Teil 1 zum Thema Schwerhörigkeit – Im April startet erstes Plettenberger Forum für Menschen mit Hörstörungen

„Wie bitte, Sie hören schlecht?“

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Dr. Herbert Klimesch gibt Tipps zum Thema.

Plettenberg - In Deutschland hat nach einer Studie des Mediziners Wolfgang Sohn an der Universität Witten-Herdecke aus dem Jahr 2000 fast jeder vierte Mensch über 14 Jahre ein Hörproblem. Dabei sind die Schwierigkeiten beim Einzelnen ganz unterschiedlich. Die Redaktion sprach jetzt mit Plettenberger HNO-Arzt Dr. Klimesch zu diesem Thema, und im April startet das erste Plettenberger Forum für Menschen mit Hörstörungen.

Angeborene oder später erworbene Hördefizite, die vom leiseren Hören bis zum kompletten Hörverlust reichen, beeinträchtigen die Betroffenen überall. Das familiäre Umfeld wird beeinflusst, in der Schule droht Mobbing wegen Unverständnis, und im Beruf können Missverständnisse teuer werden. Es gibt unendlich viele unschöne Szenarien, wenn nicht – ja, wenn nicht so früh wie möglich gegengesteuert wird. Heutzutage sind Hörhilfen so unauffällig, dass sie kaum zu erkennen sind. Das alte Hörrohr ist längst Vergangenheit, doch die Schwierigkeiten sind nicht weniger geworden. Umwelteinflüsse, Geräuschkulissen bei der Arbeit oder in der Freizeit lassen das Gehör leiden. 

Vielfach wissen die Betroffenen nicht um die reduzierte Hörleistung, weil sie sich meist schleichend entwickelt und das zunehmend schlechtere Hören als „normal“ empfunden wird. Dabei ist die Anzahl von Betroffenen im Alter sehr hoch. So sind ca. 37 Prozent der Deutschen im Alter von 60 bis 69 Jahren und 54 Prozender 70 Jahre alten und älteren Deutschen von einer Schwerhörigkeit betroffen. Positive Änderungen tun Not. Dazu gehört natürlich, sein eigenes Hörproblem zu erkennen, zu akzeptieren und den Gang zum HNO-Arzt anzutreten. Der kann ganz genau mit seinen Tests messen, in welchem Umfang und in welchem Frequenzbereich ein Hörverlust besteht. 

Mit einer Verordnung geht es zum Hörgeräteakustiker, der gemeinsam mit dem Patienten eine speziell für ihn passende Hörhilfe auswählt und die notwendigen Einstellungen vornimmt. Das kann durchaus einige Wochen dauern, bis das richtige Gerät (hinter dem Ohr oder im Ohr) feststeht und das beste Hören erreicht wurde. Bei den Geräten gibt es Ausführungen mit guten Eigenschaften bis hin zu Komfort-Hörhilfen mit Bluetooth-Schnittstelle. Sie eignen sich für den kombinierten Gebrauch in den Alltagssituationen bis zur Übertragung von Telefongesprächen, Musik und TV-Übertragungen im schönsten Stereoton, regelbar über eine App im Smartphone. Durchaus sehr gute Geräte sind bereits für einen Eigenanteil kleinen Geldbeträgen zu erhalten. Die Krankenkassen beteiligen sich mit maximal 1 500 Euro bei einer beidseitigen Hörhilfenversorgung.

 Dr. med. uni. Dr. phil. Herbert Klimesch, unser in Plettenberg niedergelassener HNO-Arzt, gab noch einige weiterführende Informationen: „Viele versuchen, selbst den Gehörgang zu reinigen. Dabei laufen sie Gefahr, das so wichtige Sinnesorgan dauerhaft zu schädigen. Im besten Fall schieben sie das Ohrenschmalz an das Trommelfell und können dann noch weniger hören. Wenn Ohrenschmalz nicht regelmäßig entfernt wird, verhärtet es im Laufe der Zeit und ist teilweise schmerzhaft für den Patienten zu entfernen. Ist der Gehörgang frei und die Schwerhörigkeit besteht immer noch, bestätigt ein Hörtest das Hördefizit, das mit einer Hörhilfe in den Griff bekommen werden kann. In Deutschland gibt es Millionen von mit Hörhilfen unversorgten Menschen, die aber diese zur Erhaltung der Lebensqualität unbedingt benötigen.“ 

Dr. Klimesch hat im Laufe seiner Praxistätigkeit viele Patienten gesehen, die sich jahrelang gegen eine Hörhilfe gesträubt haben. Wenn diese dann doch einmal ein solches Gerät akzeptieren, sind sie glücklich über das neue Hören und fragen sich, warum sie den Weg nicht schon früher eingeschlagen haben. Mit einem Mal sind Alltagsgeräusche wieder hörbar und ein Zeitungsseitenumblättern wird zum Erlebnis. Aber er sagt auch, dass sich das Gehirn erst einmal an das neue Hören gewöhnen muss. In den kommenden Wochen werden wir mit weiteren Beiträgen zum Thema Schwerhörigkeit & Co. informieren, nicht zuletzt, um dieses Problem zu verdeutlichen und die Scheu vor einer Hörhilfe abzubauen.

 Am 13. April wird das erste Forum für Menschen mit Hörstörungen im Paul-Gerhardt-Haus stattfinden.

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