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Unverständnis bei Testzentren: „Es rechnet sich immer noch für uns“

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Von: Georg Dickopf

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Besonders verärgert zeigen sich die Vertreter der Testzentren darüber, dass sie nicht frühzeitig über die Veränderungen informiert wurden.
Besonders verärgert zeigen sich die Vertreter der Testzentren darüber, dass sie nicht frühzeitig über die Veränderungen informiert wurden. © Kaul-Hentschel

Die gute Nachricht vorweg: In Plettenberg kann man sich auch nach dem 30. Juni noch an vier Stellen auf das Coronavirus testen lassen - auch wenn Finanzminister Christian Linder verfügt hat, dass die Schnelltestbetreiber ab 30. Juni nur noch 9,50 Euro statt 11,50 Euro bekommen. Verärgert zeigt man sich bei den Testzentren darüber, dass die Informationen zu den Änderungen nicht früher gekommen seien.

Plettenberg - Von den 9,50 Euro muss man zukünftig drei Euro selbst zahlen – der staatliche Anteil sinkt damit von 11,50 auf 6,50 Euro. Zuletzt kostete das Testkonzept den Staat monatlich rund eine Milliarde Euro. Bis zum Jahresende wird deshalb nun nur noch mit 2,7 statt 5 Milliarden Euro an Ausgaben gerechnet.

Doch Ausnahmen gibt es auch hier – und genau die könnten bald zu Problemen führen. Zunächst einmal sind alle Kinder bis fünf Jahre und schwangere Frauen zu Beginn der Schwangerschaft von der Eigenbeteiligung befreit. Ebenfalls befreit sind die Besucher von Kliniken, Krankenhäusern und Pflegeheimen.

„Ich könnte mir vorstellen, dass demnächst ganz viele Leute plötzlich ihre Oma oder einen Bekannten im Krankenhaus oder Pflegeheim besuchen wollen“, schließt Uwe Nahrgang als Mitbetreiber des Schnelltestzentrums in der Stadtmitte einen Missbrauch nicht aus. Schließlich seien solche schwer nachprüfbaren Ausnahmeregelungen eine Steilvorlage für Betrüger.

Wie das nachzuprüfen sei, könne er nicht sagen. Ebenfalls sei noch offen, ob das Land NRW noch weitreichende Ausnahmeregeln erlasse. „Ich weiß auch nur das, was in der Zeitung steht“, wurde Nahrgang als Betreiber einer Schnellteststation noch nicht von offizieller Seite über die ab dem 30. Juni geltende Neuregelung informiert.

Für ihn ist aber klar, dass man das Testangebot auch bei einer abgesenkten Entlohnung aufrechterhalten werde. „Jetzt zu sagen, dass wir nicht mehr testen, wäre unmenschlich“, sagt Nahrgang.

Auch Martina Reitemeyer will das Testangebot in Köbbinghausen bei gleichbleibenden Öffnungszeiten (täglich von 7 bis 18 Uhr sowie am Wochenende) aufrechterhalten. „Bei uns wird sich nichts ändern“, so Reitemeier, die an der Einfahrt zum Industriegebiet ein Drive-In-Center mit Spucktest betreibt.

Im späten Frühjahr seien die Zahlen deutlich zurückgegangen, doch seit Mitte Juni verzeichne man wieder mehr Tests und vor allem mehr positive Fälle. War sonst nur jeder 50. Kunde positiv, sei es nun etwa jeder 20., der positiv auf Corona getestet werde. Wie bei den meisten anderen Testcentern kann man den Selbstbetrag hier auch mit Karte bezahlen. Auch hier vermisst Martina Reitemeyer im Vorfeld frühzeitige Informationen zur Umsetzung und zu den Ausnahmeregelungen.

Dasselbe Bild zeigt sich beim DRK: Der Vorsitzende Peter Krieger bekräftigt, dass man das Angebot aufrecht erhalten werde. Gegebenenfalls werde man allerdings innerhalb des DRK-Heimes den Raum wechseln, doch das Testangebot werde in jedem Fall fortgeführt. „Es ist immer noch so, dass es sich für uns rechnet“, sagt Krieger, der auf ein großes Team an ehrenamtlichen Helfern setzen kann.

Auch die beiden Ifam-Schnelltestzentren in Werdohl und Plettenberg laufen weiter wie bisher, heißt es auf Nachfrage. Kritisch sieht man die Neuerung allerdings dennoch: „Es ist für uns völlig unverständlich, dass man nach über einem Jahr nicht in der Lage ist, die Testzentren frühzeitig über Änderungen zu informieren“, sagt Moritz Marl, Geschäftsführer der Prange Gesundheit GmbH, unter dessen Dach die Testzentren in Plettenberg und Werdohl betrieben werden. „Es war immer kurz vor knapp, wenn etwas mitgeteilt wurde – wenn denn überhaupt etwas kam“, kritisiert Marl die schlechte Informationspolitik.

Um in Sachen Ausnahmeregelungen gewappnet und auf der sicheren Seite zu sein, erstelle man gerade ein Formular, auf dem vor dem Schnelltest der Grund angegeben werden muss, wenn man eine Befreiung von der Zuzahlung verlangt – verbunden mit einer Unterschrift. „Man sollte zwar eigentlich darauf vertrauen, dass die Bürger wahrheitsgemäße Angaben machen und auch bereit sind, drei Euro zu zahlen, aber mit dem Formular wollen wir uns absichern, auch wenn es zusätzlichen Papierkrieg bedeutet“, so Marl. Ob und wann das Verfahren auch digital erfolgen kann, prüfe man gerade – auch im Hinblick auf den Datenschutz.

Kritik gibt es auch seitens der Hausärzte. Der Hausärzteverband bezeichnet die Neuregelung als ein „Bürokratiemonster“ und lehnt es ab, „Geldeintreiber eines überforderten Staates zu sein.“

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