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Telefonzelle ohne Telefon: Telekom verspricht baldigen Rückbau

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Von: Georg Dickopf

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Die fehlende Telefoneinheit ist nur ein Problem der Telefonzelle an der Grünestraße. Diese verfügt zwar über keine Glasscheiben mehr, doch das Dach ist - unfreiwillig - begrünt.
Die fehlende Telefoneinheit ist nur ein Problem der Telefonzelle an der Grünestraße. Diese verfügt zwar über keine Glasscheiben mehr, doch das Dach ist - unfreiwillig - begrünt. © Dickopf, Georg

Das arg ramponierte und defekte Exemplar einer Telefonzelle steht seit geraumer Zeit am ZOB Grünestraße und gammelt vor sich hin. Alle Scheiben sind zerstört, die Wähleinheit fehlt und mangels Telefonbüchern fehlt auch der muffige Geruch, der sich früher gerne mit kaltem Nikotingestank verband.

Plettenberg - Früher waren Telefonzellen überdachte, knallgelbe Rückzugsorte, von denen man anrufen konnte, ohne dass die Eltern einem nervende Blicke zuwarfen. Drei Groschen oder ein Markstück reichten, um in die große weite Welt zu telefonieren. Über 120 000 solcher Telefonzellen gab es bis Anfang der 90er Jahre noch bundesweit. Heute muss man im Plettenberger Stadtgebiet suchen, um eine funktionierende Telefonzelle zu finden.

Dabei ist vielen Plettenbergern die oben beschriebene Telefonzelle an der Grünestraße seit Monaten ein Dorn im Auge und auch Bürgermeister Ulrich Schulte hat bereits mehrfach bei der Telekom nachfragen lassen. Da lange Zeit keine Reaktion erfolgte, sei er kurz davor gewesen, die Zelle vom Baubetriebshof abbauen zu lassen. „Aber ich hatte Bedenken, damit möglicherweise das Telefonnetz in der Innenstadt lahmzulegen“, sagte Schulte. Mittlerweile bestehe aber Kontakt zur Telekom, was auch Pressesprecher George-Stephen McKinney bestätigte.

„Nach Rückmeldung von unserem dafür zuständigen Fachbereich wird die Zelle voraussichtlich in den nächsten vier bis sechs Wochen zurückgebaut“, sagte McKinney. Die Abstimmung zwischen Telekom und der Stadtplanung der Stadt Plettenberg darüber, ob an diesem Standort künftig eine Edelstahlsäule aufgebaut werden soll oder ob der Standort endgültig entfällt, erfolge in den nächsten Tagen.

Nur die rechte Telefonsäule am Maiplatz funktioniert noch.
Nur die rechte Telefonsäule am Maiplatz funktioniert noch. © Dickopf, Georg

Wenn es nach Bürgermeister Ulrich Schulte geht, muss an der Stelle keine neue Telefonzelle errichtet werden, da nur 100 Meter weiter am Maiplatz vor dem ehemaligen Postgebäude zwei halboffene Telefonzellen zu finden sind.

„Wenn wir den Maiplatz demnächst neu gestalten, wäre es wünschenswert, wenn die Zellen am Rand platziert werden könnten“, sagte Schulte, dem eine Einheit am Maiplatz reichen würde.

Telefonieren kann man in der noch intakten Zelle übrigens entweder per Münzeinwurf oder per Telefonkarte.

Wer kein Münzgeld hat, findet im Innenstadtbereich allerdings keine Verkaufsstelle für die früher beliebten Telefonkarten. „So etwas führen wir hier nicht und danach hat in den letzten Jahren auch nie jemand gefragt“, sagte Kundenberater Dominik Scherff, der den Telekom-Shop im früheren Café Ochtendung an der Grünestraße betreibt. Auch im Postshop Henkel und bei Langhoff-Suliani gibt es die Karten schon lange nicht mehr.

Immerhin haben die recht modern gestalteten Telefonsäulen am Maiplatz noch eine weitere wichtige Funktion, denn sie sind ein Hotspot.

Wer im Sommer im Eisacafé Sagui sitzt, kann über den Hotspot kostenlos im Internet surfen, Nachrichten, Bilder und Videos verschicken und telefonieren, aber auch das kommt wie die Telefonzellen etwas aus der Mode...

Gelb ist ausverkauft

Noch zu Beginn der 1990er-Jahre gab es rund 120 000 Telefonzellen in Deutschland. Durch den Siegeszug der Handys hat sich die Zahl drastisch reduziert – auch in Plettenberg.

Die Telekom lagert viele der abgebauten Telefonzellen auf speziellen Sammelgeländen. Wer Interesse an dieser ausrangierten Technik hat, kann sogar ein altes Modell kaufen. Doch es gibt ein Problem: Käufer müssen die Konstruktion selbst abholen und verladen. Zum Beispiel beim Fernmeldezeugamt Berlin, Außenstelle Potsdam. Neben der nicht gerade einfachen Abholung ist ein Kaufpreis je nach Telefonzelle von über 400 Euro fällig.

„Die gelben Telefonzellen sind aber leider schon länger komplett ausverkauft“, erklärte Post-Presssprecher George-Stephen McKinney. Es gebe nur noch die Nachfolger in Grau und Magenta.

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