Spitze Schnauze wie beim Krokodil

Spaziergänger entdecken seltsames Ungetüm an der Lenne

Ein seltenes Tier entdeckten Spaziergänger an der Lenne in Plettenberg.
+
Ein seltenes Tier entdeckten Spaziergänger an der Lenne in Plettenberg.

Knapp zehn Meter vom Ufer der Lenne entfernt machten Spaziergänger in Plettenberg einen ungewöhnlichen Fund - denn dort lag ein unheimlich anmutendes Tier. Von vorne sah es fast aus wie ein Krokodil.

Plettenberg – In dem vor einigen Wochen noch überschwemmten Uferbereich der Lenne fanden sie einen riesigen Fisch, wie man ihn in der Lenne eigentlich nicht vermutet. Halb Krokodil, halb Fisch oder doch etwas anderes?

NameSterlet
FamilieStöre
Wissenschaftlicher NameAcipenser ruthenus

Nach Überflutung an der Lenne: Spaziergänger entdecken seltsamen Fisch

Woran das Tier mit dem eigentümlichen Aussehen, dem muskulösen Körper und dem vorstreckbaren Maul verendete, ist ungewiss. Stolze 105 Zentimeter misst die urzeitlich aussehende Fischart, bei der es sich um einen sogenannten Sterlet handelt. Mit einer Länge von normalerweise etwa 40 bis 100 Zentimetern gehört er zu den kleineren Arten der Störe, wobei das Exemplar an der Lenne ausgesprochen groß ausfiel.

Der Sterlet ist kein klassischer Raubfisch. Man muss also keine Angst haben, beim Baden in der Lenne von einem Sterlet angegriffen zu werden. Der Fisch ernährt sich vorwiegend von wirbellosen Lebewesen wie Würmern, Schnecken, Insektenlarven und Kleinkrebsen am Flussgrund.

Eigentlich ist der Sterlet eher in Flüssen und Seen Nordrusslands und in einigen Zuflüssen der Ostsee beheimatet. Ein stattliches Exemplar wurde jetzt am Lenneufer entdeckt.

Sterlet an der Lenne in Plettenberg gefunden: Ein höchst seltenes Exemplar

Im Winter sucht der Fisch tiefere, ruhige Zonen auf. Doch genau die fehlen seit der Wehröffnung am Siesel nahezu vollständig. Dort konnte sich der störartige Fisch bis April letzten Jahres rund einen Kilometer flussabwärts vom Fundort in bis zu drei Metern Tiefe bewegen. Heute ist die Lenne dort im Schnitt nur noch 80 Zentimeter tief. Kein idealer Lebensraum für den seltenen Fisch, der ansonsten vor allem in Flüssen im Einzugsgebiet des Kaspischen, Schwarzen, Asowschen und Nordpolarmeeres sowie in Flüssen und Seen Nordrusslands und einigen Zuflüssen der Ostsee lebt.

In der Lenne ist der Sterlet dagegen ein höchst selten gesichtetes Exemplar, was auch Stefan Großheim, Schatzmeister der Maipiere Plettenberg, bestätigt. „Die Lenne ist für den Sterlet als klassischer Mittelgebirgsfluss eigentlich nicht als Lebenraum geeignet.“ Er könne sich aber daran erinnern, dass vor fünf Jahren im Obergraben am Lennewehr Sterlets gefangen worden seien.

„Das sind echte Kraftpakete. Der Kescher eines Anglers war danach komplett verbogen“, erinnert sich Großheim an den Fang, der mit Tauwürmern gelang. Der Sterlet sei vermutlich bei Hochwasser aus Fischzucht anlagen in die Lenne gelangt. Dass der störartige Riesenfisch in der Lenne von Plettenberg über Werdohl bis nach Altena wandere, sei zwar theoretisch möglich, aber wenn, dann nur flussabwärts.

Der seltene Riesenfisch fand sich am Ufer der Lenne in Plettenberg-Pasel.

Sehr viele Wehranlagen würden die Durchgängigkeit der Lenne verhindern. Auch deshalb könne man vor dem Ohler Wehr und in Richtung Werdohl beispielsweise viele Aale fangen, weil sie nicht weiter flussaufwärts wandern könnten. In Werdohl ist vor gar nicht allzu langer Zeit eine verwandte Art gefangen worden.

Sterlet in Plettenberg gefunden: Riesenfisch steht auf der Roten Liste

„Die Fischtreppen entlang der Lenne funktionieren leider nur bedingt“, weiß Großheim. Dabei hätten Untersuchungen ergeben, dass bestimmte Fischarten bis zu 80 Kilometer am Tag in den Flüssen wandern würden. Dass der Sterlet in Pasel tot aufgefunden wurde, sei bedauerlich, so Großheim.

Durch den Rückgang der Laichplätze, die zu starke Befischung sowie die Verschmutzung der Gewässer steht der Fisch auf der Roten Liste, ist vom Aussterben bedroht und durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützt. Eine Entdeckung eines ebenfalls sehr seltenen Tieres in Plettenberg - gerade einmal zehn Zentimeter lang - sorgte im vergangenen Sommer für Aufmerksamkeit. In Lüdenscheid wurde ein Tier beschrieben, das sich wie eine Schlange bewegt und vier Augen hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare