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Tiefe Furchen als Denkmäler: Hohlwege von Harvestern gefährdet

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Von: Georg Dickopf

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Schützenswert: Wer bei Fahrt in Richtung Ausspann etwas genauer nach links schaut, sieht in dem gerodeten Hang mehrere parallel verlaufende längliche Furchen, bei denen es sich um alte Hohlwege handelt, die heute Bodendenkmale sind.	FotoS: Dickopf
Schützenswert: Wer bei Fahrt in Richtung Ausspann etwas genauer nach links schaut, sieht in dem gerodeten Hang mehrere parallel verlaufende längliche Furchen, bei denen es sich um alte Hohlwege handelt, die heute Bodendenkmale sind. FotoS: Dickopf © Dickopf, Georg

Wer in diesen Tagen die L 697 von Eiringhausen nach Affeln befährt, der hat nicht mehr wie früher Fichtenwälder um sich herum, sondern kahl geschlagene Flächen. Wer bei der Fahrt in Richtung Ausspann etwas genauer nach links schaut, sieht in dem gerodeten Hang mehrere parallel verlaufende längliche Furchen.

Plettenberg – Bei diesen alten Hohlwegen, die vor dem Bau der heutigen Landstraße zumeist mit Pferdegespannen genutzt wurden, um nach Affeln (oder zurück) zu kommen, handelt es sich um sogenannte Bodendenkmäler. Um deren Erhalt ging es bei einem Ortstermin vor mehr als zwei Jahren am 9. Dezember 2020. Auf Einladung der hiesigen unteren Denkmalbehörde fand ein Termin statt, um vor der Durchführung von erforderlichen Forstarbeiten abzustimmen, wie im Zuge der Arbeiten das Bodendenkmal zu schützen ist.

Zu den Teilnehmern zählten Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie, sowie ein weiterer LWL-Mitarbeiter, Till Hoffmann als zuständiger Fachgebietsleiter sowie zwei weitere Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die Waldeigentümer und ein Forstunternehmer.

Wie Bauamtsleiter Sebastian Jülich auf Anfrage mitteilte, verläuft noch vor dem Ausspann die Stadtgrenze zu Neuenrade. Das Bodendenkmal befinde sich sowohl auf dem Stadtgebiet Plettenbergs (der kleinere Teil) als auch auf Neuenrader Gebiet und umfasse Flächen auf beiden Seiten der Landstraße. Verbindliche Abstimmungen habe man seinerzeit aber nur für die Flächen auf Plettenberger Stadtgebiet getroffen.

Bei dem Termin sei vereinbart worden, bei welcher Witterung (Frost), mit welchen Geräten und welchen Arbeitsverfahren die Arbeiten auszuführen seien. Dazu zählte laut Jülich die Auflage, dass die Bäume im Bereich der Hohlwege manuell und nicht mittels Harvester zu fällen sind.

Die Ausführung der Arbeiten sei für Januar 2021 vorgesehen gewesen. Das Vorgehen war laut Jülich vom Umfang her sowohl mit dem LWL als auch mit der Stadt abgestimmt.

Passiert ist im Januar 2021 allerdings gar nichts. Die bereits lange abgestorbenen Borkenkäfer-Fichten standen auch ein Jahr später noch unweit der Bodendenkmäler entlang der L 697 und wurden erst am 16. Februar, unmittelbar vor dem ersten von mehreren Sturmtiefs, gefällt.

Dass und wie die Bäume Mitte Februar gefällt wurden, erfuhren der Bauamtsleiter und auch Prof. Dr. Michael Baales durch die Heimatzeitung. Laut Bauamtsleiter Sebastian Jülich sei beim Termin im Dezember 2020 klar vorgegeben worden, wie die Arbeiten auszuführen seien. Die Verschiebung um mehr als ein Jahr sei nicht abgesprochen gewesen.

Ungeachtet dessen bemühte sich das beauftragte Forstunternehmen trotz des Einsatzes von Harvestern und Fällbaggern, den Schaden an den Bodendenkmälern gering zu halten, was augenscheinlich auch gelang.

Vorrang hatte bei dem Einsatz im Februar offenbar die Beseitigung der in Straßennähe stehenden Fichten. Anders als früher, als die uralten Wege im Fichtenwald verborgen blieben, sind die Bodendenkmäler nun für das aufmerksame Auge gut erkennbar und auch weitgehend intakt.

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