pure Weite: In den Tiroler Alpen verliert sich der Mensch häufig in einer atemberaubenden Landschaft.


Sie wurde vor allem aber auch dafür genutzt, die Anlage von bergtechnischen Sicherungsmaßnahmen oberhalb der Baumgrenze zu ermöglichen. Diese sollten Schutz vor Lawinen und Murenabgängen bieten.Erst Ende der 1960er Jahre wurde die Höhenstraße auch für den Tourismus freigegeben. 

1978 erfolgte die vollständige Asphaltierung der bisherigen Schotterstrecke.Hier warteten die Plettenberger bei einem kühlen Bier auf den Bus. Von 2 100 Metern Höhe ging es über die Zillertaler Höhenstraße auf 600 Meter nach Hippach zur Zillertalbahn. „Entlang der Straße sahen wir viele Bauern an den sehr steilen Wiesen arbeiten. Natürlich waren wir froh, dass wir bequem mit dem Bus ins Tal kommen konnten“, erklärt Heerich.

Das Ende der Wanderung im Ort Vipiteno war nun nicht mehr weit. Doch auf dem Weg dorthin mussten noch Höhenzüge von über 2 000 Metern erklommen werden. Ein Gewitter raubte den Plettenbergern dabei allerdings den Schlaf – und damit auch die so dringend benötigten Kräfte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare