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„Müssen uns viele Gedanken machen“: Taxi-Unternehmen leiden unter Corona

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Von: Hartmut Damschen

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Taxi-Unternehmer Udo Göhausen hält sich größtenteils mit Krankenfahrten über Wasser. Doch für die gibt es feste Sätze.
Taxi-Unternehmer Udo Göhausen hält sich größtenteils mit Krankenfahrten über Wasser. Doch für die gibt es feste Sätze. © Archivfoto

Service-Unternehmen haben durch Corona einen schweren Stand. Vieles muss anders organisiert werden, um ein geschäftliches Überleben zu sichern. Davon kann auch Udo Göhausen, der seit Langem ein Taxi-Unternehmen in Plettenberg führt, ein Lied singen. Im Gespräch mit Hartmut Damschen erläutert Göhausen, wie sich die Pandemie auf sein Unternehmen ausgewirkt hat.

Wo setzten Sie Ihre Prioritäten?
Wir mussten uns viele Gedanken machen, um unsere zwölf fest angestellten Fahrer behalten und unsere 25 Aushilfsfahrer beschäftigen zu können. Leicht war das nicht, weil Flughafentransfers und Kurierfahrten gänzlich ausfielen. Kein Abiball, kein Schützenfest, kein P-Weg, kaum private Feierlichkeiten und Restaurantbesuche.

Und Busfahrten?
Da läuft nichts mehr. Im Gegenteil: Wir hatten noch vor Corona einen neuen 22-sitzigen Bus bestellt, den wir, als er produziert war, auch abnehmen mussten. Entgegenkommenderweise wurde der Auslieferungstermin um zwei Monate nach hinten geschoben. Doch nun steht er hier und kann nicht genutzt werden.

Haben Sie diese Defizite anderweitig auffangen können?
Heute bestehen unsere Aufträge zu 70 Prozent aus Krankenfahrten. Diese Fahrten werden nach einem festen Satz abgerechnet, der bei zwei-Drittel des normalen Fahrpreises liegt. Innerhalb Plettenbergs gibt es eine Pauschale von 10,90 Euro je Fahrt.

Damit ist die komplette Fahrt innerhalb Plettenbergs abgegolten?
Ja, mit Hinfahrt, Wartezeit bis zum Einsteigen, eventueller Unterstützung bei schlechter Mobilität des Patienten und eventueller Wartezeit an Apotheken. Und Plettenberg hat weite Wege aufzuweisen.

Wer legt dieses Preisgefüge fest?
Der Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs NRW (VSPV) verhandelt fair die Fahrpreise mit den jeweilig zuständigen Krankenkassen. Die Krankenkassen legen aber immer die kürzeste Strecke bei Fahrten außerhalb Plettenbergs zugrunde. Sie interessiert es nicht, wenn da auch mal eine Straßenverbindung für den Normalverkehr gesperrt ist.

Können Sie nicht entstehende Mehraufwendungen geltend machen?
Nein, die Abrechnungen laufen über die den Krankenkassen angeschlossenen Rechenzentren. Die gehen strikt nach den einschlägigen im Internet verfügbaren Straßenverbindungen vor und kürzen rigoros. Wir müssen uns die Mehrkosten selbst ans Bein binden. In diesem Zusammenhang denken wir schon mit Schrecken an die neu auf uns zukommenden Mindestlöhne. Ich rechne damit, dass wir bei den dadurch anstehenden Neuverhandlungen weitere Federn lassen müssen.

Haben Sie Pandemie-Hilfsgelder beantragt?
Nein. Überlegt hatten wir den Schritt, doch die Arbeitszeiten unserer fest angestellten Mitarbeiter sind so unregelmäßig, dass bei Beantragung von Kurzarbeit kein durchgängiges Konzept darzustellen ist.

Das sind, insgesamt betrachtet, keine guten Perspektiven für Sie und Ihre Branche.
Ja. Realistische Umfragen und auch wir gehen davon aus, dass ein-Drittel aller Taxi-Unternehmen durch Corona aufgeben werden.

Was würde bei all diesen Einkommens-Einbrüchen helfen?
Wir werden unter dem allgemeinen Begriff „Öffentlicher Personen-Nahverkehr“ geführt, doch nicht so behandelt. Betriebe des ÖPNV, die im Linienverkehr ihre Busse einsetzen, erhalten steuerliche Vorteile bei den Dieselpreisen. Das wäre, wenn wir gleichgesetzt würden, schon eine Hilfe.

Der VSPV ist nur regional tätig. Wer wäre dann zuständig?
Richtig. Eine Lösung kann nur bundesweit erzielt werden. Da wäre der „Bundesverband Taxi und Mietwagen“ als zuständige Einrichtung zu nennen. Aber ein Erfolg an der Stelle scheint nur frommes Wunschdenken zu sein.

Was haben Sie zur Sicherheit Ihrer Fahrgäste und Fahrer unternommen?
Alle unsere Fahrer haben nachweislich die zweite Covid-19-Impfung erhalten, teilweise auch die Booster-Impfung. In jedem Fahrzeug stehen Desinfektionsmittel für Hände, Griffe und Sitze zur Verfügung und es herrscht Maskenpflicht. Eine regelmäßige Reinigung der Fahrzeuge ist selbstverständlich.

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